15.11.2007 · Viel ist es nicht, was Arbeiter auf der Stadionbaustelle im südafrikanischen Durban verlangen. Sie streiken für einen Stundenlohn von einem Euro. Das Organisationskomitee für die Fußball-WM 2010 befürchtet Streiks auf allen zehn Stadion-Baustellen.
Von Thomas Scheen, JohannesburgTim Modise übt sich in Langmut. "Tun können wir eigentlich nichts", sagt der Sprecher des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Stattdessen hofft er auf "die Einsicht beider Parteien", es nicht zum Äußersten kommen zu lassen, nämlich einem Streik, der die Arbeiten auf den zehn Stadion-Baustellen landesweit zum Erliegen bringen und den ohnehin knappen Zeitplan für die Fertigstellung der Fußballarenen für die kommende WM zur Makulatur machen könnte.
Was den Ausrichtern der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 derzeit Kopfschmerzen bereitet, begann vor sieben Tagen mit einem wilden Streik auf der Baustelle des Moses-Mabhida-Stadions in Durban. Viel ist es eigentlich nicht, was die mächtige Minenarbeitergewerkschaft, in der die meisten Bauarbeiter organisiert sind, verlangt. So soll der für Bauarbeiten gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn von 11 Rand (rund ein Euro) pro Stunde gezahlt werden. Zahlreiche Subunternehmer unterlaufen diesen systematisch und zahlen ihren Arbeitern sechs Rand (60 Cent) pro Stunde.
Weitere Unfälle vermeiden
Zudem wollen die Arbeiter einen permanenten Sicherheits- und Gesundheitsbeauftragten auf der Baustelle haben, um weitere Unfälle zu vermeiden. Und sie fordern eine Erfolgsprämie bei fristgerechter Fertigstellung von Teilbauten in Höhe von 1500 Rand (158 Euro) im Monat. Die Baufirmen aber wollen lediglich 500 Rand (knapp 53 Euro) Prämie für drei Monate zahlen.
Pikant an dem Streik in Durban ist vor allem, dass eines der beiden betroffenen Bauunternehmen, "Group Five", dem Multimillionär Tokyo Sexwale gehört. Sexwale ist ein Veteran des südafrikanischen Befreiungskrieges und war Ministerpräsident der Provinz Gauteng, bevor er zu einem der erfolgreichsten schwarzen Unternehmer des Landes aufstieg. Sexwales erklärte Absicht ist es, bei den Präsidentschaftswahlen 2009 anzutreten.
Eine ganze Reihe von Streiks
Angesichts der festgefahrenen Situation in Durban droht die Minenarbeitergewerkschaft mit einer Arbeitsniederlegung auf den neun anderen WM-Baustellen im Land sowie der Baustelle des Gautrain-Schnellzuges in Johannesburg, dem Prestigeobjekt für die kommende WM. Die Probleme in Durban, so ihre Begründung, seien nämlich auf allen Baustellen anzutreffen. Zurzeit seien ihre Anwälte dabei, die legale Grundlage für einen solchen Streik auszuarbeiten, hieß es am Mittwoch in der Zentrale der Gewerkschaft.
In Kapstadt war es in den vergangenen zwei Monaten bereits zweimal zu spontanen Arbeitsniederlegungen gekommen, weil sich Gewerkschaften und Baufirmen nicht über einen Zuschuss zu den Transportkosten der Bauarbeiter einigen konnten. Mittlerweile stellen die Firmen Busse, um die Arbeiter vom Kapstädter Bahnhof zum Green Point Stadium zu transportieren. Südafrika hat in den vergangenen sechs Monaten eine ganze Reihe von Streiks erlebt. So hatte der öffentliche Dienst einen Monat lang die Arbeit verweigert, um eine Gehaltserhöhung durchzusetzen, die knapp über der jährlichen Inflationsrate liegt.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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