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Südafrika Leere Fußballtempel

 ·  Die Weltmeisterschaft 2010 hat dem südafrikanischen Fußball kaum etwas gebracht, sondern vor allem leerstehende, kostenintensive Prunkbauten hinterlassen. Mittlerweile wird in Kapstadt schon von einem Abriss gesprochen.

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Noch immer heißt Nelson Mandela auf einer gläsernen Werbewand im Flughafen Tambo von Johannesburg die Einreisenden willkommen: „Enjoy the World Cup 2010 in South Africa.“ Niemand hat das Plakat entfernt, aber acht Monate nach dem Finale ist von der weltmeisterlichen Fußball-Begeisterung in Südafrika nicht mehr viel übrig geblieben. Der Zuschauerschnitt der Premier Soccer League liegt bei 7500 Zuschauern – wie vor dem World Cup. Die riesigen WM-Arenen werden kaum noch genutzt. Von den 16 Klubs der höchsten Liga sind die meisten in ihre gewohnten, kleinen Stadien zurückgekehrt.

Das WM-Zentrum in Johannesburg, der Finalspielort Soccer City, der jetzt wieder FNB-Stadium heißt, wurde nur zweimal mit Zuschauermassen wie bei der Weltmeisterschaft gefüllt. Zum großen Soweto-Derby im Pokalfinale und in der Meisterschaft zwischen den Orlando Pirates und den Kaizer Chiefs kamen jeweils rund 90.000 Besucher. Der Liga-Schlager zwischen den Pirates und den Moroka Swallows, der auch den Zuschauerschnitt hätte heben können, musste dagegen abgesagt werden, weil Diebe wertvolle Stromleitungen und anderes vor dem Stadion verbaute Material gestohlen hatten. Dagegen hat eine WM-Stadt wie Port Elizabeth gar keine Premier-League-Mannschaft für das neue Nelson-Mandela-Bay-Stadion. In den Orten, wo Erstligateams spielen, ist die Nutzung der Fußball-Tempel zu teuer, um dort regelmäßig Matches auszutragen. Die WM hat dem südafrikanischen Fußball kaum etwas gebracht, sondern vor allem leerstehende, kostenintensive Prunkbauten hinterlassen.

„An den Weltklasse-Komfort gewöhnt“

In Kapstadt wird der Fall am deutlichsten. Dort wird sogar schon von Abriss gesprochen. Ganz so weit ist es noch nicht, aber der Rasen ist schon nicht mehr da. Damit die jeweils 70.000 Zuhörer der Pop-Größen U2 und Neil Diamond das Grün nicht platt trampeln, wurde die Spielfläche des Green Point Stadium abgetragen. Für die Fußball-Mannschaft Ajax Cape Town war die Saison im neuen heimischen Stadion damit beendet. Zwar liegen zwischen den Konzerten zwei Monate, aber eine Aktion „Rasen raus, Rasen rein, Rasen raus, Rasen rein“ – das kann sich das Management des so schmucken, jedoch defizitären Überbleibsels des World Cups nicht leisten. Die Kosten von 800.000 Rand (80.000 Euro) sind so schon hoch genug. Der Spitzenklub Kapstadts empfindet die Ausquartierung als großen Nachteil. „Die Mannschaft liebt den wunderbaren Rasen und hat sich an den Weltklasse-Komfort gewöhnt“, sagt Ajax-Medienchef Meyer.

Aber Geschäftsführer George Comitis ist nicht so vermessen, sich zu beschweren. Seit die Betreibergesellschaft, ein südafrikanisches und französisches Konsortium, im vergangenen Herbst das operative Geschäft beendete, liegt die Verwaltung des Stadions beim Magistrat von Kapstadt. Und die Stadt ließ Ajax erst mal weiter spielen, nur für die Übernahme der Kosten des laufenden Spielbetriebs wie Sicherheitspersonal, Reinigung, Strom und Wasser. Weiter sei das Mietverhältnis zwischen der Stadtverwaltung und dem Klub noch nicht geregelt, so Meyer.

In Kapstadt wird meist wird nur der unterste von drei Rängen geöffnet

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