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Stuttgarts Christian Gentner Schwäbischer Muntermacher

Stuttgarts Mittelfeldspieler Christian Gentner erfindet sich neu und verleiht dem VfB Stabilität. Im Europa-League-Achtelfinale gegen Lazio Rom (19 Uhr) möchte er seine Rolle wieder ausfüllen - als „Acht“ zwischen Abwehr und Offensive.

© REUTERS Vergrößern Zurück zu alter Stärke: VfB-Mittelfeldmotor Christian Gentner

Sie hatten ihn dringender gebraucht denn je. Für eine Botschaft, die bekräftigt, der VfB Stuttgart würde den eingeschlagenen Weg weitergehen. Als Mittelfeldspieler Christian Gentner Anfang Januar seinen Vertrag in Stuttgart bis 2016 verlängerte, sollten die Kritiker, die das spielende Personal mit dem roten Brustring als unzureichend befanden, verstummen: Wir lassen uns nicht beirren! Egal, wie viel eingespart würde, mit Spielern, die sich zu diesem Weg bekennen, könne der Verein Erfolg haben.

Sparen, das muss der schwäbische Bundesligaklub bekanntlich, aber andauernden Misserfolg, das würden die Fans in der Stadt niemals dulden, in der sie gemäß dem baden-württembergischen Landesmarketing außer Hochdeutsch alles können. Wer also hätte den beiden Direktoren Sport, Fredi Bobic und Jochen Schneider, für ihre Initiative besser in den Kram gepasst als Gentner? Der Mann, der einst als Balljunge vor der Cannstatter Kurve stand, als das „magische Dreieck“ (Bobic, Balakov, Elber) eine Abwehrreihe nach der anderen austanzte; der Spieler, der in Kirchheim, wenige Kilometer südöstlich des Stuttgarter „Kessels“, das erste Mal davon hörte, was eine Abseitsfalle ist und eineinhalb Jahrzehnte später, 2007, mit dem VfB Meister wurde. Gentner unterschrieb.

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“Ich bin nicht geblieben, um zwischen Platz elf und fünfzehn herumzuspielen“, sagt der 27-Jährige. Es ist eine Aussage, wie man sie oft von Bundesligaprofis hört, die für gewöhnlich neben der eigenen finanziellen Ausstattung an der sportlichen Perspektive ihres Klubs interessiert sind. Und so fragte sich mancher: Etatkürzungen von einem Drittel, keine Aussicht auf Millioneninvestitionen, wer glaube da schon an eine rosige Zukunft? Gentner tat es - und behielt recht.

Die Stuttgarter sind, wenn sie an diesem Donnerstag gegen Lazio Rom zum Achtelfinal-Hinspiel der Europa League (19 Uhr live im Europa-League-Ticker bei FAZ.NET) antreten, der einzig verbliebene deutsche Vertreter in diesem Wettbewerb. Hinzu kommt das Pokalhalbfinale gegen den Nachbarn SC Freiburg im eigenen Stadion. „Ich vertraue der Arbeit von Bobic und Schneider“, sagt Gentner. Er genießt die Wertschätzung in Stuttgart. Ein Umstand, der sich seit seiner Rückkehr aus Wolfsburg im Sommer 2010 wiederholt zu wandeln schien. Gentner musste in der Innenverteidigung aushelfen, dabei hatten sie ihn für die Schaltzentrale des 4-2-3-1-Systems geholt, das sie peu à peu perfektionieren wollten. Doch als er in die Mitte zurückkehrte, zeigte er ungekannte Schwächen.

Tamas Hajnal, Gentner, Hajnal, Gentner, Hajnal

Immer wieder rotierte sein Trainer auf der Spielmacherposition: Tamas Hajnal, Gentner, Hajnal, Gentner, Hajnal. Mancher mutmaßte, ob am Neckar Wetten darauf abgeschlossen werden könnten, wen von beiden Bruno Labbadia im nächsten Spiel aufbieten würde. Doch das Beharren auf „das eine“ System ist Vergangenheit. Und die angebliche Wettquote dürfte ins Bodenlose gestürzt sein: In der Negativspirale, in die der VfB vorübergehend geraten war, in der es Signale zu setzen galt, war „Gente“, wie sie ihn im Stuttgarter Fanblock rufen, wieder zur Stelle. Er schoss den VfB auf Europas Bühne eine Runde weiter; und er leitete mit seinem Führungstor gegen den VfL Bochum (2:0) den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale ein.

Es war ein Treffer mit Aussagekraft. Gentner hat sich auf dem Platz neu erfunden. „Ich bin eine Acht“, sagt er. Einer, der mit Zug zum Tor spiele, mutig den Abschluss suche, wie gegen die Bochumer. Weil Gentner zudem Defensivqualitäten mitbringt, den Blick für die Laufwege der Stürmer und das Verständnis für die Spieleröffnung der Innenverteidiger hat, ist er das Bindeglied zwischen Abwehr und Offensive. Es ist eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschnitten ist. Sie hatten sie ihm lange zugedacht, selten füllte er sie mit so viel Energie aus wie in den vergangenen Spielen. Gentner gibt die Richtung vor. „Wir sind stabiler geworden.“

Bild Gentner © dpa Vergrößern „Wir sind stabiler geworden“: Stuttgarts Christian Gentner (rechts)

Als es nicht rund lief, scharte er seine Mitspieler um sich. Es wurde Klartext geredet. Individuelle Leichtsinnsfehler, riskante Dribblings, mangelhaftes Selbstbewusstsein - alles sei offen angesprochen worden. Auch mit dem Trainer. Für Labbadia ist Gentner der erste Ansprechpartner - ein Schmankerl für den selbstbewussten Kreativspieler (“Ich habe nie an mir gezweifelt“). Er fühlt sich wohl. Wie die Spiele gegen Lazio auch enden mögen, er werde den eingeschlagenen Weg weiter mitgehen. Er ist damit das Paradebeispiel eines Spielers, wie ihn sich Bobic wünscht - auch rhetorisch: Die Leute in Stuttgart müssten geduldig sein. „Wir dürfen nicht wie früher in Aktionismus verfallen. Dann haben wir Riesen-Möglichkeiten.“

Quelle: F.A.Z.

 
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