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Stratege mit Esprit und Eleganz Ballack ist der Münchner Souverän

01.05.2005 ·  Er verbindet Power und Potenz, Esprit und Eleganz in einer Person. Michael Ballack hat mit dem FC Bayern sein drittes Meisterstück gemacht. Der torgefährliche Mittelfeldstratege ist Boss beim Rekordmeister und in der Nationalmannschaft.

Von Hartmut Scherzer
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Es war ein Genuß zu sehen, wie souverän Michael Ballack am Samstag den FC Bayern München zur 19. deutschen Meisterschaft führte. Zu bewundern waren unter anderem der präzise Schuß nach eleganter Körperdrehung zum 1:0; der genaue Steilpaß in den Lauf Roy Makaays zum 4:0; die Wege, auf denen er sich überall auf dem Platz nahezu unbemerkt in beste Position brachte. Seinem Gegenspieler Marco Engelhardt muß der stets präsente Stratege wie ein Phantom vorgekommen sein. Ballack war einfach nicht zu fassen.

Der Ort seines nunmehr dritten Meisterstücks war einst seine Lehrstelle. Auf dem Betzenberg hatte der Sachse unter dem strengen Regiment Otto Rehhagels vor acht Jahren seine Bundesliga-Karriere begonnen. Daß der 1. FC Kaiserslautern in Ballacks erstem Lehrjahr unerwartet Meister wurde, hatte damals nichts mit der Verpflichtung des zweifellos begabten U21Nationalspielers des FC Chemnitz zu tun. Rehhagel ließ das Talent schmoren. Gerade mal zwei Einsätze über neunzig Minuten gewährte der Meistertrainer dem 21 Jahre alten Neuling im Pfälzer Meisterjahr 1997/98. Als Ballack sich nach Leverkusen verabschiedete, gab ihm Rehhagel ein nicht gerade schmeichelhaftes Urteil mit auf den Weg: "Ein Ersatzspieler, der noch viel lernen muß. Und das in jeder Beziehung."

Der Boss des Rekordmeisters

Längst ist aus dem Azubi vom Betzenberg über den Umweg Leverkusen der Boss des deutschen Rekordmeisters und der deutschen Nationalmannschaft (51 Länderspiele) geworden. Weil Torwart Oliver Kahn verletzt war und als Spielführer ausfiel, erlebte Michael Ballack diese Gala mit dem Titelgewinn als Bayern-Kapitän.

Bei so viel Power und Potenz, Esprit und Eleganz in einer Person kann man sich gar nicht vorstellen, daß zu Beginn der Rückrunde der 28 Jahre alte Michael Ballack zum allgemeinen Erstaunen nicht sonderlich vermißt worden war, als er wegen muskulärer Probleme wochenlang fehlte. Als der FC Bayern den großen Konkurrenten des letzten Jahrzehnts im Kampf um die Meisterschale, den BVB Borussia Dortmund, 5:0 abgefertigt hatte und im fünften Saisonspiel ohne Ballack ungeschlagen geblieben war (vier Siege, ein Unentschieden), hieß es für viele: Es geht auch ohne Ballack. Roy Makaay hatte zuvor festgestellt: "Wir haben schon oft gezeigt, daß wir auch ohne Michael gut spielen können."

„Bewiesen, daß wir die beste Mannschaft in Deutschland sind"

Doch er kehrte als Souverän des Spiels zurück; als einsatzfreudiger Profi, für den inzwischen die Grätsche ebenso ein Stilmittel ist wie der elegante Paß. Der Triumph ausgerechnet auf dem Betzenberg kam für Nationalspieler Ballack wie gerufen. "Wir haben heute unsere Serie mit der Meisterschaft gekrönt. Das freut mich natürlich riesig. Wir haben die ganze Saison über sehr gut gespielt und heute ein Superspiel gemacht. Wir sind verdient frühzeitig Meister geworden. Bei neun Punkten Vorsprung hatte sich das ja angedeutet." Die Bayern waren darauf vorbereitet: Das Weißbier für die traditionelle Trainerdusche hatten die Münchner vorsorglich mitgebracht. Kaum war der Schlußpfiff ertönt, hielt Michael Ballack schon einen Bierhumpen in der Hand, legte den Arm kameradschaftlich um Felix Magath, schob dessen Mütze nach vorn und entleerte die vier Liter über das Haupt des Trainers. Bei den Bayern bedeutet dieses Ritual die Weihe.

Später zog Ballack auf der Münchner Meisterpartie in einem Restaurant im Englischen Garten kurz Bilanz: "Vor zwei Wochen waren wir noch in der Champions League und sind dort knapp und unglücklich ausgeschieden. Dennoch haben wir einen echten Fortschritt gemacht gegenüber den beiden vorangegangenen Saisons." Das war ein Kompliment an den Trainer. So eine Meisterschaft könne man nicht hoch genug einschätzen. Jeder rechne von vornherein mit den Bayern. Doch es werde unterschätzt, welche Arbeit dahinterstecke und unter welchem Druck die Mannschaft immer stehe. "Jetzt sind wir Meister und stehen im Pokalfinale. Wir haben eindrucksvoll bewiesen", sagte Ballack, "daß wir die beste Mannschaft in Deutschland sind."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Mai 2005
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