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Frauenfußball-Kommentar : Der DFB erhält die Quittung

Steffi Jones war nur rund eineinhalb Jahre Bundestrainerin. Bild: dpa

Horst Hrubesch als Nachfolger für Steffi Jones mag für den Übergang geeignet sein. Aber die Lösung zeigt: Der DFB hat nach dem Fehlschlag mit der Bundestrainerin keinen professionellen Plan für seine Frauen.

          Das Scheitern von Steffi Jones in ihrem ersten Job als Fußballlehrerin fällt vor allem auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zurück. Er bekommt die Quittung für den stiefmütterlichen Umgang mit seinen lange so erfolgreichen Frauen. Der Verband hatte sich nach der Heim-WM 2011 und dem Abschied von DFB-Präsident und „Frauenversteher“ Theo Zwanziger nicht mehr ernsthaft mit der in Werbebroschüren immer wieder gerne imagefördernd hervorgehobenen weiblichen Seite des Fußballs auseinandergesetzt.

          Nur so ließ sich die verfrühte und umstrittene Kür von Berufsanfängerin Jones zur Bundestrainerin noch durch den zwischenzeitlich zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach erklären. Ein kritische Begleitung der Arbeit, wie sie schon im männlichen Nachwuchs üblich ist, gab es erst, nachdem das Kind für jeden sichtbar bei der Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Island in den Brunnen gefallen war, im vergangenen Oktober. Seitdem schickt die DFB-Führung wie jüngst beim desaströs verlaufenen Turnier in Amerika fachkundige Beobachter zum Team, um ein unabhängiges Bild von den Zuständen erhalten zu können.

          Das Grundproblem liegt aber tiefer. Der Frauenfußball schmort im eigenen Saft, seit anderthalb Jahrzehnten gibt es kaum Fluktuation im Nachwuchs-Trainerstab, was auch an der selbst auferlegten Regel liegt, dass stets Frauen die Teams als Cheftrainerinnen führen sollen. Deshalb bildete sich eine kleine Clique mit Verantwortlichen, die vermutlich auch aufgrund gemeinsamer Vergangenheit als Spielerinnen zu wenig kritikfähig untereinander sind. So kamen keine neuen Einflüsse in den deutschen Frauenfußball. Auch im Nachwuchs brodelt es wegen diverser Rückschläge. Zwar stehen dem Nationalteam eine Menge an flinken, technisch beschlagenen und ballgewandten Spielerinnen für die Außenbahnen zur Verfügung steht, aber Führungsfiguren gibt es nicht.

          Der DFB muss nun dringend eine kompetente Führungsfigur finden, die den Laden neu ordnet. Horst Hrubesch mag mit seiner Erfahrung und seiner Menschenkenntnis als Übergangslösung geeignet sein, um Ruhe herzustellen im Team. Aber diese Lösung verstärkt letztlich den Gesamteindruck: Der DFB hat nach dem sich abzeichnenden Fehlschlag mit Jones keinen professionellen Plan für seine Frauen.

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