http://www.faz.net/-gtl-8s91b

Fußball und Politik : Warum das Kosovo in Uefa und Fifa bleiben darf

Der Wunsch dieser Kosovo-Fans ist in Erfüllung gegangen. Bild: Picture-Alliance

Formal geht es um Fußball, doch die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshof hat eine weitreichende Bedeutung. Entsprechend sind die Reaktionen auf das Urteil.

          Nach monatelangem Warten auf dem Balkan ist nun die Entscheidung gefallen: Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne (Cas) hat in einem am Dienstagabend veröffentlichten Urteil entschieden, dass das Kosovo Mitglied sowohl des Europäischen (Uefa) als auch des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) bleibt und somit weiter an der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft in Russland teilnehmen darf.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Der Cas hat in einem Fall entschieden, bei dem es formal nur um Fußball, tatsächlich aber auch um eine für die politische Stabilität Südosteuropas bedeutsame Frage geht. Serbiens Fußballverband hatte Berufung gegen die im Mai 2016 beschlossene Aufnahme des Kosovos in die Uefa eingelegt und den Ausschluss der Kosovaren gefordert. Serbien betrachtet seine einstige Provinz weiterhin als Teil des eigenen Staates und erkennt die 2008 mit westlicher Rückendeckung proklamierte kosovarische Unabhängigkeit nicht an.

          Systematisch und oft erfolgreich versucht Belgrad, die Aufnahme des Kosovos in internationale Organisationen zu verhindern. Serbien hatte angeführt, die Uefa habe auf ihrem Kongress im Mai 2016 in Budapest, als die Aufnahme des Kosovos von einer knappen Mehrheit der damals 54 Mitgliedsverbände beschlossen wurde, ihre eigenen Statuten verletzt. Darin heißt es in Artikel fünf, Uefa-Mitglied könne nur ein Verband werden, der seinen Sitz in einem von den Vereinten Nationen anerkannten Staat hat. Da die Aufnahme des Kosovos in die Vereinten Nationen von Russland im Sicherheitsrat blockiert wird, ist der junge Staat bis heute nicht UN-Mitglied.

          Demnach, so die Belgrader Lesart, erfülle das Kosovo nicht die Voraussetzung für eine Uefa-Mitgliedschaft und hätte folglich auch der Fifa nicht beitreten dürfen. Deren Statuten besagen, dass Fifa-Mitglied nur sein kann, wer als Europäer zuvor in die Uefa aufgenommen wurde. Serbien hatte den Fall Gibraltars angeführt, der vor vielen Jahren Gegenstand eines Verfahrens in Lausanne gewesen war. Als Gibraltar der Uefa ein Aufnahmegesuch stellte, galt noch eine ältere Version von deren Satzung, in der es hieß, Mitglied könne jeder Verband werden, der in Europa seinen Sitz hat und auf seinem Territorium für den Fußballsport verantwortlich ist.

          Richter übernehmen die Darstellung der Uefa

          Dieser Passus wurde später um die Vorgabe einer Anerkennung durch die Vereinten Nationen präzisiert. Im Falle Gibraltars hatten die Richter aber schon vor dieser Präzisierung festgestellt, um Uefa-Mitglied zu werden, müsse ein Verband einem Staat angehören, der „als Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen“ wurde. Gibraltar ist heute zwar Mitglied der Uefa, wird in deren Statuten aber als Ausnahme aufgeführt: „Artikel 5 gilt nicht für die folgenden Mitgliedsverbände: England, Schottland, Nordirland, Wales, Färöer-Inseln und Gibraltar“, heißt es in der Uefa-Satzung.

          Weitere Themen

          AC Mailand darf doch mitspielen

          Europa League : AC Mailand darf doch mitspielen

          Einspruch erfolgreich: Die Sperre gegen den AC Mailand für die Europa League wegen eines Verstoßes gegen das Financial Fairplay ist aufgehoben. Das Cas sah die Strafe als unverhältnismäßig an.

          Kein Aufstieg in den Olymp für Infantino

          IOC : Kein Aufstieg in den Olymp für Infantino

          Das IOC benannt neun Kandidaten für die Aufnahme in die IOC-Exekutive: Sebastian Coe und auch Gianni Infantino sind nicht dabei. Das IOC will sich offiziell nicht in die Wahlkämpfe in Fifa und IAAF einmischen.

          Ein Video und seine Folgen

          Kroatiens Verteidiger Vida : Ein Video und seine Folgen

          „Slawa Ukrajini“, „Ruhm der Ukraine“ – ein Slogan löst Verwerfungen zwischen Kroaten, Serben, Russen und Ukrainern aus. Der kroatische Verteidiger Domagoj Vida ist mit seiner Parteinahme zwischen die Fronten geraten.

          Topmeldungen

          Bundeswehr-Soldaten in Berlin

          Personalnot : Bundeswehr prüft Aufnahme von Ausländern

          Weil sich nicht genügend deutsche Soldaten finden, erwägt die Bundeswehr offenbar nun die Rekrutierung von Ausländern. Verteidigungsexperten sehen Vorteile – warnen aber auch vor Risiken.

          Mittelmeer : EU-Mission „Sophia“ soll vorerst weiterlaufen

          Mindestens bis August wird die Operation der EU im Mittelmeer fortgesetzt. Zuvor hatte der Kommandant die Schiffe des Einsatzes in die Häfen zurückbeordert, weil Italien keine geretteten Flüchtlinge mehr aufnehmen will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.