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Sport-Kommentar Keine Frage der Ehre

DFB-Präsident Theo Zwanziger gibt sich in der Auseinandersetzung mit dem Journalisten Jens Weinreich zum Äußersten entschlossen. Zuvor hatten sich einige Zwanziger-Vertrauten vergeblich darum bemüht, die Sache aus der Welt zu schaffen.

Theo Zwanziger ist ein vorbildlicher Präsident des Deutschen Fußball-Bund (DFB), wann immer es um gesellschaftlich wichtige Themen wie Integration und Toleranz im Fußball oder den Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus im Sport geht. Auf diesem Gebiet hat der scharfzüngige Debattenredner und einfühlsame Vordenker Zwanziger Beispielhaftes geleistet, ist er ein Vorzeigepräsident mit prägendem Einfluss.

Derselbe Zwanziger aber ist dort, wo es auch um seine eigene Person, seine Gewissensfreiheit geht, ein manchmal unbeugsamer, nahezu beratungsresistenter Mann. In der Auseinandersetzung mit dem Journalisten Jens Weinreich, der ihn in einem Blog als einen „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hat, gibt sich Zwanziger nun zum Äußersten entschlossen. DFB-Präsident Zwanziger erwägt Rücktritt

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„Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern“

Schon der Umstand, dass der Streit um Weinreichs Wortwahl nun vor Gericht ausgetragen wird, erstaunte so manchen. Schließlich hätte sich vielleicht auch intensiver nach außergerichtlichen Wegen suchen lassen, den Zwist beizulegen, nachdem zwei Gerichte zuvor eine einstweilige Verfügung des DFB abgelehnt und die Aussage des Journalisten als „zulässige Meinungsäußerung“ bewertet hatten. Am Montag legte der Jurist aus Altendiez sogar noch nach und stellte ein kaum verhülltes Junktim zwischen dem Urteil im Hauptsacheverfahren und seiner Zukunft als DFB-Präsident her. „Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern“, sagte Zwanziger im Anschluss an eine von ihm einberufene Pressekonferenz.

Dabei hatten sich im Verband einige der engsten Zwanziger-Vertrauten zuvor vergeblich darum bemüht, die Sache aus der Welt zu schaffen. In einer Art Michael-Kohlhaas-Haltung, die bei Zwanziger schon einmal in seinem Streit mit dem Bundeskartellamt aufleuchtete, geht der DFB-Präsident jetzt auf eine Alles-oder-Nichts-Situation zu. Er macht seine unversöhnliche Sicht in dieser Causa zu einer derart öffentlichen Angelegenheit, dass er damit auch Schaden für sein Amt billigend in Kauf nimmt. Denn nicht jeder muss am Ende so beinhart wie Zwanziger eine Äußerung verurteilen, die zweifellos unangemessen anmutet.

Mit ähnlichen, für Zwanziger unerträglichen Situationen werden auch andere Amts- und Würdenträger immer wieder konfrontiert. Die meisten Politiker, Wirtschaftsbosse oder Sportfunktionäre gehen damit allerdings professioneller und gelassener um. Zwanziger kann und will das nicht. Deshalb ist die Frage erlaubt, ob dieser Präsident bei all seinen Verdiensten dauerhaft für eine Aufgabe geeignet ist, in der manchmal auch die Fähigkeit gefragt ist, souverän zu bleiben, selbst wenn es persönlich weh tut. Einen Fall so hoch zu hängen, den andere tiefer ansiedeln und längst außergerichtlich gelöst hätten, birgt große Risiken - für Zwanziger, aber auch für eine mächtige Institution wie den DFB. Ist es das am Ende wert?

Quelle: F.A.Z.

 
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