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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Sponsoring Schlußpfiff für Adidas

18.08.2006 ·  Das Schuhmonopol in der Fußball-Nationalmannschaft ist wohl nicht mehr zu halten. Vordergründig geht es um Blasen an den Füßen, hintergründig dürften beträchtliche Geldsummen eine Rolle spielen.

Von Marcus Theurer
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Für Herbert Hainer hat der Ärger schon kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft begonnen. Damals klingelte beim Vorstandschef des fränkischen Sportartikelherstellers Adidas das Telefon. Dran war - so berichten Adidas-Konkurrenten feixend - Oliver Bierhoff, der Teammanager der Nationalmannschaft. Stürmerstar Miroslav Klose wolle partout keine Adidas-Schuhe tragen, weil die nämlich drückten, soll Bierhoff geklagt haben.

Klose bevorzuge deshalb Nike-Treter und lasse sich davon auch nicht abbringen. Daß der Kicker von Nike gesponsert werde, spiele dabei keine Rolle, beteuerte Bierhoff, der selbst bis vor kurzem bei den Amerikanern unter Vertrag stand.

Trotz flinker Schuhmacher will Klose Nike tragen

Hainer, dessen Unternehmen seit mehr als fünfzig Jahren die deutschen Fußball-Nationalspieler exklusiv nicht nur mit Trikots, sondern auch mit Schuhen ausrüstet und dafür viel Geld bezahlt, reagierte prompt. Zwei Adidas-Fachleute rückten eigens im WM-Trainingslager an, um Kloses Schuhproblem zu lösen. Und so avancierte der Fußballer dann doch noch im Adidas-Stollenschuhen-Klassiker "World Cup" zum WM-Torschützenkönig.

Doch wirklich helfen konnten wohl auch die flinken Schuhmacher nicht mehr. Vor dem Freundschaftsspiel gegen Schweden am Mittwoch dieser Woche drohten die Nationalspieler gar mit einem kollektiven Boykott, falls sie nicht in den Schuhen ihrer eigenen Sponsoren auflaufen dürften. So sind zwar zum Beispiel Ballack, Asamoah und Podolski bei Adidas unter Vertrag, doch Ersatztorwart Hildebrand ist mit Puma verbandelt. Und neben Klose stehen unter anderen auch Lehmann und Frings auf der Nike-Gehaltsliste.

„Spieler sitzen am längeren Hebel“

Für das Schweden-Spiel einigte man sich darauf, dieses eine Mal noch geschlossen die drei Streifen zu schnüren. Doch nun ist das Thema wieder Chefsache: Für Freitag nachmittag war ein Treffen zwischen Hainer und den Granden des Deutschen Fußballbunds (DFB) angesetzt, auf dem der Schuhstreit beraten werden sollte. Eine Lösung soll bis zum nächsten Länderspiel am 2. September gegen Irland gefunden werden.

Dieses Spiel, so glaubt man mittlerweile selbst bei Adidas, kann die Traditionsmarke nicht mehr gewinnen. „Die Exklusivität ist nicht zu halten, die Spieler sitzen am längeren Hebel“, erwartet ein Adidas-Manager. Es ergebe keinen Sinn, daß Adidas auf seinem noch bis 2010 laufenden Ausrüster-Vertrag mit dem DFB beharre. "Das bringt nur noch Ärger", schwant dem Adidas-Mann. Schließlich sei es geschäftsschädigend, wenn sich Fußballstars dauernd über die angeblich mangelhafte Qualität der Adidas-Produkte beschwerten.

Es geht um Geld

Bei der WM schlug schon die Kritik von Nationaltorwart Jens Lehmann am Adidas-Turnierball „Teamgeist“ ein wie ein Freistoß von David Beckham im gegnerischen Tor. Das von dem Hersteller unter großem Medienrummel eigens für das Turnier entwickelte High-Tech-Gerät flattere trotz „Power Balance Technologie“ (Adidas-Werbung) in der Luft, behauptete Nike-Werbeträger Lehmann. Am nächsten Tag flatterten auch die Nerven der Adidas-Marketingmanager.

Daß es in dem bizarren Schuhstreit nicht um Blasen an den Füßen, sondern um Geld geht, ist offensichtlich. Auch die Frauen-Elf des DFB trägt geschlossen Adidas-Schuhe. Doch während Klose und Lehmann jammern, bereitet zarten Damenfüßen das derbe Schuhwerk aus Franken offenbar keinerlei Probleme. "Beim Frauenteam hatten wir bisher noch keine Klagen", sagt ein Verbandssprecher.

Sechsstellige Beträge für Spitzenspieler

Spitzenspieler wie Lehmann erhalten angeblich im Jahr sechsstellige Beträge dafür, daß sie sich von einem der Sportartikelkonzerne einkaufen lassen. Und wenn sie die Schuhe auch beim Länderspiel tragen, gibt es mehr Geld. Mitunter treibt das Markengeschacher seltsame Blüten.

In der Bundesliga tragen manche Spieler das Logo des einen Herstellers auf dem Schuh, obwohl der eigentlich von einem anderen Sportschuster stammt: Mit dem einen haben sie einen Vertrag, die Schuhe des anderen tragen sie lieber. Adidas, Nike und Puma halten die Fußball-Idole für unerläßlich. Sie verkaufen in erster Linie Markenprestige. Und das steigt nun mal, wenn die WM-Helden ihre und nicht die Ausrüstung der Konkurrenz trägt.

Adidas hat glänzend verdient

Geschickt kurbelte etwa Adidas, traditionell der Marktführer im Fußball-Geschäft, während der WM die Umsätze an und schickte Werbemaskottchen wie Jungstar Lukas Podolski mit wechselnden Schuhfarben auf den Platz, offenbar in der Hoffnung, daß auch die Fans sich mehrere Farbvarianten zulegen. Die Rechnung ging auf: Vergangene Woche verblüffte der zweitgrößte Sportartikelkonzern der Welt mit einem unerwartet hohen Gewinn im zweiten Quartal.

Doch jetzt ist wohl endgültig Schluß mit der einträglichen Drei-Streifen-Monokultur an den Füßen, die es mit Ausnahme von Österreich (Ausrüster Puma) ohnehin nirgendwo auf der Welt mehr gibt. Bereits Firmengründer Adi Dassler hatte die Ehe zwischen dem DFB und Adidas Anfang der fünfziger Jahre gestiftet. Dassler und den damaligen Bundestrainer Sepp Herberger verband eine enge Freundschaft. Wie selbstverständlich ist er auf dem Siegerfoto nach dem WM-Triumph 1954 zusammen mit der Mannschaft zu sehen.

Dassler lehnte Zahlungen an Spieler ab

Dassler freilich, so erinnern sich Weggefährten, war die in den sechziger Jahren in Schwung kommende Geldspirale um die Sportstars ein Graus. Der 1978 gestorbene Unternehmenspatron soll es lange abgelehnt haben, Sportlern Geld zu zahlen, damit sie seine Schuhe trugen. Dassler habe es mit dem Amateurgeist der fünfziger Jahre gehalten. Damals schritt noch der DFB ein, wenn Hersteller es wagten, mit einem Spieler zu werben. Lang ist's her.

Quelle: F.A.Z., 19.08.2006, Nr. 192 / Seite 16
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