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Spielervermittler Jorge Mendes Unheimlicher König der Agenten

01.07.2009 ·  Jorge Mendes vertritt eine Fußball-Klientel mit immensem Marktwert - fast das ganze portugiesische Nationalteam, dazu Trainerstars wie Mourinho und Scolari. Nicht schlecht für einen, der sich vorher eher erfolgslos als Videothekenbesitzer durchs Leben schlug.

Von Christian Eichler
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Sein Name ist Mendes, Jorge Mendes. Er ist der neue König der Agenten. Er arbeitet nicht nur für Cristiano Ronaldo, bei dessen Weltrekordwechsel zu Real Madrid er die üblichen fünf Prozent, also 4,7 Millionen Euro, verdienen wird. Mendes vertritt fast das ganze portugiesische Nationalteam, dazu Trainerstars wie Mourinho und Scolari. Der kumulierte Marktwert seiner über fünfzig Klienten wird auf fast eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Nicht schlecht für einen, der als junger Fußballer Absagen von zweitklassigen portugiesischen Profiklubs kassierte. Und der sich dann mehr schlecht als recht als Geschäftsmann versuchte, mit Bars, Nachtklubs und einer Videothek. Die Wende im Leben von Jorge Mendes kam mit einer Kneipenbekanntschaft. 1996 lernte er an einer Bar in Guimaraes den Torwart Nuno kennen. Er überzeugte den Profi, dass er dessen Interessen gut vertreten könne, und vermittelte Nuno nach Spanien, zu Deportivo La Coruña.

Die Erfolgsgeschichte des Agenten ging einher mit der von Portugals Fußball, spätestens seit 2004, dem Jahr, in dem das Nationalteam EM-Zweiter wurde und der FC Porto die Champions League gewann. Portugal ist das ideale Land für einen Agenten - mit einem großen Reservoir an guten Fußballern und einem zu kleinen Markt, um sie zu halten. Neben Brasilien und Argentinien ist Portugal das große Exportland des Fußballs geworden (und zur lukrativen Durchgangsstation für viele Brasilianer). Der Mann am Im- und Exportschalter heißt Mendes.

Vor ihm beherrschte der Agent Jose Veiga den portugiesischen Markt. Er organisierte 2000 den damaligen Weltrekord-Transfer (60 Millionen Euro) von Luis Figo von Barcelona zu Real Madrid. Doch Veiga überwarf sich mit dem FC Porto wegen eines Transfers des Stürmers Sérgio Conceição, und Mendes bekam beim mächtigsten Klub des Landes den Fuß in die Tür. Seitdem läuft nichts mehr ohne ihn. Dank seiner Geschäftstüchtigkeit stellt das kleine Portugal, in dem nur 0,15 Prozent der Weltbevölkerung leben, im weltweit populärsten Sport heute den teuersten Spieler, den teuersten Trainer und den teuersten Agenten.

Friedliche Aufteilung des südamerikanischen Markts

Cristiano Ronaldo vermittelte er schon als 17-Jährigen 2003 für 17 Millionen Euro nach Manchester. José Mourinho wechselte 2004 zu Mendes, der dessen Wechsel zu Chelsea abschloss - ebenso wie die Transfers der Verteidiger Carvalho und Ferreira für zusammen fünfzig Millionen Euro. 2007 erzielte Mendes allein mit vier Spielern - Pepe, Simão, Nani und Anderson - Transfers von rund hundert Millionen Euro. 2008 handelte er für Mourinho bei Inter Mailand den höchstdotierten Trainervertrag der Welt aus, außerdem schloss er für Danny, Deco, Bosingwa und Quaresma Transfers von insgesamt rund 90 Millionen Euro ab - und fädelte bereits den Ronaldo-Vertrag mit Real ein. Auch wenn dessen Wirkung erst nun bekannt wird, nannte ihn schon damals der englische „Independent“ den „Superagenten“. Mendes sei „einer der mächtigsten Männer des Fußballs, und was Deals angeht, vielleicht der mächtigste“.

Der 43-jährige Portugiese hält sich gern elegant im Hintergrund. Aber spätestens seit dem 94-Millionen-Geschäft um Ronaldo ist seine Rolle als Agent Nummer eins nicht mehr geheim zu halten. Er hat Pini Zahavi, der einst Rio Ferdinand für 46 Millionen Euro zu Manchester United brachte und dann für Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch die großen Geschäfte machte, an der Top-Position abgelöst - wobei er schlau genug war, Zahavi nicht herauszufordern, sondern mit ihm zu kooperieren. Den Markt an südamerikanischen Talenten soll er sich mit dem Israeli friedlich aufgeteilt haben.

Auf beiden Seiten des Tisches

Mendes holt für seine Spieler gewaltige Summen heraus, aber manchmal hat er auch Schnäppchen im Angebot wie Petit und Geromel, die den 1. FC Köln im letzten Sommer zusammen keine vier Millionen Euro kosteten. In den letzten Tagen musste Mendes noch harte Detailverhandlungen mit Real Madrid führen, das auf dem üblichen fünfzigprozentigen Anteil an Ronaldos Werbeeinnahmen besteht (im Gegenzug zu einer ebenso großen Beteiligung des Spielers an den Trikotverkäufen mit seinem Namen) - während sich aber Ronaldo laut spanischen Berichten sperrt, von seinen bestehenden Millionenverträgen mit Nike oder Banco Espirito Santo so viel abzugeben.

Außerdem wurde aus England gemeldet, die Mendes-Kunden Deco und Carvalho wollten von Chelsea zu Inter Mailand - also zum Mendes-Kunden Mourinho, der schon die Mendes-Kunden Quaresma und Thiago Motta kaufte. Viel Arbeit für den Agenten, der es aber zum Glück nicht selten schafft, Manpower bei Verhandlungen einzusparen - wenn er nämlich nicht nur den Spieler, sondern auch einen der beteiligten Klubs vertritt, oder gleich beide. Weltfußballer Ronaldo beherrscht die Kunst, mit beiden Füßen zu dribbeln und zu schießen. Weltagent Mendes beherrscht die Kunst, auf beiden Seiten des Tisches zu sitzen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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