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Spanischer Fußball Ibrahimovics Schmetterball

Welch ein Spiel, was für ein Tor: Der FC Barcelona hat das notwendige Glück, aber auch die nötige Kälte, um den 1:0-Sieg mit Stil gegen Real Madrid zu verteidigen.

© dpa Vergrößern Der entscheidende Mann: Zlatan Ibrahimovic

Nicht erst in der laufenden Saison, die mit der 270-Millionen-Aufrüstung durch Präsident Florentino Pérez begann, ist zu beobachten, dass der spanische Fußball-Rekordmeister Real Madrid miserabel spielen kann und dabei immer noch viele Tore schießt. Diesmal, vor 97.000 Zuschauern im Camp Nou beim FC Barcelona - und geschätzt mehr als einer Milliarde Menschen vor Bildschirmen in aller Welt - war es umgekehrt. Barça siegt 1:0.

Zwei Monate lang hatte er kein Ligaspiel mehr bestritten. Doch pünktlich zum Gipfeltreffen der beiden Großen des spanischen Fußballs war er wieder da. Cristiano Ronaldo schien das gellende Pfeifkonzert zu genießen, das die Fans von Barcelona ihm bei jeder Ballberührung bereiteten. So hat man im Stadion Camp Nou nur noch seine Landsleute Figo und José Mourinho behandelt, die Abtrünnigen, die Gefährlichen. Tatsächlich hätte der teuerste Einkauf der Fußballgeschichte in der ersten Halbzeit die hochklassige Partie zugunsten des Tabellenführers Real Madrid beeinflussen können. Jede Ballannahme Ronaldos jagte Barças Hintermannschaft einen Schrecken ein. Wäre er körperlich völlig fit gewesen, vielleicht hätte der athletische Stürmer seine große Chance in der 20. Minute genutzt. Nach einem spektakulären Lauf servierte Kaká seinem Mannschaftskollegen den Ball dicht vor dem gegnerischen Tor auf den Fuß. Aber statt wuchtig abzuziehen, entschied sich Ronaldo für den überlegten Flachschuss, und Barça-Torhüter Víctor Valdès konnte mit dem Fuß parieren.

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Das hochkultivierte „Ticki-Tacka“ blieb meist stecken

Real Madrid hatte in den Tagen zuvor viel Optimismus versprüht. Man sei nicht grundlos Tabellenführer, sagte Trainer Pellegrini, man spiele längst nicht so schlecht, wie immer gesagt werde - und der FC Barcelona nicht so gut. Wieder einmal schien die Madrider Primärtugend - der unerschütterliche Glaube an sich selbst - den Erzrivalen und Champions-League-Sieger mit dem anerkanntermaßen schönsten Fußball der Welt zu beeindrucken. In der ersten Halbzeit waren die Männer in Weiß die aktivere, gefährlichere Mannschaft. Die Abwehr um den überragenden Pepe spielte weit vorn und strickte ein dichtes Netz, in dem sich Xavi, Messi und Iniesta verfingen.

Er war erst fünf Minuten auf dem Platz, als er zum entscheidenden Hieb ausholte © AFP Vergrößern Er war erst fünf Minuten auf dem Platz, als er zum entscheidenden Hieb ausholte

Natürlich sah Barcelona so elegant aus wie immer, und die meisten Kabinettstückchen lieferten die Leute in Blaurot. Aber es wirkte auch etwas hilflos, wie die Katalanen mit ihrem hochkultivierten „Ticki-Tacka“ weit vor dem gegnerischen Strafraum steckenblieben. Angeführt von Xabi Alonso im defensiven Mittelfeld und unterstützt von dem energischen Lass, brachte Real die Künstlertruppe ziemlich in Verlegenheit. Doch das mutige, kompakte Spiel, das Manuel Pellegrini ausgetüftelt hatte, fand keinen Lohn. War Valdès nicht zur Stelle, warf sich Barcelonas unermüdlicher Kapitän Puyol in die Schüsse von Marcelo oder Higuaín. „Ich kann nicht zufrieden sein“, sagte Pellegrini nach der mitreißenden Partie. „Uns fehlten Ruhe und Geduld, um die Spielzüge aufzubauen und in Tore umzumünzen.“

Der FC Barcelona hatte die nötige Kälte

Denn in der zweiten Halbzeit zog Pep Guardiola seinen Joker. Für den wirkungslosen Henry brachte der Barça-Trainer in der 51. Minute Zlatan Ibrahimovic. Der Schwede hatte drei Wochen pausiert, und sein Einsatz war riskant. Nach fünf Minuten auf dem Feld sprintete er in eine Flanke von Rechtsverteidiger Dani Alves, ließ auch den sonst fehlerfreien Pepe hinter sich und schmetterte den Ball mit dem linken Fuß ins Netz. Beide Mannschaften gingen danach kräftig zur Sache. Nachdem sich Busquets wegen Handspiels Gelb-Rot eingehandelt hatte (62.), nutzte Real das offener gewordene Feld für einige gefährliche Angriffe. Auch jetzt hätte Cristiano Ronaldo noch der Matchwinner werden können. Doch einen Kopfball nach Marcelo-Flanke setzte er freistehend weit übers Tor (65.). Danach holte ihn Pellegrini auf ärztlichen Rat vom Feld.

Und es begann in Unterzahl die Vorführung des FC Barcelona. Jetzt, wo alle die Schlussoffensive von Real erwarteten, schaffte Barça es plötzlich, den Ball laufen zu lassen und ihn, wann immer es ungemütlich wurde, in den eigenen Reihen zu verstecken. „Wir haben auch mit zehn Spielern versucht, in Ballbesitz zu bleiben und uns nicht zurückdrängen zu lassen“, lobte Guardiola nach dem Spiel. Es war mehr als das. Während beim Gegner Konditionsmängel sichtbar wurden, drehten Iniesta und Messi in der Schlussphase auf und zauberten ihrem Publikum etwas vor. Hätte Casillas nicht fabelhaft reagiert, wäre Messi sogar das 2:0 gelungen. Zwei Minuten vor Schluss musste auch Lassana Diarra (Madrid) mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz. Es spielte keine Rolle mehr. Der FC Barcelona hatte das notwendige Glück, aber auch die nötige Kälte, um den Sieg mit Stil zu verteidigen und sich auf den ersten Platz zu schieben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 30.11.2009, 22:16 Uhr

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