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Spaniens Fußballklassiker „Kleine Details entscheiden große Derbys“

24.12.2007 ·  Vorweihnachtliche Bescherung für Real Madrid: Nach dem 1:0-Sieg der Königlichen im „clásico“ des spanischen Fußballs wird in Madrid unbeschwert Weihnachten gefeiert. Barcelona wird seine Sorgen nur verdrängen können.

Von Roland Zorn, Barcelona
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Bernd Schuster stand kaum einmal von seiner Bank auf. Seelenruhig und tiefenentspannt erlebte der deutsche Trainer von Real Madrid seinen letzten Arbeitstag in diesem Jahr. Dabei feierte der 48 Jahre alte bayerische Schwabe mit dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft beim spanischen Erzrivalen FC Barcelona seinen bisher größten Triumph als Fußballlehrer. Doch davon wollte Schuster ebenso wenig wissen wie von voreiligen Gratulationen zur bevorstehenden Titelverteidigung in der Primera División.

„Wir sind“, sagte der gebürtige Augsburger, „zwar in einer tollen Ausgangssituation, aber Meisterschaften werden erst am Ende einer Saison entschieden.“ Vorerst ist Halbzeit im spanischen Erstligafußball, und vorerst ist Real der Konkurrenz weit voraus. Sieben Punkte hinter dem Ligaprimus folgt Barca, das nur noch um ein Pünktchen besser dasteht als der Stadtrivale Espanol. Wer aber in Barcelona derzeit als Auf- und Absteiger gehandelt wird, musste Schuster am Tag vor Heiligabend nicht weiter interessieren. „Ich habe dieses Spiel genossen“, sagte er am Sonntagabend nach vollbrachter Tat, „meine Mannschaft hat einen super Job gemacht.“

Pepe führt Reals Defensive

Allen voran der brasilianische Torschütze Julio Baptista (36. Minute), Torhüter Iker Casillas und der in Brasilien geborene und in Portugal aufgewachsene Abwehrchef Pepe. Der 24 Jahre alte, zu Saisonbeginn für eine Ablösesumme von 30 Millionen Euro vom FC Porto zu Real gewechselte Athlet war so etwas wie der Leuchtturm einer Defensive, die der FC Barcelona nie zu knacken vermochte. Und wenn, parierte der unglaublich selbstsicher wirkende Iker Casillas die beiden einzig gefährlichen Schüsse von Ronaldinho (34.) und Bojan (84.) spektakulär. Baptista, erst vor vier Wochen für den nach einem Platzverweis in Mucia in die erste Elf aufgerückt, war so etwas wie die Stahlfeder in Reals Spiel. Er bekämpfte die Barca-Stars vorneweg mit defensivem Elan und besaß dazu die Schnellkraft, an fast jeder verheißungsvoll anmutenden Offensivaktion von Real Madrid beteiligt zu sein.

Insgesamt befolgten die defensiv in geschlossener Stärke auftretenden Madrilenen die taktische Vorgabe ihres Chefs vollkommen linientreu. „Kleine Details entscheiden große Derbys. Uns kam es darauf an“, definierte Schuster den Schlüssel zum Sieg, „Spielern wie Iniesta und Ronaldinho den Weg durch die Mitte zu versperren. So wurde das Spiel auf die Flügel verlagert, und wir konnten die Aktionen von Barca von unserem Tor fernhalten.“ Zu recht wies der frühere Spielmacher darauf hin, dass Real aus den zahlreichen Kontern nach der Pause noch mindestens einen weiteren Treffer hätte machen müssen.

Wird Rijkaard ernsthaft in Frage gestellt?

Dass aus dem Hinweis keine Klage wurde, hatte mit dem Ergebnis und der Unfähigkeit der Blau-Roten zu tun, auch nur in irgendeiner Spielphase dominant auftreten zu können. Spieler, an denen sich das Team hätte aufrichten können, besaßen die Katalanen bis auf den trotz aller Widrigkeiten spielfreudigen Iniesta überhaupt nicht. Vor allem der von der Ersatzbank zurückgekehrte und wie ein Fremdkörper wirkende Ronaldinho erinnerte nicht einmal von weitem an den Superstar von gestern. „Ich habe ihn gut gesehen“, lobte Trainer Frank Rijkaard den brasilianischen Ballkünstler, der vis à vis dem Spieltempo seiner Gegenspieler und deren Entschlossenheit nahezu überfordert schien. Ob der 27 Jahre alte „Weltfußballer“ der Jahre 2004 und 2005 bald den Verein wechseln wird, dürfte nun noch hitziger als schon zuvor diskutiert werden.

Auch über die Zukunft von Rijkaard dürfte in Barcelona über die Feiertage angestrengt nachgedacht werden. Der niederländische Coach versteht es jedenfalls nicht mehr wie in seinen frühen Jahren im Camp-Nou-Stadion, aus lauter Stars eine in sich stimmige Gemeinschaft zu formen. Real hat den Crash mit seinen vermeintlich „Galaktischen“ schon hinter sich, mittlerweile erweckt Barca mit seinem Aufgebot den Eindruck, verloren im All zu schweben. Das Team trat diese Saison mit dem Anspruch an, den im Endspurt der vergangenen Spielzeit an Real verlorenen Titel im Sturm zurückzuerobern. Doch was ist aus den phantastischen Vier geworden, mit denen die Katalanen die Welt des Fußballs einschüchtern wollten? Ronaldinho hat sich fürs erste als gefährlicher Zauberkünstler von der großen Bühne des Fußballs verabschiedet, Eto'o ist nach wochenlanger Verletzung gerade erst wieder auf die Beine gekommen, Henry leidet unter Rückenproblemen und fehlte im „Clásico“ ebenso wie der an einem Muskelfaserriss leidende, einzig verlässliche Megastar Messi.

Nur zwei Real-Siege in Camp Nou in 23 Jahren

Aus dem Vollen schöpfen kann Rijkaard also nicht, der die Niederlage vom Sonntag gegen eine Mannschaft von „hoher Qualität“ als einen „schweren Schlag“ empfand. „Unsere Spieler“, lobte der Holländer mit trauriger Miene, „haben aber eine gute Haltung bewiesen, und deshalb schauen wir voraus und werden weiter hart an unseren Zielen arbeiten“.

Im Moment ist Real Madrid konkurrenzlos dort, wo sich auch der FC Barcelona wie von selbst hinsehnt: ganz oben. „Wir haben eine wunderbare Mannschaft“, sagte der glücklich lächelnde Pepe nach seinem bisher besten Spiel im Dress des spanischen Rekordmeisters, „und sind wie eine Familie.“ Und so war es kein Zufall, dass jeder, der bei Real am Sonntagabend gefragt war, als erstes darauf hinwies, dass dieser erst zweite Sieg der Madrilenen während der vergangenen 23 Jahre im mit 98.787 Zuschauern ausverkauften Camp Nou ein kollektiver Triumph gewesen sei, der allen gehöre. Auch Bernd Schuster, der für beide Klubs gespielt hat und noch immer Vereinsmitglied bei Barca ist, lenkte alles Lob auf seine Mannschaft: „Die Spieler haben gewonnen, ich hatte damit nichts zu tun.“

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