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Sky bittet um Vertrauen Pirmasens? Oder so

17.08.2010 ·  Franz Beckenbauer, Matthias Sammer und Chefreporter Marcel Reif warben bei der Fußball-Pressekonferenz des Abosenders Sky um Vertrauen bei Zuschauern und Profivereinen. Da war es wurscht, ob Bayern München gegen Pirmasens oder Windeck spielte.

Von Michael Seewald
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Der Kaiser war ein wenig desorientiert. Gerade hatte er brav das Geschehen auf einem iPad kommentiert: Seine Bayern hätten den Pausenvorsprung im Spiel der ersten Runde des DFB-Pokals verdient, aber auch der Gegner habe eine tolle „Chance ans Außennetz“ gehabt. Wer denn der Gegner sei, fragte Tom Bender, der Geschäftsführer des Ligaverbands DFL, unverfänglich nach. Franz Beckenbauer zögerte, grinste wie sein Alter Ego bei „Switch reloaded“ und sagte: „Pirmasens? Oder so.“ Die Amateure von Germania Windeck können sich ja nicht wehren.

Das war eine kleine, feine Szene am Rande der Pressekonferenz, zu welcher der Abosender Sky vordergründig geladen hatte, um den Auftakt der Bundesliga-Saison zu begehen. Doch natürlich wusste jeder, dass es hier auch um eine vertrauensbildende Maßnahme ging. Nachdem die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Senders zuletzt immer lauter wurden und erst die Finanzspritze von 340 Millionen Euro des Sendereigners Rupert Murdoch für vorläufige Ruhe sorgte.

27 Stunden und 45 Minuten Fußball am Wochenende

Nun sollten die Sky-Kommentatoren um Vertrauen werben. Beckenbauer eben oder DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der vom Podium flötete: „Wohl fühlen tu’ ich mich bei euch sowieso.“ Oder Marcel Reif , der sich freute, bei Sky die ganze Bandbreite des Fußballs abdecken zu dürfen: Gerade noch das WM-Finale kommentiert, „und fünf Wochen später Burghausen gegen Dortmund“. Da Jens Lehmann per Video als neuer Kommentator begrüßt wurde, schob sich Franz Beckenbauer einen Kaugummi in den Mund.

Sinnbild für eine zähe Veranstaltung. Positive Gefühle und der Glaube an die Zugkraft der HD-Technik sollen den Überlebenskampf befeuern. Die Sky-Kunden seien im abgelaufenen Jahr so zufrieden wie noch nie gewesen, 91 Prozent der Zuschauer benoteten die Bundesligabilder des Senders mit gut oder sehr gut. „Zum Vergleich: für das Free-TV sind das nur 44 Prozent“, zitierte Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt eine eigene Untersuchung. Es gebe „keine Kompromisse bei der Live-Versorgung“.

Wer will, kann 27 Stunden und 45 Minuten am Wochenende zuschauen, der Zerstückelung des Spieltags sei Dank. Im Schnitt sehen 2,54 Millionen Menschen die Spieltage bei Sky, 60 000 bei Freunden und 235 000 in einer Sportsbar. „Der Kaiser ist einer der größten iPad-Fans. Er hat, glaube ich, vier Stück“, sagte Carsten Schmidt, um aufs iPad-App „Sky Sport“ zu kommen. Zudem gebe es die Bundesliga-Konferenz am Samstag in „echtem HD, nicht in der aufgeblasenen Version wie bei der Formel 1“. Beckenbauer musste seine Gastgeber abermals enttäuschen: „Ich habe nur einen iPad.“

Die DFL demonstriert Nibelungentreue

Das Schweigen war beredt, das den Raum im Sky-Hauptquartier in Unterföhring füllte, als die Frage aller Fragen gestellt wurde: Wer soll das bezahlen? Wie treu steht die Liga zu ihrem Fernsehpartner? „Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen, wir werden also keine Zahlen zur Kundenentwicklung geben“, sagte Carsten Schmidt. Zum Bundesligaauftakt und im Weihnachtsgeschäft rechne man aber mit reichlich neuen Kunden. Im Einzelgespräch sagt Schmidt aber auch, dass im Augenblick die Zahlen gegen Sky sprächen, so lange müsse man mit der schlechten Berichterstattung leben. Entscheidend seien die Zuschauer, und die werde man mit Qualität überzeugen.

DFL-Geschäftsführer Bender demonstriert Nibelungentreue: „Wir leben nicht nur unsere Verträge, wir halten sie auch ein. Der Vertrag mit Sky geht bis 2013, also noch drei Jahre.“ Einen eigenen Sender plane die Bundesliga nicht. Warum solle man auch an Sky zweifeln? „Sky hat seine Raten immer pünktlich bezahlt. Sie kündigen einem Untermieter, der pünktlich seine Miete zahlt, doch auch nicht, nur weil die Nachbarn sagen, der habe kein Geld.“

Das Grundproblem, das Abofernsehen in Deutschland hat, sieht aber auch Bender. Der deutsche Fernsehmarkt sei der härteste der Welt. Auf dem sei das Bezahlfernsehen angekommen, als es ein frei zugängliches Angebot längst im Übermaß gab. Ob man sagen könne, bei uns habe Bezahlfernsehen auch mit Bundesliga-Fußball keine Chance? „Da bin ich naturgemäß anderer Meinung“, sagt der Liga-Geschäftsführer.

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