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Sklaverei im Fußball Qatar unter Druck

Bei der Anhörung des entrechteten Fußball-Profis Zahir Belounis kommt das WM-Land von 2022 schlecht weg – ebenso wie die Uefa oder Klubs wie der FC Bayern.

© AFP Vergrößern Zahir Belounis: „Es war ein Albtraum. Ich bin Opfer geworden eines Systems der modernen Sklaverei“

Erfasst von Emotionen musste Zahir Belounis bei seiner Rede einen kurzen Moment innehalten. Dann ging er in seiner Anklage gegen die Qatarer weiter. „Es war ein Albtraum. Ich bin Opfer geworden eines Systems der modernen Sklaverei. Ich halte das Gefühl noch immer nicht aus, dass die Leute, die mir das angetan haben, nicht bestraft werden“, sagte der französische Fußballprofi.

Michael Ashelm Folgen:  

Er war am Donnerstag Gast bei einer Anhörung im Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments und erzählte über sein Martyrium in dem Emirat. „Sie haben mich am Ende erpresst. Damit ich aus dem Land komme, musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich rückwirkend bei meinem Verein kündige und auf mein Gehalt der vergangenen anderthalb Jahre verzichte.“

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Es ging in Brüssel um Sport und Menschenrechte. Vor allem aber um die umstrittene Fußball-WM in Qatar im Jahr 2022 und die Mitverantwortung des Fußball-Weltverbandes (Fifa), der seine großen Turniere weiterhin auch an Länder vergibt, in denen die Menschenrechte verletzt werden. Berichte über Hunderte tote Gastarbeiter auf den qatarischen Baustellen hatten die Öffentlichkeit aufgerüttelt.

„Die Uhr läuft ab“

So warteten die Abgeordneten auf die Ausführungen des deutschen Fifa-Vorstandsmitglieds Theo Zwanziger, der als Gesandter des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter gekommen war. Und er nutzte den Auftritt, um die Rolle des Weltverbandes klar zu definieren. Er kündigte abermals an, dass zukünftig bei der Vergabe von Turnieren, auch die Einhaltung und Verbesserung der Menschenrechtssituation in den jeweiligen Ländern wichtige Kriterien sein sollten. „Wir werden die Augen vor den inakzeptablen Verhältnissen in Qatar nicht verschließen und den Druck hochhalten. In den Menschenrechtsfragen gibt es keine Zeit mehr. Die Uhr läuft ab“, sagte der ehemalige deutsche Fußballpräsident.

27876688 © AFP Vergrößern Theo Zwanziger: „Wir werden die Augen vor den inakzeptablen Verhältnissen in Qatar nicht verschließen und den Druck hochhalten“

Zugleich holte Zwanziger zum Schlag gegen andere wichtige Beteiligte im Weltfußball aus, deren Engagement für Veränderungen in dem WM-Land nicht gerade stark ausgeprägt sei. „Alle zeigen immer mit dem Finger auf die Fifa. Aber es gibt auch andere Repräsentanten, zum Beispiel der Klubs, die gerade erst ihre Wintertrainingslager in Qatar absolviert haben und an den dortigen Verhältnissen ebenfalls nicht vorbeigehen dürfen. Wer hier wegschaut, macht sich mitschuldig“, sagte das deutsche Fifa-Vorstandsmitglied.

Seitenhieb auf den FC Bayern

Dies war als Seitenhieb auf den FC Bayern zu verstehen, der seit einigen Jahren gute Beziehungen nach Qatar unterhält und sich mit seinen Stars dort immer auf die Bundesligarückrunde vorbereitet. Der Bayern-Grande Franz Beckenbauer fiel zuletzt nur durch einen überheblichen Kommentar auf, als er lapidar bemerkte, bei seinen Qatar-Reisen dort nie „Sklaven“ gesehen zu haben. „Er hat Qatar halt nicht unter diesem Blickwinkel in Augenschein genommen“, merkte Zwanziger spöttisch an.

Verantwortung für Fortschritte in Qatar hat auch der Präsident des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), Michel Platini. Er hatte im Jahr 2010 persönlich für die WM-Vergabe an das Emirat gestimmt. Doch wo blieb er am Donnerstag in Brüssel? Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Barbara Lochbihler, die das komplexe Thema stark vorantreibt, hatte schon vor der Anhörung den Uefa-Präsidenten wegen seiner Absage scharf kritisiert. „Die Probleme bei großen Sportereignissen beschränken sich nicht auf die Fifa. Auch die Uefa und das IOC sind hier angesprochen“, sagte die Grünen-Politikerin, die viele Jahre Sektionschefin von Amnesty International war.

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