Home
http://www.faz.net/-gtl-7mcq4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Sklaverei im Fußball Qatar unter Druck

Bei der Anhörung des entrechteten Fußball-Profis Zahir Belounis kommt das WM-Land von 2022 schlecht weg – ebenso wie die Uefa oder Klubs wie der FC Bayern.

© AFP Zahir Belounis: „Es war ein Albtraum. Ich bin Opfer geworden eines Systems der modernen Sklaverei“

Erfasst von Emotionen musste Zahir Belounis bei seiner Rede einen kurzen Moment innehalten. Dann ging er in seiner Anklage gegen die Qatarer weiter. „Es war ein Albtraum. Ich bin Opfer geworden eines Systems der modernen Sklaverei. Ich halte das Gefühl noch immer nicht aus, dass die Leute, die mir das angetan haben, nicht bestraft werden“, sagte der französische Fußballprofi.

Michael Ashelm Folgen:

Er war am Donnerstag Gast bei einer Anhörung im Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments und erzählte über sein Martyrium in dem Emirat. „Sie haben mich am Ende erpresst. Damit ich aus dem Land komme, musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich rückwirkend bei meinem Verein kündige und auf mein Gehalt der vergangenen anderthalb Jahre verzichte.“

Mehr zum Thema

Es ging in Brüssel um Sport und Menschenrechte. Vor allem aber um die umstrittene Fußball-WM in Qatar im Jahr 2022 und die Mitverantwortung des Fußball-Weltverbandes (Fifa), der seine großen Turniere weiterhin auch an Länder vergibt, in denen die Menschenrechte verletzt werden. Berichte über Hunderte tote Gastarbeiter auf den qatarischen Baustellen hatten die Öffentlichkeit aufgerüttelt.

„Die Uhr läuft ab“

So warteten die Abgeordneten auf die Ausführungen des deutschen Fifa-Vorstandsmitglieds Theo Zwanziger, der als Gesandter des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter gekommen war. Und er nutzte den Auftritt, um die Rolle des Weltverbandes klar zu definieren. Er kündigte abermals an, dass zukünftig bei der Vergabe von Turnieren, auch die Einhaltung und Verbesserung der Menschenrechtssituation in den jeweiligen Ländern wichtige Kriterien sein sollten. „Wir werden die Augen vor den inakzeptablen Verhältnissen in Qatar nicht verschließen und den Druck hochhalten. In den Menschenrechtsfragen gibt es keine Zeit mehr. Die Uhr läuft ab“, sagte der ehemalige deutsche Fußballpräsident.

27876688 © AFP Vergrößern Theo Zwanziger: „Wir werden die Augen vor den inakzeptablen Verhältnissen in Qatar nicht verschließen und den Druck hochhalten“

Zugleich holte Zwanziger zum Schlag gegen andere wichtige Beteiligte im Weltfußball aus, deren Engagement für Veränderungen in dem WM-Land nicht gerade stark ausgeprägt sei. „Alle zeigen immer mit dem Finger auf die Fifa. Aber es gibt auch andere Repräsentanten, zum Beispiel der Klubs, die gerade erst ihre Wintertrainingslager in Qatar absolviert haben und an den dortigen Verhältnissen ebenfalls nicht vorbeigehen dürfen. Wer hier wegschaut, macht sich mitschuldig“, sagte das deutsche Fifa-Vorstandsmitglied.

Seitenhieb auf den FC Bayern

Dies war als Seitenhieb auf den FC Bayern zu verstehen, der seit einigen Jahren gute Beziehungen nach Qatar unterhält und sich mit seinen Stars dort immer auf die Bundesligarückrunde vorbereitet. Der Bayern-Grande Franz Beckenbauer fiel zuletzt nur durch einen überheblichen Kommentar auf, als er lapidar bemerkte, bei seinen Qatar-Reisen dort nie „Sklaven“ gesehen zu haben. „Er hat Qatar halt nicht unter diesem Blickwinkel in Augenschein genommen“, merkte Zwanziger spöttisch an.

Verantwortung für Fortschritte in Qatar hat auch der Präsident des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), Michel Platini. Er hatte im Jahr 2010 persönlich für die WM-Vergabe an das Emirat gestimmt. Doch wo blieb er am Donnerstag in Brüssel? Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Barbara Lochbihler, die das komplexe Thema stark vorantreibt, hatte schon vor der Anhörung den Uefa-Präsidenten wegen seiner Absage scharf kritisiert. „Die Probleme bei großen Sportereignissen beschränken sich nicht auf die Fifa. Auch die Uefa und das IOC sind hier angesprochen“, sagte die Grünen-Politikerin, die viele Jahre Sektionschefin von Amnesty International war.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fifa-Präsidentenwahl Wenn der Bock zum Gärtner wird

Mit deutscher Hilfe soll Michel Platini als neuer Fifa-Chef installiert werden – unterstützt von einer alten Adidas-Connection. Ein Neuanfang sieht anders aus. Mehr Von Michael Ashelm

20.07.2015, 09:16 Uhr | Sport
Uefa-Präsident Platini will Blatter-Nachfolger bei der Fifa werden

Der Präsident des europäischen Fußball-Verbands (Uefa), Michel Platini, kandidiert als Nachfolger des umstrittenen Fifa-Chefs Joseph Blatter. Er gilt seit langem als aussichtsreichster Kandidat für den Spitzenposten beim Weltverband. Mehr

30.07.2015, 10:14 Uhr | Sport
Skandal im Fußball-Weltverband Putin fordert Nobelpreis für Blatter

Fifa-Präsident ist Joseph Blatter nur noch bis Februar 2016. Und dann? Geht es nach Wladimir Putin, bekommt der Schweizer den Nobelpreis. Zugleich äußert der Kremlchef Vorwürfe gegen die Vereinigten Staaten. Mehr

28.07.2015, 11:43 Uhr | Sport
Fifa-Skandal Fifa-Skandal: Druck auf Blatter wächst

Nach den Festnahmen mehrerer Spitzenfunktionäre steht FIFA-Chef Sepp Blatter zunehmend unter Druck. UEFA-Präsident Michael Platini, Großbritannien und Frankreich forderten den Rücktritt des Schweizers. Angesichts des Bestechungsskandals im Fußball-Weltverband drohen wichtige Sponsoren mit dem Ausstieg. Mehr

28.05.2015, 20:37 Uhr | Aktuell
Künftiger Fifa-Präsident? Rauball fordert Bekenntnis von Platini

Ligachef Reinhard Rauball hat den Uefa-Präsidenten aufgefordert, schnell über eine Kandidatur für die Wahl zum neuen Fifa-Vorsitzenden zu entscheiden. Auf Taktiererei müsse unbedingt verzichtet werden. Mehr Von Michael Ashelm

21.07.2015, 17:03 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 13.02.2014, 14:59 Uhr

Olympia, eiskalt serviert

Von Christoph Becker

Binnen 14 Jahren wird Peking zum zweiten Mal Gastgeber von Olympischen Spielen. Das ist schlimm. In den wesentlichen Punkten zivilisierter Gesellschaften hat sich China keinen Deut verbessert. Mehr 16 14