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Serie-A-Kommentar Die Fehler der Provinzfürsten

28.08.2011 ·  Sportlicher Niedergang, ein Wettskandal, veraltete Stadien, wenig Zuschauer - und nun auch noch ein Streik im italienischen Fußball. Die Serie A hat ein Grundproblem.

Von Julius Müller-Meiningen, Rom
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Es wäre der Start in eine triste Serie-A-Saison gewesen. Erstmals werden nur der italienische Meister und der Tabellenzweite einen Startplatz für die Champions League sicher haben. Allein diese Erkenntnis dürfte einen heftigen Knacks im Fußball-Selbstbewusstsein der Italiener verursacht haben.

Sportlicher Niedergang, ein Wettskandal, veraltete Stadien, wenig Zuschauer und ebenso geringe Perspektiven für Nachwuchsspieler - um das Dilemma zu vervollständigen, streikt die Serie A nun auch noch, der erste Spieltag an diesem Wochenende wurde verschoben. Aber ein wenig Zeit zur Besinnung ist nicht ganz unangebracht.

Es sind zwei Fragen, über die sich Ligaverband und Spielergewerkschaft nicht einigen konnten oder wollten. In der von der Regierung beschlossenen Steuerreform ist ein Solidaritätsbeitrag für Großverdiener (also auch Profi-Fußballer) vorgesehen, dessen Umfang für die Serie A auf insgesamt 55 Millionen Euro geschätzt wird. Die Klubeigentümer wollen sichergehen, dass die Spieler selbst diese Beiträge leisten, selbst wenn Verträge, wie oft der Fall, auf Nettobasis abgeschlossen worden sind.

Die Spielergewerkschaft lehnt einen solchen Passus ab, weil er geltende Verträge abändern würde, sie signalisierte aber Kompromissbereitschaft. Der italienische Fußballverband bot einen 20-Millionen-Euro-Zuschuss an, außerdem ist der Solidaritätsbeitrag noch nicht definitiv verabschiedet. Dass der Ligaverband eine Einigung trotzdem ablehnte, legt nahe, dass es vor allem um den zweiten Streitpunkt geht.

Die Präsidenten wollen sich vorbehalten, Spieler, die in den Plänen von Trainern und Vereinsführung keine Rolle mehr spielen, in separaten Einheiten trainieren zu lassen. Die Gewerkschaft sieht darin einen unzulässigen Versuch, Spieler gegen ihren Willen zu einem Vereinswechsel und zu Gehaltseinbußen zu zwingen. Schließlich wurden die Arbeitsverträge einst in gegenseitigem Einvernehmen abgeschlossen.

Die Schuld nur auf gierige Kicker zu schieben greift zu kurz. Denn die Serie A hat ein Grundproblem: Die meisten Präsidenten erinnern an Provinzfürsten. Die Liga hat den Schritt in die Moderne verpasst. Versäumnisse und Misswirtschaft kommen deutlich zum Vorschein. Trotzdem ist die Liga immer noch nicht bereit, ihre wesentlichen Schwächen anzugehen.

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