Achtelfinale oder Abreise? Bei Serbien ist die Botschaft klar. „Wir rechnen mit einem Sieg“, sagte Trainer Radomir Antic vor der Reise nach Nelspruit. Dort will die Mannschaft mit einem Erfolg gegen Australien die K.-o.-Runde erreichen. Der Außenseiter appellierte derweil mit viel Pathos an die Landsleute in der fernen Heimat. „Die Nation darf uns nicht im Stich lassen“, sagte Verteidiger Lucas Neill. „Es wird sehr schwer, aber wir haben noch eine Chance.“ Der Achtelfinalist der WM 2006 zieht in die Runde der besten 16 ein, wenn Serbien unterliegt und Ghana zugleich gegen Deutschland gewinnt. „Wir sind jetzt alle für Ghana“, sagte Dario Vidosic, zuletzt vom 1. FC Nürnberg an den MSV Duisburg ausgeliehen. Die Tordifferenz-Theorien mit dem Aufholen von fünf Treffern auf Ghana (bei einem Sieg Deutschlands) oder gar sieben auf Deutschland (bei einem Remis zwischen Deutschland und Ghana) sind dagegen nicht mehr als wilde Fantasien.
„Mit dem anderen Spiel müssen wir uns nicht beschäftigen“, sagte auch Antic mit selbstbewusstem Grinsen. Der ehemalige Coach von Real Madrid und des FC Barcelona hat auch eine Rechnung aufgemacht, allerdings die denkbar einfachste: Ein Sieg am Mittwoch (20.30 Uhr) im Mbombela-Stadion - und das Ergebnis der Parallelpartie zwischen Deutschland und Ghana kann den Serben herzlich egal sein. Die theoretische Möglichkeit, auch mit einem Unentschieden weiterzukommen, hat in Antic' Rechnungen keinen Platz. „Wir wissen, was wir zu tun haben. Wir haben genug Selbstvertrauen, um die nächste Runde zu erreichen“, sagte er. Das Kollektiv sei die große Stärke dieser Mannschaft, so Antic, der sich schon nach dem 1:0 gegen die deutsche Elf strikt geweigert hatte, einzelne Protagonisten wie den überragenden Torhüter Vladimir Stojkovic oder den Torschützen Milan Jovanovic besonders herauszuheben.
Australien Hoffnungen ruhen auf Joshua Kennedy
Sein nach der Weltmeisterschaft in Südafrika scheidender Trainerkollege Pim Verbeek sprach sich und dem vermeintlichen Underdog indes Mut zu. „Wir müssen alles versuchen“, sagte der niederländische Coach der Australier. Auch Torhüter Mark Schwarzer suchte sein Heil im Optimismus. „Serbien hat ein gutes Team mit exzellenten Spielern. Aber wenn wir wie gegen Ghana spielen, können wir gewinnen“, sagte er - wohl wissend, dass das alleine noch nicht reichen wird.
Zu Hause ruhen die Hoffnungen nicht zuletzt auf dem langjährigem Bundesliga-Profi Joshua Kennedy, von den Mannschaftskollegen wegen seines Äußeren „Jesus“ genannt, der von Anfang an seine Chance bekommen wird. „Ist Kennedy der große Erlöser?“, titelte das größte Blatt des Landes, „The Australian“. Kennedy soll zusammen mit dem nach seiner Rotsperre zurückkehrenden Tim Cahill versuchen, die große Überraschung zu schaffen.