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Sebastian Jung Bereit für die große Bühne

 ·  Bundestrainer Joachim Löw beruft Eintracht-Verteidiger Sebastian Jung erstmals in den Kader der Nationalelf. Für viele ist das keine Überraschung.

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Aus der Backstube in die Nationalmannschaft. Was nach einem Fußball-Märchen klingt, gibt es wirklich. Königstein, Frankfurt, Eintracht. Es sind die drei großen Säulen im Leben des Fußballspielers Sebastian Jung. In Königstein, seiner Heimatstadt im Taunus, hat Jung in der elterlichen Backstube etwas Handfestes gelernt. In Frankfurt, bei der Eintracht am Riederwald im Osten, ist ihm von 1998 an der Umgang mit dem Ball beigebracht worden. Und nun steht der 22 Jahre alte Spieler vor dem Höhepunkt seiner noch jungen Karriere. Bundestrainer Joachim Löw hat ihn für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft an diesem Mittwoch in Amsterdam gegen die Niederlande nachnominiert.

„Das hat er sich verdient. Das ist ein guter Junge mit einem guten Charakter.“ Sagt Armin Veh, unter dem Jung den entscheidenden Karrieresprung vollzogen hat. „Sebastian spielt eine überragende Saison“, sagt der Frankfurter Trainer. Dass die Eintracht, als Aufsteiger furios in die Liga gestartet, trotz der jüngsten Niederlage bei Rekordmeister Bayern München noch immer auf Rang drei liegt, ist auch das Verdienst des Rechtsverteidigers Jung. 64 Erstligaspiele, 33 zweitklassige Einsätze, zwei Tore: Es hat nicht lange gedauert, bis der bodenständige, stets freundliche Hesse den Sprung in den Nationalmannschaftskader geschafft hat. Mit seiner Nominierung, wann auch immer, haben sie bei der Eintracht gerechnet. Mittelfeldmann Sebastian Rode und der flinke Sebastian Jung - das sind die beiden Juwele, denen nicht nur Veh, sondern auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner Großes zutrauen.

Von seinen Trainern gefördert

Dass Jung der erste Eintracht-Nationalspieler seit Horst Heldt (1999) ist, mag verwundern. Und sicherlich mögen die Absagen von Miroslav Klose, Mesut Özil, Jerome Boateng, Marcel Schmelzer, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos dazu beigetragen haben, einen wie Jung schneller als geplant in den Fokus zu rücken. Eine Überraschung aber ist es nicht. Immer wieder nämlich hat Bundestrainer Löw einen Abstecher nach Frankfurt gemacht, um sich vor Ort ein Bild vom Überraschungsteam der Bundesliga zu machen. Positiv angetan war Löw dabei von der „unheimlichen Dynamik in ihrem Spiel“.

Schnell und schnörkellos: Auch Jung sucht sofort den direkten Weg über die Außenposition in das Angriffsgeschehen. Neben einer ansprechenden Technik und einem geschickten Zweikampfverhalten ist es vor allem seine Konditionsstärke, die ihn bei der Eintracht unverzichtbar macht. Neben dem linken Außenverteidiger Bastian Oczipka ist Jung der einzige Frankfurter, der bislang in allen elf Punktspielen von Anfang bis Ende dabei gewesen ist. Dreieinhalb Jahre erst liegt es zurück, dass sich Sebastian Jung auf der Bühne Bundesliga präsentieren durfte. Der damalige Trainer Friedhelm Funkel, der große Stücke auf seinen jüngsten Spieler hielt, gab ihm am 8. März 2009 eine erste Bewährungschance. Jung, fünfzehn Minuten lang beim torlosen Remis der Eintracht auf der Bielefelder Alm am Ball, nutzte sie sogleich beherzt.

Funkels Nachfolger Michael Skibbe und Christoph Daum hielten Kurs und förderten das Eintracht-Eigengewächs ebenso wie jetzt Armin Veh. Der sagt in seiner direkten Art, dass er sich über Jungs Nationalmannschafts-Nominierung nicht gewundert habe. „Ausschlaggebend ist doch: Sebastian zeigt konstant gute Leistungen.“ Der erfahrene Fußballlehrer sieht zudem Spielraum für weitere Entwicklungen. „Er ist noch lange nicht am Ende.“

Schon im U-21-Nationalteam am Ball

Am Montag, als die deutsche Mannschaft in Amsterdam in ihrem Hotel eincheckte, zeigte sich Sebastian Jung „ein bisschen aufgeregt“. Verständlich für einen, der bei seiner Premiere keine Fehler machen will. „Normalerweise gehöre ich ja zum Stamm der U-21-Nationalmannschaft“, sagt er. „Aber diese Nominierung für die A-Nationalmannschaft ist etwas ganz Besonderes.“ Jung also kennt sich aus, wenn es um Spiele mit dem bundesdeutschen Adler auf dem Dress geht. Mit dem U-21-Nationalteam gab es unlängst ein 3:1 in der Schweiz; der Sprung zur Europameisterschafts-Endrunde in Israel war geschafft.

Für die Eintracht-Verantwortlichen kommt Jungs Berufung gerade recht. Vertraglich noch bis 2014 an den Tabellendritten gebunden, könnte der Verteidiger dank einer Ausstiegsklausel schon im Sommer 2013 den Frankfurtern den Rücken kehren. Manager Bruno Hübner, seit Wochen bemüht, Jung ebenso wie Rode zum Bleiben zu überzeugen, sieht in der Nachnominierung von Jung denn auch ein wichtiges Signal: „Es zeigt, dass man nicht den Verein wechseln muss, sondern auch in Frankfurt Nationalspieler werden kann.“ Aus der Backstube in die Nationalmannschaft - eine schöne Geschichte.

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12.11.2012, 23:23 Uhr

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