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Scolaris Blackout Faustrecht auf Brasilianisch

13.09.2007 ·  Nach einem versuchten Faustschlag gegen einen serbischen Spieler droht Felipe Scolari eine längere Sperre. Sollte sich Portugal nicht für die Fußball-EM qualifizieren, könnte es sein letzter Auftritt als Nationalcoach gewesen sein.

Von Tilo Wagner, Lissabon
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Ganz am Schluss wollte Luiz Felipe Scolari seinen Spielern noch einmal zeigen, was er unter hitzigem, südamerikanischem Kampfgeist versteht. Er schubste seinen Außenstürmer zur Seite, holte mit der Faust aus und streifte mit den Fingerkuppen das Kinn des serbischen Verteidigers Dragutinovic.

Und nur weil Deco seinen wutschäumenden Coach aus der Gefahrenzone drückte, bekamen die 50.000 Zuschauer im Lissabonner Stadion Alvalade nach einem mäßigen Fußballspiel nicht noch einen mäßigen Boxkampf zu sehen. Serbiens Nationaltrainer Javier Clemente forderte anschließend Scolaris Rücktritt: „So ein Verhalten gehört nicht in die Welt des Sports.“

„Wollte nur meinen Spieler verteidigen

Auch gut eine Stunde nach dem Spiel wollte Scolari seinem Blackout nichts Gravierendes abgewinnen und übte sich weiter im Spielplatzjargon: „Ich wollte nur meinen Spieler verteidigen.“ Der wahre Skandal, so der brasilianische Erfolgstrainer, sei der Gegentreffer der Serben gewesen. Tatsächlich hatte das Schiedsrichtergespann um Markus Merk eine deutliche Abseitsposition des Torschützen Ivanovic übersehen. Die Gründe für Scolaris Ausbruch liegen jedoch tiefer als der Frust über eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung.

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen verspielte Portugal kurz vor Schluss einen sicher geglaubten Heimsieg gegen einen unmittelbaren Rivalen. Scolaris nicht immer faire Kampftugenden, die seine Mannschaft zuletzt bei der „Schlacht von Nürnberg“ im WM-Achtelfinale 2006 gegen Holland eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, sind ein Relikt aus einer scheinbar fernen Vergangenheit. Ohne den verletzten Abwehrchef Ricardo Carvalho spielt Portugal einen nervösen, unkontrollierten, zaghaften Fußball und kann auch nach vorne nur selten Akzente setzen.

Peinlicher Abschied?

Deco befindet sich seit Monaten in einem Formtief, und Cristiano Ronaldo fehlt nach einem Platzverweis und der darauf folgenden Sperre in der Premier League die nötige Spielpraxis. Das wahre Problem der Portugiesen liegt aber weiterhin im Sturm. Ohne einen hochklassigen Mittelstürmer müssen die Portugiesen, die mit einem Spiel weniger zwei Punkte hinter Finnland auf Platz drei der Gruppe A stehen, nun weiter um die EM-Teilnahme bangen. Zudem muss die „Selecção“ eventuell in den restlichen Spielen auf ihren Trainer verzichten.

Nach dem versuchten Faustschlag am späten Mittwochabend droht dem 59 Jahre alten Brasilianer eine längere Sperre. Sollte sich Portugal nicht qualifizieren, könnte es Scolaris letzter Auftritt und ein wahrhaftig peinlicher Abschied gewesen sein.

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