http://www.faz.net/-gtl-76c3n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.02.2013, 07:10 Uhr

Schwere Vorwürfe von Pieth DFB stellt sich gegen Reformprozess

Fifa-Chef-Reformer Mark Pieth erhebt Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund. Der DFB und die Uefa stellten sich gegen Kernforderungen der Reformbestrebungen innerhalb des schwer in Verruf geratenen Fußball-Weltverbandes.

von
© dapd Kritisiert die europäischen Vertreter innerhalb der Fifa: Chef-Reformer Mark Pieth

Die Befürchtungen, dass die Reformbestrebungen beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) mehr und mehr verwässern, werden immer konkreter. Vorwürfe erhebt nun der Vorsitzende der unabhängigen Governance-Kommission bei der Fifa, Mark Pieth, auch gegenüber dem Deutschen  Fußball-Bund (DFB).  „Ich bin erstaunt über den DFB, von dem ich eigentlich eine klare Haltung zu den Reformschritten erwartet hätte“, sagte der Schweizer Anti-Korruptionsexperte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Michael Ashelm Folgen:

Zudem kritisiert Pieth auch den englischen Verband, der in der Vergangenheit wie der deutsche stets vorgegeben hatte, besonderes Interesse zu haben an den tiefgreifenden Veränderungen innerhalb des schwer in Verruf geratenen Weltverbandes. Hintergrund für die Kritik Pieths ist die unlängst einstimmig verfasste Deklaration der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die von allen europäischen Nationalverbänden getragen wurde und auch vom DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach unterzeichnet worden war. Sie widerspricht Kernforderungen der Reformgruppe bei der Fifa.

Uefa-Deklaration sei „ein Rückschritt“

„Ich bin von der Deklaration enttäuscht, weil sie ein Rückschritt ist“, sagte Pieth der F.A.Z. So hatte sich die Uefa zum Beispiel dagegen ausgesprochen, eine sogenannte Amtszeitbegrenzung für Mitglieder des Fifa-Vorstandes vorzusehen, dem derzeit acht europäische Vertreter inklusive des Uefa-Präsidenten Michael Platini angehören. Zudem stelle man sich in der Deklaration gegen die wichtige Forderung, dass eine unabhängige Stelle bei der Fifa zukünftig die Integrität von Topfunktionären vor deren Einsetzung in Fifa-Gremien überprüfen sollte. Dies entspricht inzwischen dem Vorgehen großer internationaler Wirtschaftskonzerne, die in der Vergangenheit ebenso von Korruption betroffen waren. Uefa-Präsident Michel Platini, der zuletzt wegen seiner undurchsichtigen Verbindungen zum umstrittenen WM-Ausrichter Qatar in die Kritik geraten ist, wird ein Interesse an der Nachfolge des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter nachgesagt. Er, die Uefa und auch der DFB stehen nun erst einmal in einem trüben Licht da.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fifa-Ethikkommission Niersbach für ein Jahr gesperrt

Wegen der Affäre um die Fußball-WM 2006 wird Wolfgang Niersbach von der Fifa-Ethikkommission für ein Jahr gesperrt. Die Reaktion des früheren DFB-Präsidenten folgt prompt. Auch der DFB äußert sich. Mehr Von Michael Ashelm

25.07.2016, 15:41 Uhr | Sport
Staatliches Doping IOC schließt Russland nicht von Olympia aus

Die Leitung des Internationalen Olympischen Komitees um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hat die russischen Athleten nicht grundsätzlich von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen. Stattdessen sollen die Welt-Sportverbände entscheiden. Mehr

25.07.2016, 15:01 Uhr | Sport
Harting zu IOC-Entscheid Im IOC herrschen Zustände wie bei der Fifa

Robert Harting fällt ein hartes Urteil über IOC-Chef Thomas Bach. Der reagiert in einem Interview erstaunlich scharf auf die Kritik des Diskuswerfers. Mehr Von Michael Reinsch, Kienbaum

26.07.2016, 17:32 Uhr | Sport
Türkei Regierung lässt Journalisten festnehmen

Nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in der Türkei haben die Behörden Medienberichten zufolge am Montag Haftbefehle gegen 42 Journalisten erlassen. Unter ihnen sei auch Nazli Ilicak, eine frühere Parlamentsabgeordnete und Journalistin. Sie hatte der Regierung vor einigen Jahren Korruption vorgeworfen und war deshalb entlassen worden. Mehr

26.07.2016, 15:58 Uhr | Politik
Türkei Was immer das Volk will

Kritik am Westen, Liebäugeln mit der Einführung der Todesstrafe: Erdogan entfernt sich immer weiter von Europa – und orientiert sich außenpolitisch bereits um. Mehr Von Michael Martens

26.07.2016, 20:25 Uhr | Politik

Spiele des Zynismus

Von Evi Simeoni

Der IOC-Präsident hat die Chance zu einem machtvollen Statement gegen Doping vertan. Die Entscheidung, Russland zu den Spielen zuzulassen, nimmt den Spielen den tieferen Sinn. Mehr 28 36