Schon nach einer guten halben Stunde am Mittwoch abend konnte der Stadionsprecher dem Publikum in der Münchner Arena Vollzug melden: „Jetzt liefert er, der Pizza-Service“. Da hatte Claudio Pizarro, den Fans und Kollegen gern als italienischen Teigfladen abkürzen, mit seinem dritten Tor bereits das 5:0 gegen OSC Lille erzielt.
Und schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass der FC Bayern, der seit August in der Bundesliga spielerische Feinkost serviert, an diesem Novemberabend erstmals auch bei den internationalen Spezialitäten der Champions League auf Drei-Sterne-Niveau liefern würde. Am Ende stand nach den drei Toren von Pizarro in der 18., 28. und 33. Minute, den beiden Freistoßtreffern von Bastian Schweinsteiger (4.) und Arjen Robben (23.) sowie einem Tor von Toni Kroos (65.) bei einem Gegentreffer durch Salomon Kalou (57.) ein nie gefährdeter und spielerisch imposanter 6:1-Sieg des Bundesliga-Tabellenführers, der sich damit eine gute Ausgangsposition für den Einzug in die K.o.-Runde der Champions League gesichert hat. Aufgrund des Sieges von Valencia gegen Bate Barissau und einer unübersichtlichen Tabellensituation wäre theoretisch jedoch auch nach einem Auswärtssieg in Valencia noch ein Ausscheiden möglich. „Wir haben in der ersten Halbzeit wie aus einem Guss gespielt, aber natürlich war der Gegner nicht allererste Klasse“, bilanzierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes ein einseitiges Spiel
Die Franzosen hatten nach drei Niederlagen in drei Spielen ihre letzte Chance mutig angehen wollen, so tauschte Trainer Rudi Garcia gegenüber der 0:1-Hinspielniederlage gegen die Bayern vor zwei Wochen gleich fünf Spieler aus. Doch kamen die Gäste in München von Beginn an nie aus der Opferrolle heraus.
Schweinsteigers 50-Meter-Spurt
Schon nach drei Minuten stach Arjen Robben im Höchsttempo durchs Zentrum und bediente Thomas Müller, der freistehend an Torwart Mickael Landreau scheiterte. Während sich Müller noch die Haare raufte, bekamen die Franzosen den schon abgewehrten Ball aber nicht weit genug weg aus ihrer Gefahrenzone, was zu einem Freistoß für die Bayern nahe der Strafraumgrenze führte. Schweinsteiger lief an und drehte den Ball über die Mauer gekonnt ins kurze Eck.
Dem befreienden Führungstor ließ er einen enthusiastischen 50-Meter-Spurt zur Bayern-Bank folgen, wo er mit den Ersatzspielern feierte. Lille tat das Falsche und versuchte die Aufgabe spielerisch zu lösen, eine Übung, in der sie trotz punktueller Raffinesse den Bayern rettungslos unterlegen blieben. Ein Kopfball von Nolan Roux nach zehn Minuten blieb ihre einzige nennenswerte Offensivaktion der ersten Hälfte. Auf der anderen Seite dagegen schnitten die Tempo-Attacken des deutschen Rekordmeisters immer wieder tiefe Schneisen in die Abwehrlinien der Franzosen, und so fielen die Tore fast wie von allein, und zwar nun gleich viermal im Fünfminuten-Takt.
Eine Kombination im Rückraum mit Ribery und Müller führte nach 18 Minuten zum ersten Pizarro-Treffer durch einen Flachschuss aus 15 Metern, ein abgefälschter Robben-Freistoß brachte fünf Minuten später das 3:0, weitere fünf Minuten später servierte Philipp Lahm Pizarro das 4:0 maßgerecht auf den Fuß und nach derselben Frist das 5:0 auf den Kopf.
Danach feierten die Fans den Peruaner mit dem Gesang des Namens „Pizarro“ zur Melodie des alten Italo-Schlagers „Volare“. Den fünften Fünf-Minuten-Treffer en suite verpasste Arjen Robben bei einem Konter in der 38. Minute, er scheiterte frei an Landreau. Und auch David Alaba hätte das halbe Dutzend noch in der ersten Hälfte voll machen können, doch gnädigerweise drehte er seinen Linksschuss aus zwölf Metern um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei.
Aufgabe zur Pause erfüllt
„Wir müssen die wegputzen“, hatte Präsident Uli Hoeneß vor der Partie gefordert, und diese Aufgabe schien schon zur Pause erfüllt. So war es kein Wunder, dass die Bayern den zweiten Teil des Abends ein wenig schonender angingen. So fand Kalou in der 57. Minute Platz für eine feine Einzelleistung, die er mit einem perfekt platzierten Schuss aus zwanzig Metern in den rechten oberen Torwinkel zum 5:1 nutzte.
Der Ivorer jubelte allerdings so gut wie nicht über diesen sogenannten Ehrentreffer - ein halbes Jahr, nachdem er an derselben Stelle im Champions-League-Finale mit dem FC Chelsea seinen größten Erfolg erzielt hatte. Schon sieben Minuten später stellte der für Müller eingewechselte Kroos mit dem 6:1 den alten Abstand wieder her. Abermals kam die Vorarbeit vom überragenden Kapitän Lahm am rechten Flügel. Wir
haben einen richtigen Lauf. So kann es weitergehen“, sagte Kapitän
Lahm.
Spätestens da war der Kuchen gegessen, es ging nur noch ums Dessert, und beinahe hätte es in der 75. Minute noch zu einer spielerischen Delikatesse gereicht, die Kroos dem Kollegen Robben per Hacke auf dem Silbertablett servierte. Der Holländer zögerte zu lange mit seinem Abschluss und wurde noch abgeblockt. Danach scheiterte Robben noch weitere zwei Male allein vor dem Torwart. Doch hungrig musste an diesem Abend kein Fußball-Feinschmecker nach Hause gehen.
(==================== Linkliste ====================)
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba -
Schweinsteiger (67. Timoschtschuk), Javi Martínez - Robben, Müller
(61. Kroos), Ribéry (72. Shaqiri) - Pizarro
OSC Lille: Landreau - Debuchy, Basa, Chedjou, Béria - Balmont,
Rozehnal (46. Mavuba), Pedretti - Kalou (72. Martin), Roux, Payet
(46. de Melo)
Schiedsrichter: Hartegan (Rumänien)
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Schweinsteiger (5.), 2:0 Pizarro (18.), 3:0 Robben (23.), 4:0 Pizarro (28.), 5:0 Pizarro (33.), 5:1 Kalou (57.), 6:1Kroos (66.)
Gelbe Karten: Ribéry, Schweinsteiger, Timoschtschuk / Balmont,
Debuchy, Mavuba
Bayern liebt das...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 08.11.2012, 12:44 Uhr
Problem, Herr Gomez?
Tyler Durden Volland (tylerdurdenvolland)
- 08.11.2012, 01:33 Uhr