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Schiedsrichterskandal „Müssen in Betracht ziehen, daß Spieler beteiligt sind“

25.01.2005 ·  Die im Fall Hoyzer ermittelnde Staatsanwaltschaft Braunschweig will nicht ausschließen, daß sich der Schiedsrichterskandal im deutschen Fußball ausweiten wird. Hoyzer beteuerte abermals seine Unschuld.

Von Michael Horeni
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Die Dimension des Schiedsrichterskandals ist Joachim Geyer schnell klargeworden. Seit am Montag bekannt wurde, daß die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Fall Peter Hoyzer Vorermittlungen aufgenommen hat, "ist eine Lawine über uns hereingebrochen", wie der Staatsanwalt über das gewaltige Interesse sagt.

Die Dienststelle an der Martinikirche ist aber nicht nur zur Anlaufstation für die Medien geworden; an ihre Arbeit knüpft vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) große Hoffnungen. Aber die ersten Nachrichten, die aus Braunschweig hinaus in deutsche Fußball-Lande gehen, lassen an eine rasche Aufklärung der Affäre mit entsprechenden rechtlichen Konsequenzen nicht glauben - falls dies überhaupt gelingt.

Hoyzer beteuert seine Unschuld

"Wir haben gewisse Ermittlungen eingeleitet. Aber das wird schwierig", sagt Staatsanwalt Geyer, um in diesem Fall zu juristisch tragfähigen Beweisen zu gelangen. Allein der Abschluß der Vorermittlungen "wird nicht in Tagen, sondern eher in Wochen oder Monaten zu bemessen sein". Ob danach überhaupt ein Ermittlungsverfahren eröffnet werden könne, sei vollkommen ungewiß. Hoyzer beteuerte am Dienstag abermals seine Unschuld.

Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig hat unterdessen Kontakt mit ihren Kollegen in Berlin aufgenommen. Denn nicht einmal die Zuständigkeit für den des Wettbetrugs bezichtigten Schiedsrichters ist definitiv entschieden. Hoyzer hat nach Angaben der Braunschweiger Staatsanwaltschaft seinen Wohnsitz erst seit vier Monaten in Salzgitter, aber alle fragwürdigen Spiele, in denen Hoyzer Manipulation vorgeworfen wird, fanden in der Zeit davor statt.

Zwei weitere Unparteiische unter Verdacht

Dabei könnte der Fall für den deutschen Fußball noch weit brisanter werden, als er sich ohnehin schon darstellt. Die Staatsanwaltschaft müsse derzeit zwar noch von einem Einzelfall ausgehen, sagt Geyer, aber nach eigenen Erfahrungen und ersten Medienberichten, wonach "es eine regelrechte Wettmafia geben soll, muß man natürlich damit rechnen, in ein Wespennest zu stoßen".

Nach den ersten Informationen, die der Staatsanwaltschaft vom DFB und anderen Quellen zugegangen sind, "wird es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die zwei weiteren in Verdacht stehenden Schiedsrichter benannt werden", sagt Geyer. Das "Hamburger Abendblatt" berichtete am Dienstag, zwei weitere Unparteiische stünden unter Verdacht, durch Fehlentscheidungen Spiele beeinflußt zu haben. Dabei handele es sich um zwei Schiedsrichter aus Berlin.

Zeugen geben öffentliche Stellungnahme ab

Auch wenn diese speziellen Fälle, die der DFB dementiert, noch nicht geklärt seien, so der Staatsanwalt, "müssen wir in Betracht ziehen, daß noch andere Personen bis hin zu Spielern an der Sache beteiligt sind." Alles andere "wäre blauäugig". Konkrete Anhaltspunkte lägen aber noch nicht vor.

Am Dienstag haben dann die vier Berliner Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein sowie Felix Zwayer erklärt, daß sie am vergangenen Mittwoch den Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, über die Verdachtsmomente gegen ihren Kollegen Hoyzer informiert hätten. "Wir betonen, daß wir Robert Hoyzer weder des Wettens auf eigene Spielleitungen und des Betrugs bezichtigt noch irgendwelche Hintergründe oder weitere Personen damit in Zusammenhang gebracht haben", heißt es in einer Stellungnahme.

„Dringende Aufklärungsnotwendigkeit“

Die Unparteiischen sahen sich zu dem Schritt veranlaßt, weil der DFB-Kontrollausschuß seine Ermittlungen auch auf die Zweitligapartie Rot-Weiß Essen gegen 1. FC Köln (2:2) vom 22. Oktober 2004 ausgeweitet hatte, an der Hoyzer nicht beteiligt war, aber gleichwohl Einfluß genommen haben soll. Zwayer, der bei diesem Spiel als Assistent eingesetzt wurde, hatte zuvor in einem Interview mit dem "Kölner Express" bestätigt, daß er vor dieser Begegnung einen Telefonanruf erhalten habe, wonach er dazu bewegt werden sollte, mit seinen Entscheidungen Einfluß auf die Partie zu nehmen. Allerdings habe er das Gespräch sofort abgebrochen.

Von dem Vorfall habe er seine beiden Kollegen Gräfe und Häcker allerdings nicht informiert. In der Erklärung heißt es weiter: "Wir sahen auf Grund der vorliegenden Informationen und der direkten Aussagen von Robert Hoyzer gegenüber dem Schiedsrichterkollegen Felix Zwayer eine dringende Aufklärungsnotwendigkeit, um einen eventuellen Schaden am deutschen Fußball und am deutschen Schiedsrichterwesen zu verhindern." Nach Angaben des Sportinformationsdienstes wurden zwei der vier Schiedsrichter am Freitag als Zeugen vom Kontrollausschuß vernommen.

Krisensitzung der Schiedsrichter

Roth äußerte sich erstmals über die Vernehmung des unter Verdacht geratenen Hoyzer in der DFB-Zentrale. "Ich habe ihm klargemacht, daß wir im Schiedsrichterausschuß schon bei einem Anschein einer Unregelmäßigkeit eine weitere Verwendung auf der DFB-Schiedsrichterliste nicht dulden werden. Wir haben ihm nahegelegt zurückzutreten. Das hat er dann auch gemacht", sagte Roth.

Als Konsequenz aus den Vorfällen wird an diesem Donnerstag in Frankfurt eine außerordentliche Tagung der 44 Schiedsrichter aus der Ersten und Zweiten Liga stattfinden. Roth erwägt, die Unparteiischen einen Ehrenkodex für Schiedsrichter unterschreiben zu lassen. Ansonsten könnten sie nicht mehr auf der DFB-Liste stehen. Schiedsrichter Markus Merk hat sich gegen diesen Vorschlag ausgesprochen. "Ich halte grundsätzlich nichts von Verboten. Die Diskussion über einen Ehrenkodex, den Schiedsrichter unterschreiben sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Mir ist noch nie in den Sinn gekommen, auf Bundesligaspiele zu wetten", sagte der unlängst zum weltbesten Schiedsrichter gewählte Kaiserslauterer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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