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Schiedsrichterskandal Eine Schaltzentrale der Unterwelt sieht anders aus

28.01.2005 ·  Ein kroatischer Kneipenbesitzer fühlt sich als unschuldiges Opfer des Wettskandals, denn in seinem Berliner Cafe King soll Robert Hoyzer angeblich erst in den Dunstkreis der kroatischen Mafia geraten sein.

Von Boris Herrmann, Berlin
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Nicht nur das Ansehen des Deutschen Fußball-Bundes und des Schiedsrichterkollegiums hat unter dem Fall Robert Hoyzer zu leiden, auch ein kroatischer Kneipenbesitzer in Berlin-Charlottenburg sieht sich als unschuldiges Opfer des Wettskandals.

In seinem Cafe soll der geständige Wettbetrüger nach Berichten eines Hamburger Boulevardblattes regelmäßig verkehrt haben und in den Dunstkreis einer kroatischen Wett-Mafia geraten sein.

Vorbei mit der Kaffee-Idylle

Das geräumige Cafe King ist das Gegenteil von dem, was man gemeinhin als Spelunke bezeichnen würde. Die modernen Möbel sind frisch poliert und die meisten Tische von Palmen umrankt. Wer am Kurfürstendamm einkaufen geht, hat es hierher nicht weit. Zur Mittagszeit sind deshalb gut die Hälfte der Plätze besetzt. Junge Menschen zwischen zwanzig und dreißig trinken Milchkaffee. Es ist nicht zu überhören, daß im Cafe King viel kroatisch gesprochen wird, aber die Schaltzentrale der Unterwelt stellt man sich anders vor.

Seit einigen Tagen ist es mit der Kaffee-Idylle nicht mehr weit her. Vor der Eingangstür des Lokals bauen sich im Minutentakt neue Kamerateams auf. Ein junges Mädchen müßte eigentlich dringend zur Uni, aber sie will nicht den Fernsehleuten in die Hände fallen, wie sie offen zugibt. Die Szenerie gleicht einem Belagerungszustand. "Das ist extrem geschäftsschädigend", empört sich der Kneipenbesitzer.

„Blanker Rufmord“

Wie sein Lokal mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht werden konnte, könne er sich beim besten Willen nicht erklären. Die Boulevard-Berichterstattung nennt er blanken Rufmord. "Die Anwälte sind bereits eingeschaltet. Wir werden gegen solche Verleumdung gerichtlich vorgehen", sagt er. Dann verschwindet er im Hinterzimmer. Die Stammgäste sind ebenfalls verärgert. Ein in Berlin geborener Sohn eines kroatischen Arbeiters sagt: "Ich komme seit Jahren ins Cafe King, weil hier am Wochenende am meisten los ist und hier immer die schönsten Mädchen sind."

Robert Hoyzer will er im Cafe King noch nie gesehen haben. "Ich kenne sein Gesicht erst seit dem Wochenende aus der Zeitung", behauptet er. Ohnehin will man von der Existenz einer kroatischen Zocker-Mafia nichts wissen. Ein ganzes Volk werde durch die Medienspekulationen unter Generalverdacht gestellt, beschwert sich ein anderer.

Keine Hinweise auf Wettspiel-Mafia

"Manipuliert wird, wo gewettet wird", sagt der Tischnachbar, der ebenfalls kroatischer Abstammung ist. "Da muß man nur nach Italien schauen. Dann sollen sie eben generell Fußballwetten verbieten." Spricht so jemand, der mit Tippspielen sein Geld verdient? "Daß in diesem Lokal die Mafia sitzen soll, ist totaler Schwachsinn", finden alle, die am Tisch sitzen. In der Tat deutet wenig darauf hin, daß das Cafe King eine kroatische Mafia-Spielhölle sein könnte. Neben der Theke steht ein Münzautomat für Pinguin-Volleyball. Höchsteinsatz zwei Euro.

Auch der Berliner Polizei liegen bislang keine Hinweise auf eine kroatische Wettspiel-Mafia vor. "Die Frage muß eindeutig verneint werden. Nach unserem Erkenntnisstand gibt es keine derartige Organisation. Wie das Gerücht aufkam, kann ich mir nicht erklären", sagt die Pressesprecherin des Polizeipräsidenten von Berlin, Claudia Frank. Ob Robert Hoyzer tatsächlich in ein organisiertes Netzwerk illegaler Glücksspiele verwickelt gewesen ist, können demnach nur die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben.

„Kein atypisches Wettverhalten“

Auch die Betreiber des Berliner Wettbüros Albers streiten ab, daß eine kroatische Wett-Mafia die Szene beeinflusse. Geschäftsführer Jörg Barkholz konnte kein atypisches Wettverhalten bei den Spielen feststellen, die von Hoyzer geleitet wurden. "Bei unserem System sind Wetteinsätze von 100.000 Euro auf einen Außenseiter gar nicht möglich. Wir arbeiten nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen, und bei verdächtigen Einsätzen macht die Überwachungsfunktion sofort dicht", versichert Barkholz.

Er könne sich in letzter Zeit nur an ein auffälliges Spiel erinnern - und mit dem hatte Hoyzer gar nichts zu tun. Er meint das 3:2 von Eintracht Braunschweig gegen Hertha BSC in der ersten DFB-Pokalrunde. Das Spiel wurde durch ein Berliner Eigentor entschieden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005, Nr. 23
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