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Schiedsrichterskandal DFB will Frühwarnsystem - Staatsanwalt ermittelt

24.01.2005 ·  Das Pokalspiel zwischen Paderborn und dem HSV wird nicht wiederholt. Bei anderen Partien, die von Schiedsrichter Robert Hoyzer geleitet wurden, prüft der DFB die Möglichkeit der Neuansetzung.

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Nach einer Sondersitzung am Montag abend in Frankfurt am Main teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit, im Fall des Schiedsrichters Robert Hoyzer gebe es Manipulationsverdacht bei insgesamt fünf Spielen. Laut „Hamburger Abendblatt“ verdächtigt der DFB mindestens zwei weitere Unparteiische, durch Fehlentscheidungen Spiele beeinflußt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nahm Vorermittlungen gegen Hoyzer auf.

Man prüfe, ob gegen Hoyzer ein Anfangsverdacht wegen Betruges oder einer anderen Straftat bestehe und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten sei, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Braunschweig, Joachim Geyer. Man habe die Vorermittlungen nach den Medienberichten über den Fall begonnen, eine Strafanzeige gegen den Schiedsrichter liegt demnach nicht vor. Die Braunschweiger Ermittler sind zuständig, weil Hoyzer in Salzgitter wohnt.

Weitere Schiedsrichter im Visier?

Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete in seiner Dienstagausgabe, daß der DFB Ermittlungen gegen zwei weitere Schiedsrichter aufgenommen hat. Dabei handelt es sich nach Informationen der Zeitung um zwei Berliner Unparteiische.

Dem widersprach der DFB am Abend. „Sollten diese Vorwürfe das Gespann betreffen, das das Zweitligaspiel Essen gegen Köln geleitet hat, so müssen wir dieser Darstellung entschieden widersprechen. Wir geben für diese drei Schiedsrichter eine Ehrenerklärung ab“, sagte DFB-Pressechef Harald Stenger. „Es gibt seit heute lediglich einen vagen Hinweis über einen nicht bestätigten Vorwurf gegen einen anderen Schiedsrichter.“

Ermittlung ungewöhnlich hoher Wetteinsätze

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte, man werde im Interesse der Glaubwürdigkeit des deutschen Fußballs alles tun, um den Fall lückenlos aufzuklären. Daher werde man der Staatsanwaltschaft alle Fakten zur Verfügung stellen. Zudem werde der DFB in den kommenden Tagen weitere Wettbüros nach ungewöhnlich hohen Wetteinsätzen abfragen. Laut DFB prüft außerdem der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, inwieweit Hoyzer, der seine Unschuld beteuert hat, von der Sportsgerichtsbarkeit belangt werden kann.

Während das Gremium eine Neuansetzung von Zweitliga- und Regionalligaspielen generell nicht ausschloß, wird das von Hoyzer mutmaßlich manipulierte Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV (4:2) auch im Falle eines Betrugsbeweises definitiv nicht wiederholt. Dies kündigte der Geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger nach der knapp fünfstündigen Sitzung am Montag in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main an.

„Belastung für den gesamten deutschen Fußball“

Nach Erkenntnissen des DFB-Kontrollausschusses besteht auch bei der von Hoyzer geleiteten Zweitligapartie LR Ahlen - Wacker Burghausen (1:0) sowie den Regionalligaspielen SC Paderborn - Chemnitzer FC, Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli und Wuppertaler SV - Werder Bremen/Amateure ein dringender Manipulationsverdacht.

Zudem soll Hoyzer an Unregelmäßigkeiten beim Zweitligaspiel Rot-Weiß Essen - 1. FC Köln beteiligt gewesen sein, obwohl er dort nicht im Einsatz war. „Wenn die Ergebnisse der Anhörung bestätigt werden, liegt ein krimineller Akt vor. Dann ist das Betrug“, sagte Zwanziger.

„Der Vorgang stellt eine Belastung für den gesamten deutschen Fußball dar“, erklärte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, warnte aber vor einer Vorverurteilung Hoyzers: „Es besteht ein Verdacht, aber es gibt noch keinen Nachweis.“ Daher wird der Kontrollausschuß weiter ermitteln, nach Aussage von Chef-Ankläger Horst Hilpert mindestens bis zum Ende der Woche.

Staatsanwaltschaft kündigt Vorermittlungen an

Unabhängig von den DFB-Untersuchungen kündigte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft am Montag Vorermittlungen gegen den in Salzgitter lebenden Hoyzer an. „Nach den Medienberichten prüfen wir, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt“, sagte ein Sprecher der Behörde. Hoyzer wies die erhobenen Anschuldigungen zurück. „Ich habe nie auf die von mir geleiteten Spiele gewettet“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Eine vom DFB-Präsidium eingesetzte Sonderkommission unter Leitung von Rolf Hocke, Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes, soll nun über Maßnahmen nachdenken, durch die mögliche Manipulationen künftig ausgeschlossen werden können. „Wir müssen ein Frühwarnsystem mit Wettanbietern entwickeln“, sagte Werner Hackmann, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL).

„Es geht hier um Existenzen, um Auf- und Abstieg“

Während sich der Hamburger SV mit dem Pokal-Aus abfinden muß, darf Wacker Burghausens Manager Kurt Gaugler auf die Wiederholung der Partie in Ahlen (0:1) hoffen. „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Eklat, ein echter Skandal. Es geht hier um Existenzen, um Auf- und Abstieg“, sagte er der Münchner „Abendzeitung“.

Zwei Tage nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den 25jährigen Hoyzer reagierten Berufskollegen und Funktionäre mit Empörung. „Ich bin schwer betroffen. Es ist zwar noch ein schwebendes Verfahren, aber es wirft einen großen Schatten auf die Schiedsrichtergilde“, sagte Deutschlands bester Referee Markus Merk. Bundestrainer Jürgen Klinsmann warnte vor einer Verurteilung der gesamten Gilde. „Diesen Fehler dürfen wir nicht machen. Wir hoffen, daß es ein absoluter Einzelfall ist“, sagte Klinsmann.

Während der DFB im Zusammenspiel mit dem Schiedsrichterausschuß und den Wettanbietern prüfen will, ob ein grundsätzliches Wettverbot für Profis, Schiedsrichter und Funktionäre ausgesprochen werden soll, kündigte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß dies beim Rekordmeister an: So eine Geschichte müsse dazu führen, „daß wir eine Grundsatzentscheidung fällen werden“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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