31.01.2005 · Der DFB hat kurz vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Bremen und Rostock Schiedsrichter Jürgen Jansen abgesetzt. Einen Tatverdacht gebe es aber nicht. Spieler aus Dresden, Chemnitz und Paderborn sollen in den Wettskandal verwickelt sein.
Im Wettskandal um den geständigen Schiedsrichter Robert Hoyzer ist mit Jürgen Jansen ein weiterer Unparteiischer in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat wenige Stunden vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag zwischen Werder Bremen und Hansa Rostock den Essener Schiedsrichter „rein vorsorglich“ zurückgezogen und durch Lutz Wagner (Hofheim) ersetzt.
Vehement bestritten hat Hertha BSC die angebliche Verstrickung von drei Spielern in die Affäre. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte in der Nacht zum Samstag Haftbefehle gegen drei Beschuldigte erwirkt.
„Zum Schutz des Schiedsrichters“
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sagte am Sonntag abend, man habe „auf indirektem Wege erfahren“, daß bei Hoyzers Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft Berlin „der Name Jansen gefallen sein soll“. Einen Tatverdacht gebe es nicht. „Die Maßnahme wurde getroffen zum Schutz eines Schiedsrichters, der nach meinem derzeitigen Erkenntnisstand nicht in den Zusammenhang mit einem Manipulationsverdacht gebracht werden kann“, erklärte Roth, der bereits im ersten „Ringtausch“ den ursprünglich vorgesehenen Referee Stefan Trautmann durch Jansen ersetzt hatte. Sobald die Angelegenheit geklärt sei, werde Jansen wieder zum Einsatz kommen.
Nach Recherchen der „Süddeutsche Zeitung“ sind neben drei Schiedsrichtern acht Spieler aus den Clubs Chemnitzer FC und Dynamo Dresden sowie dem SC Paderborn in den Wettskandal verwickelt. Paderborns Präsident Wilfried Finke bestätigte, daß ein Spieler Geld erhalten habe, das nach dem Pokalsieg gegen den Hamburger SV im Mannschaftskreis verteilt worden sei.
Hoyzer hat dem SZ-Bericht zu Folge in einer Vernehmung eingeräumt, von Bekannten aus dem Umfeld einer kroatischen Wett-Mafia in Berlin knapp 70.000 Euro erhalten zu haben. Er habe vier Spiele manipuliert und dafür Beträge zwischen 5.000 und 15.000 Euro erhalten. Zudem habe er dem Schiedsrichter-Kollegen Felix Zwayer, der vor eineinhalb Wochen als einer von vier Zeugen den Fall ins Rollen gebracht hatte,
einige hundert Euro zugesteckt.
U-Haft wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betruges“
Bei den maniupulierten Begegnungen soll es sich neben dem DFB-Pokalspiel SC Paderborn - Hamburger SV um die Regionalligaspiele Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli (5. Juni 2004), FC St. Pauli - VfL Osnabrück (14. August 2004) und das Zweitligaspiel LR Ahlen - Wacker Burghausen (22. Oktober 2004) handeln.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte am späten Samstag abend Haftbefehle gegen drei Beschuldigte des Wettskandals erwirkt. Ein Bereitschaftsgericht am Amtsgericht Tiergarten ordnete die Untersuchungshaft wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betruges“ an. Diese Delikte können mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren geahndet werden. Die drei Männer waren am Freitag bei Durchsuchungen vorläufig festgenommen worden.
Schnelle Entscheidung über Spielwiederholung
128 Einsatzkräfte der Berliner Polizei und des Landeskriminalamtes Berlin waren zeitgleich an vier Orten in der Hauptstadt im Einsatz. Die drei Beschuldigten haben sich laut Staatsanwaltschaft zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen bislang nicht geäußert. Es gebe keinen neuen Sachstand, teilte die Behörde am Sonntag mit. Bei der Razzia im „Café King“ sollen nach einem Bericht der Zeitung „Tagesspiegel“ zwei Wettscheine über Auszahlungen von Gewinnen von einer Million und 1,7 Millionen Euro sichergestellt worden sein. Außerdem wurden drei hochwertige Autos und ein Bestellschein für einen Ferrari beschlagnahmt.
Schily fordert konsequentes Durchgreifen
Der deutsche Fußball drängt auf eine rasche Aufklärung des Wettskandals und erwartet schnelle Einsicht in die Ermittlungsakten der Berliner Staatsanwaltschaft. Er wolle am Montag einen entsprechenden Antrag bei der Behörde stellen, sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. Der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL), Werner Hackmann, erwartet, daß die Sportgerichtsbarkeit innerhalb der nächsten 14 Tage über Wiederholungsspiele als Konsequenz aus dem Wettskandal entscheidet.
Ein konsequentes Durchgreifen fordert auch Bundesinnenminister Otto Schily. „Es müssen die härtesten Sanktionen gegen die Täter ergriffen werden. Schiedsrichter und andere, die sich an den Manipulationen beteiligten, haben im Profi-Fußball nichts mehr zu suchen“, sagte Schily der „Welt am Sonntag“. Zugleich müsse der DFB präventiv tätig werden. „Wir müssen aber auch nach Instrumenten suchen, die eine Früherkennung solcher Manipulationen ermöglichen.“
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |