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Schiedsrichterskandal DFB erstattet Strafanzeige im Fall Hoyzer

27.01.2005 ·  Ermittlungsmaßnahmen, die nur staatlichen Organen, nicht aber dem DFB erlaubt sind, zu veranlassen, ist das Ziel der Strafanzeige im Fall Hoyzer. Unterdessen ist ein weiterer Schiedsrichter aus Berlin in Verdacht geraten.

Von Hans-Joachim Leyenberg und Michael Horeni
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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin im Fall des unter Manipulationsverdachts stehenden Referees Robert Hoyzer Strafanzeige erstattet.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Berlin verwiesen. Ziel des DFB sei es, zusätzlich zu den andauernden Untersuchungen des DFB-Kontrollausschusses staatsanwaltschaftliche Ermittlungsmaßnahmen zu veranlassen, die nur staatlichen Organen, nicht aber dem DFB erlaubt sind, hieß es dazu.

„Der DFB erhofft sich insbesondere die Klärung der Frage, welche Personen hohe Wetteinsätze auf die von Robert Hoyzer geleiteten Spiele gesetzt haben, und ob eine Verbindung von ihnen zu Robert Hoyzer besteht“, hieß es.

Ansonsten will der DFB erst wieder eine Stellungnahme abgeben, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Dies ist die Linie des DFB-Hausjustitiars Götz Eilers, wie am Mittwoch vom DFB betont wurde. Ab sofort sei Horst Hilpert, der Vorsitzende des DFB-Kontrollaussschusses, „Herr des Verfahrens“. Dieser werde, so Harald Stenger, der Pressesprecher des DFB, seine Arbeit „in Hans-Kindermann-Manier erledigen“. Der Stuttgarter Staatsanwalt war federführend bei der Aufarbeitung des Bundesligaskandals im Jahre 1971. Man ist, wohl auch auf Grund der Erklärungen der Anwälte Hoyzers, dazu übergegangen, den Schiedsrichter zu beurteilen, ohne ihn vorzuverurteilen.

„Leistungseinbruch“

Hellmut Krug, hauptamtlicher DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter, hat sich am Mittwoch ausführlich zum „Leistungsprofil“ des vermeintlich schwarzen Schafes in seiner Herde geäußert. Der 48 Jahre alte ehemalige Unparteiische will in dieser Saison zusammen mit Schiedsrichterbeobachtern einen „Leistungseinbruch“ bei Hoyzer festgestellt haben. Der Berliner rangierte nach der Vorrunde der aktuellen Spielzeit in der Beurteilung „ganz unten“ - im krassen Gegensatz zum Vorjahr, als Hoyzer zum „ersten Drittel“ gehörte.

Zu jenem Zeitpunkt war Krug noch voll des Lobes über den jungen Mann und war sich sicher, „daß er über kurz oder lang den Weg in die Bundesliga machen würde“. Krug hatte ihn selbst dreimal beobachtet und fand Hoyzers „immer wieder überzeugende Leistung beeindruckend. Für sein Alter war er sehr weit fortgeschritten in seiner Leistung.“

„Lernwillig und lernfähig“

Die unvermittelt schlechteren Beurteilungen in dieser Saison, in der Hoyzer vier Zweitligaspiele leitete, wollte Krug nicht überbewerten. Gerade bei jungen Schiedsrichtern komme das immer wieder vor. Deshalb habe er das Gespräch mit Hoyzer gesucht, versucht, ihn „zu beruhigen, zu lockern, auf den alten Weg zu bringen“. Hoyzer zeigte sich verunsichert, als sich die Kritiken an seiner Spielleitung mehrten. Über die den Skandal auslösende Pokalpartie des HSV in Paderborn hat Krug mit Hoyzer gesprochen, ohne auf den Bericht eines offiziellen Beobachters zurückgreifen zu können. Erst von der zweiten Runde an schickt der Verband Späher aus.

Über Hoyzer, den er als „fast schüchtern, lernwillig und lernfähig“ charakterisierte, sagte Krug abschließend, daß der Student sich „nach Spielleitungen nicht wohl gefühlt“ habe. Die Partie zwischen Braunschweig und St. Pauli, die Anlaß zu Klagen der Hanseaten gegeben habe, sei nicht in Hoyzers Leistungsprofil eingeflossen, weil für Zweitligaschiedsrichter in der Regionalliga keine offiziellen Beobachter vorgesehen sind. „Du wirst nicht davor gefeit sein“, hat Krug dem „relativ teilnahmslos wirkenden“ Hoyzer bei der Halbzeittagung vor eineinhalb Wochen gesagt, „einen Einbruch zu erleiden.“

Vorsatz muß bewiesen werden

Die sportlichen Beurteilungen gehörten am Mittwoch zu den konkreten Hinweisen im Fall Hoyzer. Denn an der Beweisführung im Schiedsrichterskandal gebricht es weiter. Hoyzer muß nachgewiesen werden, daß bei einer falschen Tatsachen-Entscheidung ein Vorsatz vorliegt, betonte die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die den Fall nach Berlin abgeben will, weil dort ein „Haupttatort“ liegen soll. Tatsächlich ist ein weiterer Schiedsrichter aus der Hauptstadt durch Vorwürfe belastet worden. Der Bielefelder Manager Thomas von Heesen beklagte im „Hamburger Abendblatt“ auffällige Fehlentscheidungen beim Regionalligaspiel zwischen den Amateuren der Arminia und von Hertha BSC Berlin (1:2) am 11. August 2004 in Berlin.

Die Partie stand unter der Leitung des 29 Jahre alten Berliner Studenten Dominik Marks, der dem Verband von Sachsen-Anhalt angeschlossen ist. „Dieses Spiel war ein Skandal, da ist einiges kurios gelaufen. Bielefeld schoß beim Stand von 0:0 ein klares Tor, aber es fand keine Anerkennung. Wir schossen den Ball an die Unterkante der Torlatte, er prallte - für jeden sichtbar - an die hintere Torstange und von dort wieder raus. Der Ball war meterweit im Tor. Unsere Spieler liefen zur Mitte und jubelten, die Gegner ließen die Köpfe hängen - aber der Schiedsrichter ließ einfach weiterspielen“, sagte von Heesen. Der Manager hatte schon während und kurz nach dem Spiel gegen die Entscheidungen des Unparteiischen protestiert und sich beim DFB beschwert.

Kein Rücktritt

Hoyzers Anwalt Holthoff-Pförtner hat unterdessen dessen Rücktrittserklärung als Schiedsrichter angefochten. „Unser Mandant war am 21. Januar 2005 unter einem Vorwand nach Frankfurt gebeten, dort dann mit Vorwürfen konfrontiert und zur ,Vermeidung weiterer Nachteile' mit Nachdruck veranlaßt worden, eine Erklärung zu unterschreiben, von der er nicht einmal eine Kopie erhalten hat“, heißt es in dem Schreiben an den DFB. Hoyzer, so sein juristischer Vertreter, sei bisher nicht aus seinem Klub Hertha BSC Berlin ausgetreten und habe dies auch nicht vor. Damit unterläge Hoyzer weiter der Sportgerichtsbarkeit des Verbandes. Der Anwalt erhob schwere Vorwürfe gegen den Verband. „Was der DFB mit meinem Mandanten bei der Vernehmung gemacht hat, war keine Untersuchung, sondern eine Hinrichtung.“

Das Magazin „Stern“ stellte unterdessen eine mögliche Verbindung des Schiedsrichters zur kroatischen Wettmafia in Berlin her. Der DFB bestätigte, daß ihm ähnliche Erkenntnisse vorlägen. Dazu paßt das Detail, wonach der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amarell wegen der Verdachtsmomente schon vor der Vernehmung Hoyzers nach Berlin reiste, um eigene Erkenntnisse zu gewinnen. Das Mitglied des Schiedsrichterausschusses suchte dabei ein bekanntes Berliner Wettcafe auf. Er soll dort Hoyzer mit dessen Freundin angetroffen haben.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.1.05
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