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Erst Neuer, nun Goretzka : Tönnies wird aus Erfahrung nicht klug

Manchmal ist Schweigen klüger: Clemens Tönnies redet lieber Bild: dpa

Schalkes Aufsichtsratschef Tönnies ist lange im Fußballgeschäft unterwegs. Er sollte keine absurden Theorien aufstellen, die ihn als „Scharfmacher“ erscheinen lassen.

          Es ist ja noch einmal alles gutgegangen am Sonntag beim FC Schalke. Zumindest, was die Atmosphäre betraf – sportlich war der Ausgleich von Hannover 96 sicher ein Dämpfer. Aber vieles von dem, was der Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am Sonntag in einer Talkshow des Bezahlsenders „Sky“ rund um den im Sommer bevorstehenden Wechsel des Nationalspielers Leon Goretzka zum FC Bayern erzählte, hätte leicht für eine extrem aggressive Stimmung auf den Rängen sorgen können. Es blieb bei Pfiffen – und Tönnies ist erspart geblieben, dass man ihn sehr leicht als „Scharfmacher“ hätte identifizieren können.

          Dass er im ersten Moment der Bekanntgabe gedacht habe, dann solle Goretzka nun auch nicht mehr das Trikot des FC Schalke tragen, mag mancher dabei sogar verstehen – aber hätte Tönnies das nicht besser für sich behalten sollen? Vor allem aus der Erfahrung des Neuer-Transfers zum FC Bayern hätte er zwingend besonnener handeln müssen. Damals war es nicht bei Pfiffen geblieben. Schalker Fans hatten sich zu diversen völlig geschmacklosen Aktionen hinreißen lassen. Und obwohl leicht zu recherchieren gewesen wäre, dass solche Auswüchse geplant waren, hatte die Schalker Vereinsführung damals im Vorfeld nichts dagegen unternommen – der die Ablösesumme von etwas mehr als 20 Millionen Euro, die sich mit einigen Nebenvereinbarungen auf rund 30 Millionen Euro in den Jahren danach erhöhte, aufgrund der Finanzlage aber durchaus gelegen gekommen war.

          Am Sonntag hatte Tönnies dem Nationalspieler aber auch noch quasi gedroht, dass auch ein Tribünenplatz denkbar wäre, sollte dessen Leistung nicht zufriedenstellend sein oder sich der ganze Fall negativ auf die Mannschaft auswirken. Schalker Fans mögen da zugestimmt haben, aber Tönnies ist lange im Fußballgeschäft unterwegs. Also weiß er nur zu genau, dass beide Szenarien völlig absurde Theorie darstellen.

          Dass der Nationalspieler seiner Arbeit nun nachlässig nachgehen sollte, ist schon allein angesichts des Konkurrenzkampfs in der Nationalmannschaft komplett undenkbar. Und in der Schalker Mannschaft ist Goretzka ein hochangesehenes Mitglied – negative Folgen sind höchstens zu erwarten, wenn das Schalker Oberhaupt weiter so agiert. Schalke 04 kann seine Ziele – und die können angesichts der Tabellensituation längst nur die Qualifikation zur Champions League und das Pokalfinale sein – leichter erreichen als mit einem Goretzka auf der Tribüne. Vehementer hätte Tönnies höchstens den Bayern-Kommentaren widersprechen können, dass dieser Wechsel gut für die Bundesliga sei, weil Goretzka nicht ins Ausland wechsele. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher: Die reichen Bayern bekommen einen Bundesligastar ablösefrei, der „Konkurrent“ kann sich nicht nach einem adäquaten Ersatz umsehen. Was ist daran gut für den Wettbewerb in der Bundesliga?

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