Am 29. März war der Präsident der Republik gar nicht amüsiert. Nicolas Sarkozy besuchte mit seinem Sohn Louis das Endspiel des Ligapokals, als im Fanblock des FC Paris St-Germain ein 25 Meter langes Banner entrollt wurde. Darauf wurden die Besucher aus Lens, dem strukturschwachen Norden, als „Pädophile, Arbeitslose und Inzest-Gezeugte“ geschmäht.
Sarkozy ordnete die sofortige Entfernung des infamen Transparents an. Die „Boulogne Boys“, die rechtsradikale Fan-Gruppe, die es entfaltet hatte, ist inzwischen vom Innenministerium verboten worden. Auch den Klub traf die harte Hand der Obrigkeit, er wurde zunächst vom Ligapokal für diese Saison ausgeschlossen. Er hat sich dagegen aber vor Gericht erfolgreich gewehrt.
Es paaren sich unschöne Dinge
Paris St-Germain, kurz PSG, ist die Wundertüte des französischen Fußballs. Nur ist es schon über zehn Jahre her, seit dem letzten Meistertitel 1994 und dem Europapokal der Pokalsieger 1996, dass etwas Erfreuliches aus der Tüte kommt. Seitdem paaren sich bei Führung und Fans von PSG unschöne Dinge wie Größenwahn, Geldvernichtung, Gewaltbereitschaft. Der Tiefpunkt wurde vor zwei Jahren erreicht, als der TV-Sender Canal plus, der 15 Jahre lang Unsummen für überteuerte Stars wie Anelka oder Ronaldinho in den Klub gepumpt hatte mit dem vergeblichen Ziel, eine europäische Top-Adresse zu werden, aufgab und den Verein an den Investment-Fonds Colony Capital verkaufte.
Und als, ebenfalls 2006, nach der Uefa-Cup-Heimniederlage gegen Hapoel Tel Aviv eine Hooligan-Horde einen israelischen Fan verfolgte und bedrohte - und ein Polizist, der ihm zu Hilfe kam, einen der Aggressoren in Notwehr erschoss. Dieser gehörte ebenso den „Boulogne Boys“ an wie jener Neonazi, der am Nationalfeiertag 2002 vergeblich versuchte, bei der Parade auf den Champs-Elysées Staatspräsident Chirac zu erschießen.
Kein Bauunternehmer oder Heizölhändler - ein Modeschöpfer
PSG, ein Klub der extremen Kontraste. Er zählt zu seinen organisierten Anhängern nicht nur weiße Rassisten, auch rivalisierende Gruppen aus der Immi-grantenszene. Er trägt seine Spiele im Prinzenpark aus, mitten in einem der propersten bürgerlichen Viertel von Paris. Und er pflegt schon seit seiner Gründung in den siebziger Jahren ein besonderes Flair. Schon damals war der Präsident nicht, wie in Deutschland noch üblich, ein Bauunternehmer oder Heizölhändler, sondern ein Modeschöpfer: Daniel Hechter, der auch das blau-rote Heimtrikot entwarf.
All das ist PSG, der Fußball-Repräsentant der berühmtesten Stadt der Welt, und dennoch hätte der FC Schalke 04 an diesem Donnerstag (18.15 Uhr im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker) beinahe gegen einen Zweitligaklub antreten müssen. Erst am letzten Spieltag der letzten Saison, nach Fan-Protesten, Profis unter Polizeischutz, angezündeten Sitzschalen, demolierten Spieler-Porsches und der Entmachtung des Präsidenten, wendete PSG den Abstieg ab. Der Sieg im Ligapokal aber sicherte den Platz im Uefa-Pokal.
Der Trainer gilt als angezählt
Auch sportlich bleibt PSG ein ewiges Rätsel. Im Sommer wurden Altstars wie Makelele und Giuly verpflichtet, beinahe auch Rekordnationalspieler Lilian Thuram, der dann doch lieber zurücktrat. Der einzige Treffer aber ist bisher der Zweitliga-Torschützenkönig Guillaume Hoarau. Platz neun in der Tabelle demonstriert, dass vorerst allenfalls das Mittelmaß in Reichweite ist. Damit aber ist in Paris niemand zufrieden.
Trainer Paul Le Guen, einst dreimaliger Meister mit Lyon, dann bei Glasgow Rangers gescheitert, gilt als angezählt. „L'Equipe“ berichtete, dass Didier Deschamps, der Weltmeisterkapitän von 1998, bereitstehe - der auch schon als Nationaltrainer lanciert werden sollte, doch der Verband hielt an Raymond Domenech fest. Auch der im April zurückgetretene Präsident Alain Cayzac schießt nun gegen Le Guen: Der sei zwar ein guter Trainer, doch mangele es ihm an Managementfähigkeiten, schreibt er in einem neuen Buch. Le Guen konterte gelassen: „Ich wünsche ihm viel Erfolg in den Buchhandlungen.“
Plazierungen in der Bestsellerliste
Einem anderen PSG-Autor, dem Flügelmann Jérôme Rothen, tat sogar Zinédine Zidane den Gefallen, die Auflage zu steigern. In seiner neuen Autobiographie behauptet Rothen, dass Zidane ihn 2004 im Champions-League-Viertelfinale zwischen Monaco und Real Madrid gefoult und dann als „fils de pute“, als „Hurensohn“ beschimpft habe - beinahe die Beleidigung wie die durch den Italiener Marco Materazzi, die Zidane im WM-Finale 2006 zu seinem berühmt-infamen Kopfstoß provozierte. Laut „L'Equipe“ hat Zidane versucht, die Veröffentlichung zu verhindern. Für die Plazierungen von PSG-Titeln in der Bestsellerliste mag so etwas helfen.
Doch dort, wo es zählt, hat all der Krawall der letzten Jahre nichts gebracht: in der Tabelle.