http://www.faz.net/-gtl-75ma3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.01.2013, 16:36 Uhr

Schalke 04 Königsblau wankt schon wieder

Ein Testspieldesaster mit Folgen: Nach der 0:5-Niederlage gegen Bayern München im Trainingslager in Doha steht Trainer Jens Keller unter Druck.Zu allem Überfluss melden sich noch eine Reihe Spieler krank.

von Richard Leipold
© dpa Krisengespräche: Trainer Jens Keller (r.) mit Kapitän Benedikt Höwedes

Ob im Sommer oder im Winter: Testspielergebnisse während der Vorbereitung sind oft nur Schall und Rauch. Wenn sich eine namhafte Mannschaft blamiert, ist das in der Regel rasch vergessen. Es handelt sich ja nur um einen Probelauf, abseits des wahren Wettkampfs, zumal wenn ein Klub wie der FC Schalke 04 noch in der Findungsphase steckt; wenn die Mannschaft sich erst an einen neuen Trainer gewöhnen muss, in diesem Fall an Jens Keller.

Ein solcher Klub scheint aber nicht gut beraten, gegen den Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern seine noch nicht vorhandene Form zu überprüfen. Dieses Unterfangen ist den Gelsenkirchenern gründlich misslungen. In Qatar unterlagen sie dem deutschen Rekordmeister am Dienstagabend 0:5, mit einem Ergebnis also, das die vermeintliche Aufbruchstimmung nach dem Trainerwechsel - Huub Stevens wurde nach der Hinrunde entlassen - empfindlich konterkariert.

Testspiel FC Schalke 04 - FC Bayern München in Doha © dpa Vergrößern In die Krise gestürzt: Bayern München und Thomas Müller (l.) machen Schalke und Roman Neustädter das Leben mit einem 5:0-Testspielsieg schwer

Bayern führte schon zur Pause mit vier Toren Unterschied und hatte auch nach zahlreichen Auswechslungen keine Mühe, den harmlosen Gegner auf Distanz zu halten. „Die Einstellung hat mir nicht gefallen“, sagt Keller. Er könne es nicht akzeptieren, „dass die Mannschaft sich so ergibt“. Solch ein Ergebnis wirkt in alle Ebenen des Klubs hinein. Fans, Medien und auch die Mannschaft bleiben nicht unbeeindruckt davon.

Angeschlagener Trainer

Mannschafts-Kapitän Benedikt Höwedes zeigte sich entsetzt: „So darf man sich in einem Testspiel nicht präsentieren. Gegen Bayern darf man sich keine 0:5-Klatsche leisten.“ Der Trainer, in den Manager Horst Heldt große Hoffnung setzt, wirkt gut eine Woche vor dem Rückrundenstart gegen Hannover 96 angeschlagen. Es scheint ihm schwer zu fallen, die Königsblauen zu wecken. Schon Kellers Pflichtspielpremiere, im DFB-Pokal daheim gegen Mainz 05, war missraten.

FC Schalke 04 - Wintertrainingslager in Doha © dpa Vergrößern Gute Stimmung sieht anders aus: Schalke hat Redebedarf

Während der Winterpause wollte Schalke sich neu sortieren - und orientieren. Doch das Durcheinander scheint größer denn je. Keller hatte versucht, die Defensive zu stärken, die sich zuletzt als anfällig erwiesen hatte, auch bei der Heimniederlage gegen Mainz. Gegen Bayern versuchte Schalke es mit einem sogenannten Gegenpressing, jener Spielart, die der Erzrivale Borussia Dortmund seit mehr als zwei Jahren mit großem Erfolg vorführt, nicht zuletzt gegen Bayern. Höwedes indes sieht Schalke in dieser Hinsicht noch ganz am Anfang.: „Wir haben etwas probiert, was gegen die Bayern nicht spielbar ist“, sagte er.

Heldt blickt auf den Transfermarkt

Verletzungen und Sperren erschweren den Start in die zweite Serie zusätzlich. Ibrahim Afellay und Christoph Moritz fallen länger aus, Verteidiger Kyriakos Papadopoulos (Knie-Operation) fehlt noch etwa einen Monat. Dazu sind Antreiber Jermaine Jones und Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zum Auftakt der Rückrunde gegen Hannover gesperrt. Trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten schaut sich Heldt nun auf dem Transfermarkt um.

Mehr zum Thema

„Wir werden versuchen, zu agieren“, sagt er. Schalke, aktuell Siebter der Bundesligatabelle, strebt weiterhin die unmittelbare Qualifikation für die Champions League an. „Es ist sicher realisierbar“, behauptet Keller. Der Trainer und der Manager brauchen einen solchen Erfolg dringend.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mainz 05 Widerstandsfähigkeit für Europa

In der kommenden Saison bestreitet Mainz 05 erstmals Gruppenspiele in der Europa League. Die Testspielniederlage gegen Vorjahressieger FC Sevilla ist Auftakt der Vorbereitung auf unbekannte Herausforderungen. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

29.07.2016, 15:56 Uhr | Sport
Merkel Täter verhöhnen Land, Helfer und andere Flüchtlinge

Angela Merkel hat ihren Urlaub unterbrochen, um sich zu den Anschlägen in Bayern zu äußern. Sie sei nach wie vor davon überzeugt, dass Deutschland es schaffe, den Flüchtlingszustrom zu bewältigen, so die Bundeskanzlerin in Berlin. Mehr

28.07.2016, 16:30 Uhr | Politik
Herthas Europa-League-Gegner Die Reizfigur Zorniger

Alexander Zorniger scheiterte in Leipzig und Stuttgart auch am eigenen Charakter. Nun kehrt er als Trainer von Bröndby IF nach Deutschland zurück – und will in der Europa-League-Qualifikation bei Hertha BSC Berlin sein Image aufbessern. Mehr Von Michael Horeni, Berlin

28.07.2016, 16:55 Uhr | Sport
Nach Anschlägen in Bayern Seehofer kündigt massive Sicherheitsanstrengungen an

Nach den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen von Würzburg und Ansbach hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massive Anstrengungen im Bereich der inneren Sicherheit angekündigt. Der islamistische Terrorismus ist in Deutschland angekommen, und die Bevölkerung erwartet mit Recht, dass wir dieser Herausforderung mutig die Stirn bieten, sagte Seehofer in Gmund am Tegernsee vor Journalisten. Mehr

27.07.2016, 09:02 Uhr | Politik
VfL Wolfsburg Der Kampf gegen den Zerfall

Wieder einmal steckt der Fußball-Bundesligaklub VfL Wolfsburg im Umbruch und sucht nach einer Identität: Naldo und Schürrle hat der Klub schon verloren, auch Draxler wird heftig umworben. Das Zerbröseln des Kaders hat einige Gründe. Mehr Von Christian Otto, Wolfsburg

27.07.2016, 04:44 Uhr | Sport

Die Bundesliga wird sich selbst zu teuer

Von Michael Horeni

38 Millionen für Hummels, 55 für Hulk, 90 Millionen für Higuaín – wo führen solch astronomische Ablösesummen noch hin? Während große Vereine den Transfermarkt dominieren, haben kleine das Nachsehen. Mehr 12 4