06.12.2005 · Mladen Krstajic läßt sich beim Ausüben seines Berufes von nichts und niemandem einschüchtern. Solche unbeeindruckten Typen braucht Schalke 04, um im entscheidenden Champions League-Spiel beim AC Mailand bestehen zu können.
Von Richard Leipold, GelsenkirchenWenn so viel auf dem Spiel steht wie für Schalke 04 bei der Partie in Mailand, sind unerschrockene Männer besonders gefragt und gefordert: Profis wie Mladen Krstajic. Der Abwehrrecke verkörpert den Typus eines Fußballspielers, der sich beim Ausüben seines Berufes von nichts und niemandem einschüchtern läßt - weder vom Gegner noch von den Fans, noch vom eigenen Trainer.
Auch an diesem Dienstagabend (20.45 Uhr/Live in Sat.1 und Premiere sowie im FAZ.NET-Liveticker) im Giuseppe-Meazza-Stadion wird er nicht zu denen gehören, die sich von der Atmosphäre verunsichern lassen - oder von der komplizierten Arithmetik der Champions League. Im letzten Spiel in der Gruppe E bietet sich den Westfalen doch noch die Chance, das Achtelfinale zu erreichen.
Kein Platz für Kinderkram
In Eindhoven waren sie schwach gestartet, doch die vier folgenden Auftritte in der europäischen Königsklasse haben ganz Schalke wieder Zuversicht eingeflößt. „Wir wollten allen zeigen, daß wir kein Kindergarten sind, sondern ein Klub, der mit den Topvereinen Europas mithalten kann“, sagt Krstajic.
Für Kinderkram ist in seiner Arbeitswelt kein Platz. Wer ihm zuschaut, der erkennt rasch, daß Krstajic den Rasen als Ort ansieht, an dem für Sentimentalitäten kein Raum ist. Er wirkt unbeeindruckt von dem, was um ihn herum geschieht. Das macht ihn stark und verleiht ihm selbst dann noch den Anschein von Souveränität, wenn er Fehler begeht. Krstajic besitzt die Mentalität eines Söldners. Dieser Begriff mag negativ besetzt sein, weil ihm der Geruch von mangelnder Identifikation mit Idealen und Traditionen anhaftet. Doch im Berufsfußball ist es nun einmal schwer, mit Gefühlsduselei nachhaltigen Erfolg zu erzielen.
„Dahin gehen, wo es das meiste Geld gibt“
Krstajic redet nicht viel und schon gar nicht lange drum herum. Er verzichtet darauf, sich mit verbalen Schmeicheleien beim Publikum anzubiedern. „Ich muß dahin gehen, wo es das meiste Geld gibt“, sagt er. Für Fußballromantiker mag dieser Satz ernüchternd klingen, zumal andere Spitzenkräfte ihren Wechsel nach Gelsenkirchen öffentlich mit der attraktiven sportlichen Perspektive zu begründen pflegen.
Vor anderthalb Jahren lockte ihn das Geld vom beschaulich-hübschen Bremen ins mitunter graue Gelsenkirchen. Anders als sein damaliger Begleiter Ailton (der es nur ein Jahr in Schalke aushielt) verlor Krstajic nie ein Wort über den vermeintlichen Verlust an Lebensqualität. Der 31 Jahre alte Serbe steht auch für die guten Seiten eines Söldners.
Keineswegs als Geschäftsführer einer Ich-AG
Dem Primat des Profits steht ein hohes Maß an Professionalität gegenüber. Menschen, die ihn gut kennen, berichten, Krstajic stelle sich bedingungslos in den Dienst eines neuen Arbeitgebers, sobald er das erste Mal auf dem Klubgelände vorfahre, egal, was ihn mit dem vorherigen Verein verbunden habe.
Wenn der Ball rollt, kommt der Serbe keineswegs als Geschäftsführer einer Ich-AG daher. Krstajic hat sich aus der Innenverteidigung klaglos auf die linke Außenbahn umsetzen lassen, weil das - inzwischen bewährte - taktische Konzept es erforderte. Auch das gehört zu der Mentalität des gutbezahlten Dienstleisters in Stollenschuhen. „Für mich ist das selbstverständlich. Ich bin nicht jemand, der sagt, er kann eine bestimmte Position nicht spielen, wenn der Trainer sie ihm zuordnet. Das ist eine Tugend, die ich in meiner Familie gelernt habe: nicht an sich denken, sondern anderen helfen, wenn es notwendig ist.“
Wie Götter - aber nicht auf dem Olymp
Wenn einer wie er von der Familie spricht, ist das nicht nur Folklore. Während des Balkan-Krieges floh Krstajic aus seiner Heimat Bosnien zu seiner Schwester nach Nord-Serbien. Für das Land des damaligen Kriegsgegners Serbien und Montenegro kickt Krstajic mittlerweile in der Nationalmannschaft. Das Land hat sich gegen Bosnien als Gruppensieger für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland qualifiziert.
Und Krstajic weiß ausnahmsweise in Bildern zu sprechen. „Belgrad hat die ganze Nacht gefeiert. Wir haben uns ein bißchen wie Götter gefühlt“, sagt er - ohne sich deshalb im Olymp zu wähnen. Im Schatten der Hochglanzstars wie Kuranyi oder vormals Ailton zu stehen macht ihm nichts aus. Von seinem Charakter her könnte Krstajic beim AC Mailand ebenso spielen wie bei jedem anderen Klub irgendwo im Ausland.
„So, wie er spielt, ist er auch als Mensch“
Der größte Vorteil des siebzehnmaligen italienischen Meisters liegt an diesem Dienstag gegen Schalke vermutlich darin, daß Milan mehr Profis in seinen Reihen hat, die mental so robust sind wie Krstajic. „So, wie er spielt, ist er auch als Mensch“, sagt Schalkes Teammanager Müller.
Krstajic reduziert Worte und Taten auf das Wesentliche. Dennoch gehört er zu den Wortführern im Team. Vieles drückt er durch seine Körpersprache aus, die ungeheuer selbstbewußt wirkt, und manchmal spricht er auch so. „Überall, wo ich vorher war, lief es nicht besonders, und nachher ist immer alles gutgegangen“, sagt der stille Wortführer. Auch das macht Schalke Mut.
Der gute Söldner
paul schweers (mauritz2)
- 06.12.2005, 21:45 Uhr
Ein toller Typ - der gute Soeldner
Peter Quittenbaum (pquittenbaum)
- 07.12.2005, 09:31 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |