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Nationalmannschaft : Khedira, der Unnachgiebige

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Chef im Nationalteam: Sami Khedira ist am Sonntag Kapitän Bild: AFP

Anführer und Siegertyp: Sami Khedira findet in Italien „den perfekten Weg“. Davon profitiert auch die Nationalmannschaft, die er im WM-Qualifikationsspiel Aserbaidschan in neuer Rolle aufs Feld führt.

          Gigi Buffon hat am Freitag sein tausendstes Pflichtspiel gemacht. Die italienische Torwartlegende hat einiges, vielleicht sogar alles gesehen und erlebt im Fußball. Insofern war es ein ziemlich schönes Kompliment, das Buffon kürzlich seinem Turiner Teamkollegen Sami Khedira machte. „Als man damals unter Kumpels kickte und vor dem Beginn die Wahl gewann“, sagte Buffon dem „Kicker“, „hätte ich Sami immer als ersten Spieler für mein Team gewählt.“

          Buffons Satz bringt auf ebenso charmante wie archaische Weise auf den Punkt, was den 29 Jahre alten Mittelfeldspieler für seine Teams so wertvoll macht. Es ist nicht nur seine Präsenz und Präzision im Herzen des Spiels an sich. Auf dem Bolzplatz wie in den großen Stadien geht es um eines: ums Gewinnen. Und genau das ist der Kern von Buffons Lob. Es ist die Erwartung, dass man mit Khedira im Team als Sieger vom Platz geht.

          Spezielles Verhältnis zum Bundestrainer

          Samstagnachmittag in Baku, Pressekonferenz im Tofik-Bachramow-Stadion vor dem WM-Qualifikationsspiel an diesem Sonntag (18 Uhr/RTL und F.A.Z.-Liveticker) gegen Aserbaidschan. Joachim Löw wird gefragt, wer die deutsche Mannschaft in Abwesenheit von Manuel Neuer als Kapitän aufs Feld führen wird. Manchmal macht Löw aus diesen Dingen ja ein kleines Geheimnis. Diesmal nicht: „Sami Khedira“, sagt er. Nachfrage: Was zeichnet ihn für diese Rolle aus, in seinem 70. Länderspiel? Und Löw hebt zu einem Lob Khediras an, das fast schon eine Laudatio ist: „Leadertyp, Vorbild an Einstellung, guter Kommunikator, Siegermentalität, Professionalismus“, sagt er stakkatohaft, „das ist Sami Khedira.“

          Löw und Khedira, das ist ein spezielles Verhältnis, seit der Bundestrainer dem jungen Stuttgarter bei der WM 2010 die Rolle des verletzt ausgefallenen Michael Ballack anvertraute – und der sie entschlossen nutzte. Khedira ist bis heute Löws Musterprofi. Das war die Erklärung (und Bedingung) dafür, dass er ihm, eigentlich gegen seine Prinzipien, auch nach dessen Kreuzbandriss im November 2013 die Tür zur WM 2014 bis zum allerletzten Moment offenhielt. Weil er auf Khediras Autorität auf und neben dem Platz nicht verzichten wollte.

          Bei Juventus machen sie gerade im zweiten Jahr die Erfahrung, wie wertvoll Khedira für das große Ganze ist. Er verfügt nicht über den Glanz oder spektakuläre Tricks wie etwa seine Mitspieler Paolo Dybala oder Gonzalo Higuaín. Aber er garantiert auf unauffällige Weise das Gleichgewicht einer Mannschaft – Juve steht souverän an der Spitze der Serie A und gilt manchem in der Champions League als Geheimtipp (wenngleich der nächste Gegner Barcelona heißt). In Turin sagen sie anerkennend, man bemerke den Deutschen erst, wenn er nicht auf dem Platz steht.

          Besonderes Verhältnis: Bundestrainer Joachim Löw und Sami Khedira Bilderstrecke

          In Madrid, wo Khedira vorher vier Jahre lang spielte, war das ein bisschen anders. Da schienen sich das verwöhnte Publikum, Teile der Medien und bisweilen auch Präsident Florentino Pérez regelrecht an seiner Anwesenheit zu reiben. Khedira kam ihnen ein wenig zu rauh und ungeschliffen daher für den Zauber, mit dem sich Real gern umgibt. Aber für seine Trainer war Khedira auch dort ein handfester Faktor. Im Champions-League-Finale 2014, kurz vor der WM in Brasilien, brachte Carlo Ancelotti ihn von Beginn an, obwohl er nach einem Kreuzbandriss noch längst nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte war. Khedira spielte nicht gut und musste nach einer Stunde vom Platz, aber dennoch: Real gewann die „Décima“.

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