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Veröffentlicht: 08.01.2014, 19:35 Uhr

Rüffel vom Verband DFB-Ausbilder beleidigt behinderten Anwärter

Ein Libanese, dem nach einem Unfall beide Unterarme amputiert wurden, sichert sich per Anwalt einen Ausbildungsplatz als Trainer. Der DFB-Chefausbilder äußert sich gegenüber dem Anwärter diskriminierend - und erhält nun einen Rüffel.

© dpa DFB-Chefausbilder Frank Wormuth

Nach einer diskriminierenden Äußerung gegen einen Behinderten hat der Deutsche Fußball-Bund seinen Lizenztrainer-Ausbildungschef Frank Wormuth ernsthaft ermahnt. Im Wiederholungsfall drohten ihm Konsequenzen, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock am Mittwoch. Einem Bericht der „Sport Bild“ zufolge fühlt sich der Libanese Mohamad Yassine durch den Satz „Du bist nur hier, weil Zwanziger keine Eier hat und einen Behindertenplatz geschaffen hat“ diskriminiert.

„Ich habe Frank Wormuth deutlich gemacht, dass ein solcher Satz absolut inakzeptabel ist“, erklärte Sandrock in einer Stellungnahme. Der 48-jährige Yassine, dem als Zwölfjähriger nach einem Unfall beide Unterarme amputiert werden mussten, versuchte seit 2006, einen Ausbildungsplatz zum Lizenztrainer zu erhalten. 2009 wandte er sich schriftlich an den damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.

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Dieser bescheinigte ihm, dass „ethnische Zugehörigkeit und körperliche Behinderungen keine Zulassungsbarrieren“ sind. Per Anwalt sicherte sich der Libanese - ohne Eignungstest - als erster Behinderter einen Platz im Lehrgang 2012/2013. Bei der Abschlussprüfung fiel Yassine in Theorie und Praxis sowie in der Nachprüfung durch. „Er hat mich diskriminiert, mir meine Würde genommen“, klagte Yassine in der „Sport Bild“.

Wormuth räumte seine verbale Entgleisung ein und entschuldigte sich. „Ich hätte diesen Satz nicht in dieser Fußballersprache formulieren dürfen. Da hab ich mich im Ton vergriffen, das tut mir leid.“ Yassines Zimmergenossen bei den Lehrgängen, der frühere Profi Otto Addo, sagte über den Libanesen, dass dieser „kein einfacher Typ“ sei. „Er ist schon einer, der auch aneckt“, erklärte Addo, der Zeuge des Vorfalls am 21. Oktober 2012 war.

„Fachliche Bewertung korrekt angelaufen“

Der frühere Nationalspieler Ghanas lobte die Fachkompetenz von Wormuth. „Er hat großes Fachwissen, ich habe viel von ihm gelernt.“ Auch der DFB ist weiter von den Qualitäten des seit 2008 für die Ausbildung der Lizenztrainer verantwortlichen Wormuth überzeugt. „Der Prüfungsausschuss bestätigt, dass die fachliche Bewertung von Herrn Yassine korrekt gelaufen ist“, sagte Sandrock. Ausgestanden ist die Affäre nach Angaben der Sport-Wochenzeitung für Wormuth aber noch nicht. Yassine soll den Chefausbilder wegen Beleidigung und Ehrverletzung auf Schadenersatz in Höhe von 2000 Euro verklagt haben.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

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