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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rückschlag für Werder „Es sieht für uns nicht gut aus“

04.10.2007 ·  Werders 1:3 gegen Piräus hatte viele nachvollziehbare Gründe. Doch Bremens Trainer Schaaf wollte keine Debatte zulassen: „Egal, ob man Königsklasse oder Kreisklasse spielt, wenn man den Zweikämpfen aus dem Weg geht, dann kann man nicht gewinnen.“

Von Frank Heike
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Abgesprochen war, dass Torsten Frings ein Zeichen gibt, wenn die Kraft nachlässt. Doch Frings meldete sich nicht. Und Thomas Schaaf reagierte nicht. Er ließ seinen Kapitän trotz zehnwöchiger Verletzungspause durchspielen. Dabei sah jeder im Weserstadion, dass Frings nach 60 Minuten die Energie für sein aufwendiges Mittelfeldspiel fehlte. Mit Frings begann auch Werder Mitte der zweiten Halbzeit zu schwächeln, verlor Zweikämpfe, kam zu spät. Der Gegner aber, zuvor in 31 Partien der Champions League auswärts sieglos, drehte auf und gewann am Ende verdient 3:1.

Dabei hatte Werder die Griechen von Olympiakos Piräus als unbedingt schlagbar ausgemacht - und das war der griechische Serienmeister an diesem verregneten Mittwochabend auch. Doch Frings, Fritz und der für Fritz eingetauschte Tim Borowski, das waren drei nach langen Wochen der Rehabilitation zwar gesunde, aber längst nicht Champions-League-Ansprüchen genügende Profis, die der Rest der Mannschaft mit durchschleppen musste, je länger das Spiel lief. Hinzu kam in Christian Vander ein Torwart, der zuerst gut hielt und Tim Wiese glänzend vertrat, später aber bei den Gegentoren eins und drei schlecht aussah.

„Ohne Zweikämpfe kann man nicht gewinnen“

Natürlich muss Schaaf die Stützen der kickenden Gesellschaft einbauen, doch gegen Piräus riss er auch eine funktionierende Mannschaft auseinander, die in den vergangenen Bundesligawochen bewiesen hatte, trotz der langen Verletztenliste klarzukommen. Schaaf wollte sich auf diese Diskussion nicht einlassen. Er hatte ja auch genug gesehen, um (andere) Gründe für die erste Heimniederlage in der Champions League nach zuvor sechs ungeschlagenen Partien zu Hause zu finden. „Es ist vollkommen egal, ob man Königsklasse oder Kreisklasse spielt, wenn man den Zweikämpfen aus dem Weg geht, dann kann man nicht gewinnen“, sagte Schaaf.

Bei Frings waren es wohl blinder Ehrgeiz und falsch verstandener Führungsgeist, es nach langer Pause gleich wieder über die volle Distanz zu versuchen. Nur dreimal hatte er mit der Mannschaft trainiert. Der von seiner Kreuzbanddehnung gerade Genesene sagte: „Ich habe mich eigentlich ganz gut gefühlt, aber an einigen Sachen fehlt es noch. Das bekomme ich schnell wieder hin, dafür muss ich aber spielen.“ Stimmt wohl, aber mussten es gerade 94 Minuten gegen Piräus sein, den Gegner in der Gruppe C, gegen den zu punkten Pflicht war, um ins Achtelfinale zu kommen? Vielleicht wären ein für Frings eingewechselter Vranjes oder Andreasen besser geeignet gewesen, um das 1:0 durch Almeida in der 32. Minute zu halten.

„Es sieht für uns nicht gut aus

Auch Borowskis Aussage war aus persönlicher Sicht so verständlich wie verräterisch: „Einziger positiver Aspekt für mich ist, dass ich verletzungsfrei aus dem Spiel gekommen bin.“ Er war in der 63. Minute für Fritz eingetauscht worden, fand aber in der verbleibenden Zeit gar nicht mehr ins Spiel. Werder zog sich zurück, ließ dem Gegner Raum, „hörte auf zu laufen“, wie es Diego drastisch ausdrückte. Irgendwie schien auch allen anderen die Kraft zu fehlen nach den vielen Spielen mit verringerter Kaderstärke. „Auch vom Kopf her waren wir heute nicht so schnell wie der Gegner“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs. Von der ordentlichen Leistung in der ersten Halbzeit war nichts mehr zu sehen. Mutig geworden und von Werder aufgebaut, kam Piräus zu seinem historischen Auswärtssieg: Stoltidis (72. Minute), Patsatzoglou (83.) und Kovacevic (87.) trafen für die Griechen und ließen die mitgereisten 1500 Fans jubeln.

Für die Integration der Langzeitverletzten mag dieses Spiel förderlich gewesen sein, für die Bremer Lage in der Gruppe natürlich nicht. Die nun erforderlichen Siege gegen Lazio Rom und in Piräus sind nicht unmöglich, aber das 2:2 der Römer gegen Real Madrid zeigt natürlich auch, dass Lazio keine Laufkundschaft ist, die man mal so eben bezwingt. Schaaf sagte kurz und knapp: „Es sieht für uns nicht gut aus.“ Dass Werder Bremen in ein paar Wochen natürlich auch wieder weiter in seiner Entwicklung sein dürfte, gibt den Spielern Hoffnung.

Per Mertesacker, der bei Bremen mehr und mehr zum Wortführer reift, formulierte es sehr schön: „Wir haben lange den Ausfall der Verletzten kompensiert, jetzt müssen wir ihre Rückkehr kompensieren.“ Die Stars von früher als Ballast von heute - so kann man es auch sehen. Um nicht falsch verstanden zu werden, schob Mertesacker nach: „Mittelfristig werden sie uns richtig Auftrieb geben.“ Für den Zeitraum „mittelfristig“ ist eigentlich keine Geduld vorhanden im Fußball. Wenn überhaupt, dann nur bei Werder Bremen.

Werder Bremen - Olympiakos Piräus 1:3 (1:0)
Werder Bremen: Vander - Pasanen, Mertesacker, Naldo, Tosic - Frings - Fritz (63. Borowski), Jensen - Diego - Rosenberg (76. Sanogo), Hugo Almeida
Olympiakos Piräus: Nikopolidis - Torosidis (86. Pantos), Antzas, Raúl Bravo, Domi (19. Julio Cesar) - Patsatzoglou, Ledesma, Stoltidis - Galletti (72. Kovacevic), Djordjevic - Lualua
Schiedsrichter: Larsen (Dänemark)
Zuschauer: 37.500 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Hugo Almeida (32.), 1:1 Stoltidis (72.), 1:2 Patsatzoglou (82.), 1:3 Kovacevic (89.)
Gelbe Karten: Sanogo / Ledesma

Quelle: FAZ.NET
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