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Rudi Assauer „Paß auf, Rudi, solltest du ein Problem haben. . ."

 ·  Rudi Assauer ist in Schalke nicht mehr der starke Mann, der er einmal war, aber immer noch stark genug, um die aktuellen Angriffe abzuwehren. Fernsehmoderator Wontorra entschuldigte sich für Alkoholismus-Vorwürfe gegen den Manager.

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Im Saal "Libuda" herrschte eine Ruhe, die etwas Beklemmendes hatte. Die Verantwortlichen des FC Schalke 04 wirkten hochkonzentriert. Einen Tag nach dem 0:0 gegen Hertha BSC Berlin sprach Cheftrainer Ralf Rangnick von "ein paar kleineren Blessuren", die seine Spieler davongetragen hätten, "aber das ist normal".

Während Rangnick turnusgemäß über den körperlichen Zustand der Mannschaft berichtete, warteten viele seiner Zuhörer auf einen anderen Befund. Es ging um den Protagonisten, der neben dem Trainer saß, mit der einen Hand im Kaffee rührend, mit der anderen die unvermeidliche Zigarre haltend. Im Fokus stand wieder einmal Rudi Assauer, der schillernde Manager des FC Schalke. Wie groß sind die Blessuren dieses Mannes, der von der Öffentlichkeit lange als Alleinherrscher wahrgenommen wurde?

Strukturen sollen bleiben

Der Moderator Jörg Wontorra hatte Assauer ziemlich unverblümt ein Alkoholproblem unterstellt, sinnigerweise in einem Format, das der ausstrahlende Sender als Fußballstammtisch zu annoncieren pflegt. Ein Manager sei gut beraten, darauf zu achten, "ob sein Grundnahrungsmittel den ganzen Tag über flüssig ist", sagte Wontorra. Am Montag mittag widersprach Assauer. "Dieser Vorwurf ist absurd." Mit Hinweis auf einen "Blackout" habe Wontorra ihn am Telefon zweimal um Verzeihung gebeten. Das "Deutsche Sportfernsehen" habe sich sogar schriftlich bei ihm entschuldigt. Assauer fügte hinzu, daß er die Entschuldigung des Moderators nach einer Nacht Bedenkzeit angenommen habe, "mit der Maßgabe, daß die Sache in der nächsten Sendung richtig gestellt wird".

Am Tag nach Wontorras Vorstoß waren zwei Zeitungen mit der Nachricht erschienen, Schalke habe Assauer de facto entmachtet oder seine Kompetenzen zumindest deutlich beschnitten. Diesen Behauptungen brauchte der Manager nicht einmal selbst entgegenzutreten. Das übernahmen Männer, die offenbar weiterhin loyal zu ihm stehen. "Wir behalten unsere Strukturen bei", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Josef Schnusenberg. "Wie bisher hat jeder von uns seine Kompetenzen." Er selbst sei für die Finanzen zuständig, Geschäftsführer Peters für die Verwaltung "und diese beiden Herren hier für das Sportliche" - er drehte seinen Kopf in Richtung Teammanager Andreas Müller und Assauer. Die beschriebene Arbeitsteilung ist nichts Neues. Neu ist nur die öffentliche Darstellung eines Prozesses, der vor zwei Jahren in Gang gesetzt worden ist.

„Solche Dinge sind ja heilbar

Das offizielle Schalke verkaufte den verschiedentlich kolportierten Machtwechsel als "Generationswechsel". So auch Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende, der seit langem als Assauers Gegenspieler gilt. "Wir haben einen Teil der Verantwortung in jüngere Hände gelegt", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Aber Rudi Assauer bleibt unsere Galionsfigur." Niemand im Aufsichtsrat habe die Absicht, ihn zu demontieren.

Sollte Assauer jedoch alkoholkrank sein, wie von Wontorra behauptet, werde der Verein einem so verdienten Mitarbeiter selbstverständlich helfen. Der Aufsichtsratsvorsitzende kündigte ein Gespräch mit Assauer an. Die Eröffnung hat er schon im Kopf. "Paß auf Rudi, solltest du ein Problem haben, können wir dir helfen. Solche Dinge sind ja heilbar." Intern soll Tönnies sogar empfohlen haben, offensiv mit dem Thema umzugehen. Die Gremien könnten im nachhinein doch nicht so tun, als hätten sie nichts gewußt. Assauer müsse jede erdenkliche Hilfe angeboten werden, falls Wontorras Vorwürfe denn stimmten.

„Gebeten, sich ein bißchen zu zügeln

Den Vorwurf, alte Rechnungen mit Assauer begleichen zu wollen, wies Tönnies zurück. "Ich hatte harte Diskussionen mit Rudi, aber ich bin kein Heckenschütze. Mehr Loyalität als jetzt kann er nicht erwarten." Bei den Zerwürfnissen der Vergangenheit sei es ihm "immer nur um die Sache gegangen". Auch Müller bestätigte vor der Pressekonferenz, den Manager gemeinsam mit anderen vor längerer Zeit zur Selbstbeschränkung aufgefordert zu haben. "Wir haben ihn gebeten, sich ein bißchen zu zügeln." Eine Kur sei ihm aber nicht empfohlen worden. "Daran kann ich mich nicht erinnern. Er ist und bleibt der Manager des FC Schalke, gemeinsam mit mir."

Assauer ist in Schalke nicht mehr der starke Mann, der er einmal war, aber immer noch stark genug, um die aktuellen Angriffe abzuwehren. "Wir sind uns zu schade, eine Schalker Ikone zu schlachten", sagt Tönnies. "Wir können mit seinen Touren leben." Das Hilfsangebot seines obersten Kontrolleurs lehnte der Manager jedoch ab. Ob er denn Hilfe brauche wurde Assauer gefragt. "Das sehe ich ganz anders", antwortete er. "Der gesamte Aufsichtsrat und der Vorstand stehen hinter mir. Das ist Hilfe genug." Der Gewinner dieses Spiel- und Spekulationstages scheint Ralf Rangnick zu sein. Gerade noch heftig in der Kritik, kann er sich trotz sportlichen Stillstands in Ruhe anschauen, wie der Manager seine Bataillone ordnet und wie dessen Widersacher neue Geschütze auffahren. Verschiedene Spieler von Rang und Namen haben Rangnick jüngst das Vertrauen ausgesprochen. Insofern hat er der Ikone Assauer etwas voraus.

Quelle: F.A.Z. vom 20. September 2005
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