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Aktualisiert: 10.08.2015, 15:00 Uhr

„Mroskos Talente“ Spielerberater als Prügelknabe 

Lars Mrosko war ein erfolgreicher Scout. Was sollte ihn daran hindern, auch ein erfolgreicher Spielervermittler zu werden? Ronald Reng beschreibt im Vorabdruck seines Buchs „Mroskos Talente“ die Zwänge, die ihn zu einem von vielen Desillusionierten machten.

von Ronald Reng
© BONGARTS Anrufen, anrufen, anrufen: Für Lars Mrosko wird der vermeintliche Traumjob zur Qual

Lars Mrosko hatte gedacht, er wisse, was ein Spielerberater tat. Er bot Spieler an und handelte ihre Verträge aus, hatte er geglaubt. Nun wusste er es besser. Ein Spielerberater verbrachte die meiste Arbeitszeit damit, zurückgewiesen zu werden. Einen Spieler wie Lennart Hartmann, der jüngste Bundesligaspieler in Herthas Geschichte, noch immer 20 Jahre jung, eine Hoffnung, brachte er bei zehn Vereinen ins Gespräch, das hieß bei jedem Verein fünf- oder zehnmal anrufen, bis der Sportdirektor ranging. Wenn er einen Sportdirektor endlich erreichte, sagte dieser ihm in der Regel, darüber müssten sie nachdenken. Wollte Mrosko vier Tage später nachhaken, musste er 15- bis 20mal anrufen. Der Sportdirektor ging gar nicht mehr ran.

Nicht ans Telefon zu gehen, war im Profifußball eine Art zu sagen, ich will nichts von dir; selbst wenn man gar nicht wusste, wer der Anrufer war, was der Anrufer wollte. Es gab zu viele Berater, zu viele Journalisten, die einen Sportdirektor anriefen.

Er telefonierte am Küchentisch, er telefonierte auf dem Sofa, wenn der Rückruf wichtig erschien, nahm er ihn im Bad an. Immer war er derjenige, der etwas wollte, der etwas anpreisen musste, der zurückgewiesen wurde.

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Er hatte kein Büro, er hatte gedacht, er brauchte keines. Im Juni 2011, in seiner ersten intensiven Transferperiode als Berater, merkte er, wozu ein Büro gedient hätte: um Arbeit und Privatleben zu trennen. Um noch eine Art Privatleben zu haben. Er merkte, wie sein Verhältnis zu Sandra wegen der Arbeit harkte, kaum gingen sie in Neukölln ein Eis essen, klingelte das Telefon und er musste rangehen, den Anruf musste er nehmen.

Der Glaube an den einen Deal

Als er sich Ende 2010 als Spielerberater selbständig gemacht hatte, hatte Mrosko sich vorgestellt, wie er den einen Jugendspieler finden und aufbauen würde, der richtig durchstartete. Er hatte an den einen Profivertrag gedacht, der ihm mit einem Schlag 250.000 oder 300.000 Euro Provision einbringen würde.

35655183 © Lars Mrosko privat Vergrößern Kaum noch Privatleben: Lars Mrosko mit Frau Sandra

An den Deal denken alle, wenn von Spielerberatern die Rede ist. Alle paar Monate wieder erschien in den großen Zeitschriften ein Bericht über „die Spielerberater“. Die Botschaft war stets dieselbe, vorgetragen in einer Mischung aus Faszination und Misstrauen: Spielerberater waren „mächtig, ja gefürchtet“, „die heimlichen Regenten des Fußballs“, „die Schatten der Stars“, und zwischen diesen Schlagwörtern wurden die immer gleichen Beispiele erzählt, von Volker Struth, der allein bei der Großmutter in Armut aufwuchs und als Berater von Toni Kroos sowie Mario Götze zum Multimillionär aufstieg, von Jörg Neubauer, der als letzter Pressesprecher des DDR-Fußballverbandes nach dem Mauerfall den Ausverkauf der DDR-Idole in den Westen aus nächster Nähe betrachtete und irgendwann dachte, das kann ich auch. Spielerberater, lautete der immer wiederkehrende Tenor, verdienten in einer Grauzone des Spiels unfassbar viel Geld.

Auf jeden dritten Profi kommt ein Berater

Rund 100 Millionen Euro an Provision zahlen die Bundesligisten jedes Jahr den Beratern. Davon müsste man sich doch nur 0,25 Prozent sichern, um stattlich zu leben.

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