Roman Weidenfellers großer Wunsch wird sich nicht erfüllen - falls Manuel Neuer, René Adler, Marc-Andre ter Stegen, Ron-Robert Zieler und Bernd Leno nicht alle von einer bisher unbekannten Torwart-Krankheit befallen werden. Die Nummer eins des deutschen Meisters Borussia Dortmund ist für Bundestrainer Joachim Löw bestenfalls die Nummer sechs und ein Einsatz für die Nationalmannschaft so wahrscheinlich wie eine Epidemie unter Torleuten.
Weidenfeller, mittlerweile 32 Jahre alt, hat das früher aufgeregt. Jetzt nicht mehr. Seitdem er sich mit der Situation arrangiert hat, ist er noch besser geworden. Und bekommt von anderen die Anerkennung, die ihm Löw versagt. Nachdem Weidenfeller am Samstag in den Schlussminuten des Bundesligagipfels seinen Borussen das 1:1 festgehalten hatte, stellte sogar Bayern-Trainer Jupp Heynckes öffentlich die rhetorische Frage: „Ich weiß nicht, was der Junge noch alles machen muss, um mal international zu spielen.“
Dann hob Heynckes sogar zu einem Plädoyer an: „Wer zweimal hintereinander deutscher Meister geworden ist, Pokalsieger, der ist ein Torwart, der es verdient hat, auch international einmal zu spielen. Das ist sicher sein Traum, und ich finde, man sollte ihm diesen Traum auch ermöglichen.“
Gegen die Bayern verhinderte der BVB-Torwart dreimal innerhalb der letzten fünf Minuten das Siegtor der Münchner. Erst im Eins-zu-eins-Duell mit Toni Kroos, dessen Schuss er mit dem Fuß abwehrte. Dann lenkte er Thomas Müllers Bogenlampe gerade noch über die Latte, und schließlich wehrte er einen Kopfball von Javier Martinez mit einem Hechtsprung ab. „Sonst muss er für uns nicht soviel eingreifen. Heute rettete uns Roman in der Schlussphase“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp und fügte an: „Dass er ein großartiger Torwart ist, wussten wir schon vorher. Jetzt haben es alle noch mal gesehen.“
Der frühere Nationalspieler Thomas Helmer fand es als Fernsehexperte bemerkenswert, dass Weidenfeller so gut auf dem Posten war, obwohl er fast eine Stunde lang nichts zu tun hatte und offensichtlich fror. Tatsächlich hatte sich Weidenfeller in der Pause eine lange Hose übergestreift, die allerdings nicht ganz seinen modischen Geschmack traf. Als der Torwart später seine Glanztaten im Fernsehen ansah, scherzte er: „Sieht gut aus - bis auf die lange Hose.“
Weidenfeller strahlte Gelassenheit aus, als er sich nach dem Spiel den Medien stellte. Welcher von den drei gefährlichen Bällen in der Schlussphase am schwierigsten abzuwehren war, wurde er gefragt. Antwort: „Der hohe Ball von Müller war ein ganz schwieriger Ball, der normalerweise hinten reinfällt. Geht man mit der rechten Hand zum Ball, schmeißt du ihn dir selber rein. Also habe ich versucht, den Ball mit der Linken so zu parieren. Ein Quentchen Glück gehört dazu, und das war heute auf meiner Seite.“ Bayern-Präsident Uli Hoeneß fand ganz pauschal: „Was Weidenfeller die letzte Viertelstunde gehalten hat, war allererste Sahne.“
Was spricht nun dagegen, dass Weidenfeller ins Nationalteam berufen wird? Eigentlich nur sein Alter. Neuer und Adler sind nicht schlechter als er, aber jünger. Und als Nummer drei scheint das gestandene Mannsbild Weidenfeller, das auch schon mal unbequeme Thesen formuliert, Bundestrainer Löw nicht gerade die Idealbesetzung. Ein Mann für die Ersatzbank ist der ehrgeizige Dortmunder, der an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) in der Königsklasse auf Manchester City trifft, nun wirklich nicht.
Die Leistung im Club war für Löw nie relevant
Theodor Wedel (TheodorWedel)
- 05.12.2012, 01:28 Uhr
Andere Gründe ?
Martin Nilges (moonlightmile)
- 04.12.2012, 20:51 Uhr
Nicht schlechter?
Alexander Berndt (tizian2011)
- 04.12.2012, 19:36 Uhr
Form schlägt Klasse
gisbert heimes (gisbert4)
- 04.12.2012, 18:42 Uhr
Es wäre eine sehr feine menschliche Geste,
Jens Faust (die-hand-gottes)
- 04.12.2012, 17:21 Uhr