Home
http://www.faz.net/-gtm-74vjr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Revolution im Fußball Europaweites EM-Turnier 2020

Michel Platini hat sich durchgesetzt. Die EM 2020 findet in mehreren Metropolen Europas statt. Die Uefa verspricht sich davon eine riesige Fußball-Party, auch Deutschland könnte profitieren. Zugleich löst der Kontinentalverband damit ein Dilemma.

© AFP Vergrößern Spanien gewann 2008 in Österreich/Schweiz und 2012 in Polen/Ukraine den Pokal - 2020 steigt die Zahl der Ausrichterländer

Die Fußball-Revolution ist perfekt: Die EM 2020 wird erstmals zu einem europaweiten Turnier. Das Exekutivkomitee der Uefa entschied am Donnerstag auf seiner Sitzung in Lausanne, die Europameisterschaft bei ihrem 60. Jubiläum in acht Jahren unter dem Motto „Euro for Europe“ in „verschiedenen Großstädten“ Europas auszutragen und damit vom bisherigen System mit einem oder maximal zwei Ausrichtern abzuweichen.

Deutschland will sich definitiv als Mit-Gastgeber bewerben, als möglicher Kandidat gilt Berlin. „Wir werden bei der EM 2020 die größte Party feiern, die je bei einer Europameisterschaft gefeiert wurde“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino nach dem Meeting. Der anfangs als sportpolitische Nebelkerze bezeichnete Plan von Uefa-Präsident Michel Platini wird damit schneller umgesetzt als erwartet.

Mehr zum Thema

14 Jahre nach dem Sommermärchen bei der Weltmeisterschaft 2006 kann sich damit auch Deutschland wieder berechtigte Hoffnungen auf wichtige Turnierspiele in der Heimat machen. „Wir haben die Entscheidung des Exko so erwartet und bewerten sie absolut positiv“, sagte Wolfgang Niersbach, der Chef des Deutschen Fußball-Bundes. Der frühere Präsident Theo Zwanziger, Mitglied der Uefa-Exekutive, wollte sich zunächst nicht zur Entscheidung äußern.

In wie vielen Ländern die EM in acht Jahren tatsächlich ausgetragen wird, steht noch nicht fest. Im Gespräch waren zuletzt 13 Länder und Metropolen wie Madrid, Rom oder London. Die Wettbewerbskommission der Uefa soll nun die genauen Details der Mammut-Veranstaltung ausarbeiten. Eine Entscheidung darüber wird dann sehr wahrscheinlich im März 2013 auf der übernächsten Sitzung der Uefa-Exekutive fallen.

Michel Platini hatte zuletzt viel Überzeugungsarbeit geleistet © dapd Vergrößern „Es ist vielleicht eine verrückte Idee, aber eine gute“: Michel Platini

„Wir wollen so vielen Ländern wie möglich die Chance geben, Teil einer Europameisterschaft zu sein“, sagte Infantino. Die Uefa verspricht sich davon einen „großen Schub“ für den Fußball in diesen Nationen. Zudem will sie in Zeiten der Wirtschaftskrise in Europa keinem Land allein die Kosten für den Bau von Stadien, Flughäfen und Infrastruktur auflasten. Hinzu kommt, dass Platini mit den Bewerbern Türkei, Georgien zusammen mit Aserbaidschan sowie dem Gemeinschaftstrio Schottland, Irland und Wales nicht glücklich war.

Der türkische Vertreter in der Exekutive, Senes Erzik, war daher auch der einzige, der gegen das Vorhaben stimmte. „Die Türkei war natürlich etwas enttäuscht, das kann ich verstehen. Von allen anderen 52 Mitgliedsverbänden haben wir aber überaus positive Reaktionen bekommen“, sagte Infantino. DFB-Präsident Niersbach und -Generalsekretär Helmut Sandrock waren von Platini Ende November bei einem Treffern in Brüssel ausführlich informiert worden.

Die Türkei könnte in sofern entschädigt werden, dass die Halbfinals und das Endspiel in Istanbul stattfinden. Sicher ist das aber noch nicht. Die Partien müssen nicht zwangsläufig in der Hauptstadt des jeweiligen Landes stattfinden. Auch andere Metropolen sind denkbar. Sobald die Uefa-Exekutive von der Wettbewerbskommission die Details erhalten und darüber abgestimmt hat, können sich alle Mitgliedsverbände um eine Teilausrichtung des Turniers bewerben.

Er sei zuversichtlich, dass es „einen gute Mix aus Ländern, die noch nie eine EM hatten, und denen, die schon einmal ein solches Turniers ausgetragen haben, geben werde, sagte Infantino. Die Kritik, mit dieser Entscheidung gehe das besondere Flair eines Turniers verloren, wies Infantino zurück. „Sie werden ihre Meinung ändern.“ Die Mehrheit der FAZ.NET-Leser hatte sich in einer Umfrage gegen eine Europameisterschaft in mehreren Ländern ausgesprochen.

Die Gastgeber der Fußball-EM-Endrunden

Jahr - Gastgeber - Europameister
===========================
1960 - Frankreich - Sowjetunion
1964 - Spanien - Spanien
1968 - Italien - Italien
1972 - Belgien - Deutschland
1976 - Jugoslawien - CSSR
1980 - Italien - Deutschland
1984 - Frankreich - Frankreich
1988 - Deutschland - Niederlande
1992 - Schweden - Dänemark
1996 - England - Deutschland
2000 - Belgien/Niederlande - Frankreich
2004 - Portugal - Griechenland
2008 - Schweiz/Österreich - Spanien
2012 - Polen/Ukraine - Spanien
2016 - Frankreich -
2020 - verschiedene Metropolen Europas

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
DFB-Präsident Niersbach WM in Qatar könnte erst 2023 stattfinden

Im Interview mit der Sonntagszeitung bringt Niersbach einen Vorschlag für die WM in Qatar ins Spiel. Er berichtet von einer Uefa-Probeabstimmung. Demnach könnte das Turnier auf 2023 verlegt werden. Mehr

22.11.2014, 16:16 Uhr | Sport
WM 2018 und 2022 Fifa spricht sich selbst frei

Die WM Gastgeber Russland und Qatar kommen ungeschoren davon. Die Fifa-Ethikkommission konnte bei ihren jahrelangen Ermittlungen keine Beweise für gravierende Korruption finden. Präsident Blatter wird gar ausdrücklich entlastet. Mehr

13.11.2014, 10:18 Uhr | Sport
DFB-Chef Niersbach im Gespräch Uefa will eigenen Kandidaten gegen Blatter ins Rennen schicken

Wird Joseph Blatters Wiederwahl als Fifa-Präsident doch noch gefährdet? Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung deutet DFB-Präsident Wolfgang Niersbach an, dass die Uefa einen eigenen Kandidaten nominiert. Mehr

22.11.2014, 10:18 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.12.2012, 17:34 Uhr

Umfrage

Wer ist Ihr Weltfußballer 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Hilfe oder Schminke?

Von Michael Reinsch

Chinas Staatssport demonstriert Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Die Wada bekommt nicht nur eine üppige Spende. Haben die Chinesen etwa einen Hintergedanken bei ihrem Engagement? Mehr 1