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Red Bull Salzburg Nicht nur der Rasen ist anders

09.08.2006 ·  Zwei alte Bekannte machen in Salzburg auf sich aufmerksam: Alexander Zickler und Thomas Linke spielen heute mit ihrem Klub in der Champions-League-Qualifikation gegen Valencia und fühlen sich an alte Bayern-Zeiten erinnert.

Von Elisabeth Schlammerl, Salzburg
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Den FC Valencia haben Alexander Zickler und Thomas Linke in bester Erinnerung. Eine wunderschöne Fußball-Nacht verbinden die beiden damit, vermutlich die schönste in ihrer Karriere. Zickler und Linke haben einst in Mailand ihren Teil zum Champions-League-Triumph über die Spanier mit je einem verwandelten Elfmeter beigetragen. Aber es ist lange her, fünf Jahre, und sie haben damals noch beim FC Bayern München gespielt, dem besten Klub Deutschlands und zu jener Zeit mit Real Madrid zusammen wohl dem besten Europas.

Jetzt spielen Zickler und Linke bei Red Bull Salzburg, und der österreichische Bundesligaverein ist an diesem Mittwoch (siehe auch: FAZ.NET-Liveticker) im Hinspiel der letzten Qualifikationsrunde für die Champions League gegen den FC Valencia nur Außenseiter.

Linke wollte noch nicht aufhören

Zickler und Linke sind bei Red Bull die Leistungsträger. Der eine vorne, der andere hinten. Linke ist mittlerweile Kapitän und hält die Abwehr souverän zusammen, mit gutem Auge und trotz seiner 36 Jahre nach wie vor exzellentem Stellungsspiel. Für die Bayern war der Weltmeisterschaftszweite von 2002 vor einem Jahr zu alt, "die haben anders geplant". Linke wollte aber noch nicht aufhören, einerseits, andererseits aber auch nicht weg aus München, und so kam das Angebot aus dem nur eineinhalb Autostunden entfernten Salzburg gerade recht.

Zunächst hat er nur für ein Jahr geplant, aber es lief gut, und so verlängerte er. In seiner zweiten Saison läuft es nun fast noch besser, und das führt er vor allem auf Cheftrainer Giovanni Trapattoni zurück. "Wir haben in der Vorbereitung sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet." Trapattoni bevorzugt zudem traditionell eine eher defensiv orientierte Aufstellung, das kommt einem Innenverteidiger wie Linke, der nicht der Schnellste ist, sehr entgegen.

„Einfacher ist es deshalb hier nicht“

Natürlich sind Niveau und Tempo in Österreich nicht so hoch wie in der deutschen Bundesliga, "aber unbedingt einfacher", sagt Linke, "ist es deshalb hier nicht". Beim FC Bayern sei die Qualität der Mitspieler auch eine andere, "da hast du die Besten neben dir". Red Bull ist für österreichische Verhältnisse nicht nur in der Abwehr sehr gut bestückt, aber international doch höchstens zweit-, eher drittklassig.

In Salzburg träumen sie zwar von der Teilnahme an der Champions League, aber richtig glauben daran mag niemand. "Normalerweise haben wir keine Chance gegen Valencia. So realistisch muß man sein", sagt Linke. Ein kleiner Vorteil könne höchstens sein, daß in Spanien die Meisterschaft noch nicht begonnen habe und im Salzburger Stadion gewöhnungsbedürftiger Kunstrasen liege.

Von der Reha zurück auf den Platz

Zickler hat sich wie Linke vor einem Jahr schnell darauf eingestellt, daß bei Salzburg einiges anders ist, nicht nur der Rasen. Der 32 Jahre alte Stürmer hat in Österreich sein Fußball-Glück doch noch gefunden, nach vielen, vielen Tiefschlägen in einer Karriere, die fast schon zu Ende schien. "Es ist ihm zu gönnen, daß es so gut läuft", sagt Linke. In den zwölf Jahren beim FC Bayern verbrachte Zickler mehr Zeit in Arztpraxen und bei der Reha als auf dem Fußballplatz, zuletzt hatte er sich kurz hintereinander zwei Beinbrüche zugezogen.

In Salzburg nun ist er seit einem Jahr verletzungsfrei, hat in seiner ersten Saison 31 von 36 Spielen bestritten und dabei neun Tore erzielt. Allerdings nur daheim, weshalb ihn der damalige Trainer Kurt Jara am Ende des Spieljahres einfach nicht mehr zu Auswärtsreisen mitgenommen hat.

Sieben Tore in vier Spielen

Trapattonis Assistent Lothar Matthäus nahm sich des ehemaligen Mitspielers vom FC Bayern deshalb in der Vorbereitung besonders an, führte intensive Gespräche mit Zickler. Vielleicht, sagt Matthäus sehr selbstbewußt, habe das einen Teil dazu beigetragen, die Blockade zu überwinden. Jetzt trifft Zickler jedenfalls auch auf fremden Plätzen, insgesamt sieben Tore hat er in den bisherigen vier Meisterschaftsspielen geschossen, also fast schon so viele wie in der gesamten vergangenen Saison. "Mir ist es ehrlich gesagt schon ein bißchen peinlich, was hier passiert", gibt er zu. Dabei wirkt er erstaunlich sicher vor dem Tor, braucht nicht viele Möglichkeiten - anders als früher beim FC Bayern, wo er sich wegen der vielen Fehlschüsse einmal den wenig schmeichelhaften Beinamen "Chancentod" eingehandelt hatte.

Er profitiert wohl zum einen davon, daß er hier mehr Wertschätzung erfährt als früher in München, zum anderen, daß das ganze Offensivspiel auf ihn ausgerichtet ist - aber genau das ist auch die große Gefahr für Salzburg, denn "ohne Zickler gewinnen die kein Spiel", sagte Lars Söndergaard, Trainer des Grazer AK, nach den beiden Toren des Deutschen beim 4:1-Sieg am vergangenen Samstag gegen seine Mannschaft. Mit Zickler aber fast jedes, zumindest in Österreich. Valencia ist aber vermutlich eine andere Geschichte.

Quelle: F.A.Z., 09.08.2006, Nr. 183 / Seite 30
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