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Red Bull Salzburg : Matthäus verliert Machtkampf mit Trapattoni

Scheidung im Streit: Giovanni Trapattoni (r.) und Lothar Matthäus Bild: dpa

Der österreichische Fußball-Meister Red Bull Salzburg hat Co-Trainer Lothar Matthäus gefeuert. Damit endet eine Beziehung, die von Anfang an ein Missverständnis war, vorzeitig. Auslöser für die Trennung war seine heftige Kritik an Giovanni Trapattoni.

          Ein bisschen Erfahrung, wie man sich als Trainer von seinem Klub verabschiedet, hat Lothar Matthäus mittlerweile gesammelt. Im vergangenen Jahr versuchte er sich als erster europäischer Fußball-Lehrer in der brasilianischen Liga, und nach eineinhalb Monaten standen in seiner Bilanz für Atlético Paranaense sechs Siege aus acht Spielen, eine Sperre von 30 Tagen wegen Schiedsrichterbeleidigung und ein ziemlich nebulöser Abgang. Matthäus kehrte nach seiner Sperre einfach nicht mehr zurück nach Brasilien, und die Umstände der Trennung sind unklar geblieben.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nachdem nun am Dienstag sein jüngster Arbeitgeber, Red Bull Salzburg, keinen Wert mehr auf die Mitarbeit des Trainerassistenten mit der großen Vergangenheit legte, sind die Gründe diesmal allerdings ganz offensichtlich - und auch in Fragen der Etikette gibt's nach der Vertreibung von Matthäus aus Salzburg nichts zu beanstanden. „Ich akzeptiere die Entscheidung“, sagte der zweimalige „Weltfußballer“ und deutsche Rekordnationalspieler nach seiner Entlassung als Mann hinter Giovanni Trapattoni ganz nüchtern.

          „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen“

          Es war ohnehin ein offenes Geheimnis, dass er sich in Salzburg mit der Rolle als Nummer zwei nicht anfreunden konnte - und ebensowenig mit der chronisch zurückhaltenden taktischen Ausrichtung seines italienischen Vorgesetzten. „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen“, sagte Matthäus nach dem neuerlichen vorzeitigen Abschied.

          Gerade mal ein gutes Jahr hat sich der Weltmeister von gestern auf seiner nun fünften Station im Trainergeschäft halten können, und da er in knapp sechs Jahren nur bei der ungarischen Nationalmannschaft einmal etwas länger wirkte, verstärkt die vorzeitige Abberufung seinen Ruf als sprunghafter Trainer noch. Auslöser für die Trennung war seine öffentliche Kritik an Trapattoni, einen Spieler aus Uganda zu verpflichten, ohne ihn persönlich beobachtet zu haben: „Ich habe den Spieler nicht gesehen. Ich glaube auch nicht, dass ihn Giovanni Trapattoni spielen sah. Ich weiß nicht, ob der Spieler auch die Qualitäten zeigen kann, die auf einer DVD zu sehen sind.“ Der Klubvorstand beschloss nach dieser letzten Spitze noch am ersten Trainingstag der neuen Saison einstimmig die Trennung.

          Ein einziges Missverständnis

          Die Beziehung, die Matthäus mit Trapattoni und Salzburg einging, war ein einziges Missverständnis. Im vergangenen Mai kam er als Nachfolger des entlassenen Kurt Jara zum vom Brause-Milliardär und Beckenbauer-Freund Dietrich Mateschitz dominierten Klub. Matthäus wähnte sich als Cheftrainer verpflichtet, während Trapattoni die Rolle eines Sportdirektors zugedacht war. In der Presse erhielt das Duo den Namen „Trapatthäus“, doch wer in der sich schnell verändernden Beziehung zwischen Meistertrainer und ehemaligen Meisterspieler den Ton angab, zeigte sich sehr bald.

          Ein solches Team sei wie eine Ehe, sagte Trapattoni - und er habe die Rolle des Mannes eingenommen: „Ich treffe die Entscheidungen und trage dafür auch die Verantwortung, wenn es nicht läuft. Wenn ein Kopf rollt, dann wird es meiner sein, nicht der von Lothar.“ Diese Konstellation zu akzeptieren, vermutete Trapattoni, sei nicht so schwer für Matthäus, denn er könne viel lernen.

          Voller Irrungen und Wirrungen

          Aber mit 46 Jahren fühlte sich Matthäus längst der Assistentenrolle entwachsen, und er sagte dies auch öffentlich, zuletzt nach dem Gewinn der österreichischen Meisterschaft: „Es gibt Rollen, die mir besser liegen.“ Auch die defensive Grundhaltung für das teuer zusammengekaufte und mit fast zwanzig Punkten Vorsprung souveräne Meisterteam ging Matthäus gegen den taktischen Strich. „Ich bevorzuge eigentlich immer die offensive Spielweise. Ein 4:1 ist mir immer lieber als ein 1:0. Schließlich wollen die Fans für ihr Geld unterhalten werden und so viele Tore wie möglich sehen“, sagte Matthäus. „Trapattoni wechselt selbst dann noch einen Verteidiger ein, wenn er schon 0:1 zurückliegt.“

          Manager Oliver Kreuzer, beim FC Bayern München einst Kollege von Matthäus, sah sich nicht mehr in der Lage, einen gemeinsamen Weg für die beiden großen Figuren des internationalen Fußballs aufzuzeigen. Nun hat Matthäus wieder die Chance, alleine seinen Weg als Trainer zu finden - es könnte nach sechs Jahren voller Irrungen und Wirrungen auch die letzte sein.

          Quelle: F.A.Z.

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