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Real Madrid Umgefallen wie eine Pappfigur

11.03.2010 ·  Real Madrid scheitert in der Champions League - zum sechsten Mal nacheinander im Achtelfinale. Nun soll Trainer Pellegrini das Team zur Nummer eins in Spanien machen. Ein schwacher Trost für einen Klub mit galaktischen Ansprüchen.

Von Paul Ingendaay, Madrid
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Es fing an, wie es des teuersten Spielers der Erde würdig ist: Nach kaum sechs Minuten hatte Cristiano Ronaldo seine Mannschaft im Achtelfinale der Champions League gegen Olympique Lyon in Führung gebracht und das 0:1 des Hinspiels ausgeglichen. Antritt, ein gefühlvoller Pass von Guti, ein nicht zu bremsender Sprint mit dem Ball am Fuß, Tor. Im Bernabéu-Stadion bahnte sich ein Fußballfest an, eine Machtdemonstration jenes Real Madrid, das Präsident Florentino Pérez letzten Sommer mit einer Investition von rund zweihundertfünfzig Millionen Euro auf die Beine gestellt hatte. Und es war alles sehr hübsch anzusehen.

Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor des Lyoner Keepers Lloris. Die Franzosen wankten und waren im Begriff zu stürzen. Dann kam die 26. Minute, der Augenblick, an den sich die Real-Fans noch viele Jahre erinnern werden. Higuaín erlief ein cleveres Zuspiel von Granero, umkurvte den herausgeeilten Torwart, wie er es schon so oft gemacht hat, und sah von halbrechts nur noch das leere Tor vor sich. Solche Treffer sind inzwischen seine Spezialität. Doch zum Entsetzen eines Großteils der achtzigtausend Zuschauer prallte der Ball gegen den Innenpfosten und von dort zurück ins Feld zurück.

Es blieb nicht die einzige glasklare Chance einer ersten Halbzeit, die allein Real Madrid gehörte. Kaká, Ronaldo, Granero und noch einmal Higuaín hätten die Franzosen mit einem 0:3-Rückstand in die Kabine schicken müssen. Es war die Phase, in der Guti das Mittelfeld beherrschte, Verteidiger Sergio Ramos ein ums andere Mal von der rechten Seite flanken konnte und Ronaldo in der Lyoner Hintermannschaft Angst und Schrecken verbreitete.

Als der Halbzeitpfiff ertönte, fragte man sich, warum die Partie nicht längst entschieden war. Fünf Minuten der zweiten Hälfte reichten aus, um die demoralisierende Wirkung dieser fast nutzlos verstrichenen 45 Minuten zu beweisen. Die Champions League belohnt mutige, entschlossene und zähe Mannschaften. Die Zauderer schickt sie nach Hause. Real Madrid hatte sträflich gezaudert und fiel um wie eine Pappfigur.

Keine Panik

Natürlich hatte der Gegner daran seinen Anteil. Olympique Lyon ist sicherlich keine Mannschaft der Spitzenklasse, aber sie hat taktische Disziplin und kennt ihre Tugenden. Trainer Puel schickte mit dem Wiederanpfiff Källström und Gonalons ins Spiel, zwei Mittelfeldspieler mit viel Luft. Sofort wurden die Räume eng, und die Gäste verlagerten das Geschehen in Richtung Casillas. Eine Zeitlang gab es Chancen auf beiden Seiten, nur dass Lyon mit dem wendigen, immer gefährlichen Delgado frischer wirkte. Der Ausgleich durch Pjanic nach einer sehenswerten Kombination fiel wie eine reife Frucht. Und mit der 75. Minute war das Spiel zu Ende.

„Ich glaube nicht, dass unser Ausscheiden auf körperliche Probleme zurückzuführen ist“, sagte ein gedrückter Manuel Pellegrini danach. „Es lag wohl eher an mangelnder Treffsicherheit in der ersten Halbzeit.“ Dennoch denkt der Real Trainer nicht an Rücktritt, und Generaldirektor Jorge Valdano sprang ihm öffentlich bei. Zur Panik besteht sicherlich kein Anlass. Real Madrid ist lediglich zum sechsten Mal in Folge im Achtelfinale aus der Champions League geflogen. Fabio Capello, Bernd Schuster und drei andere haben es nicht besser gemacht. Man müsse sich jetzt auf den spanischen Meistertitel konzentrieren, sagte Torhüter Casillas. Richtig so. Zu größeren Taten ist dieses Team noch nicht berufen.

Kontinuität fehlt

Doch es gäbe einige Lehren aus dem Scheitern des galaktischen Neuaufgusses zu ziehen. In den letzten sechs Jahren durfte nur ein einziger Coach – Bernd Schuster – länger als zwölf Monate auf der Trainerbank verweilen. Die hysterische Madrider Sportpresse, allen voran das Blatt „Marca“, das täglich eine halbe Million Exemplare verkauft, übt einen höchst ungesunden Druck auf den Verein aus.

Das Spiel war kaum abgepfiffen, da stand im Internet bereits der Kampagnenruf, der am nächsten Morgen die Kioske beherrschen würde: „Adios, Champions! Adios, Pellegrini!“ Zugleich wurden die Leser aufgefordert, über den Verbleib des Trainers abzustimmen. Immerhin scheinen sie klüger zu sein als die Zeitung: Eine Zweidrittelmehrheit fand, Manuel Pellegrini solle bleiben. Es wartet Arbeit auf ihn.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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