09.06.2009 · Der neue Präsident von Real Madrid präsentiert das erste Geschenk für die Fans: Kaká kommt für 65 Millionen Euro Ablöse, doch das soll erst der Anfang sein. Perez war einst auch Architekt des Zidane-Transfers und der Beckham-Sensation.
Von Paul Ingendaay, MadridFlorentino Pérez macht dort weiter, wo er im Jahr 2006 aufgehört hat, nur größer, schöner und spektakulärer. Die Welt soll den Atem anhalten, und vielleicht werden wir schon bald wieder von den „Galaktischen“ hören, jenem sonderbaren Wort, das bei Real Madrid anfangs eine glorreiche Etappe bezeichete und am Ende zu Hohn und Spott verkam. Ja, Pérez ist wieder da. Der Architekt des Zidane-Transfers und der Beckham-Sensation. Noch keine ganze Woche im Amt, hat der Präsident von Real Madrid schon den wichtigsten Namen der frischen Einkaufsliste abgehakt und den Fans ein Geschenk gemacht: Kaká, der brasilianische Star des AC Mailand, hat bei Real für eine Transfersumme von 65 Millionen Euro einen Sechsjahresvertrag unterschrieben. Er wird im Jahr neun Millionen Euro netto verdienen.
Nach der ärztlichen Untersuchung sagte der Mittelfeldspieler, der Wechsel nach Madrid sei für ihn eine große sportliche Herausforderung. „Real wird in Spanien und Europa wieder eine Hauptrolle spielen.“ Auch für seinen früheren Arbeitgeber fand der Weltfußballer des Jahres 2007 warme Worte. „Mailand hat einige wirtschaftliche Probleme, und wenn ich durch meinen Weggang helfen kann, wunderbar.“
Er wollte einen Bannerträger für Reals Auferstehung
Gemessen daran, dass es sich hier nach Zidane um den zweitteuersten Transfer der Geschichte handelt, gingen die Verhandlungen nicht allzu neurotisch vonstatten. Mailands Vereinspräsident Silvio Berlusconi zierte sich zwar ein bisschen, weil er das Ergebnis des Deals ungern vor den Europawahlen bekanntgeben wollte; über mehrere Tage hinweg kam es zu Protesten enttäuschter Milan-Fans. Doch die Details sollen schon seit einem Monat ausgehandelt sein, und wieder einmal scheint Florentino Pérez der einzige Mann weit und breit zu sein, der mit Stil richtig viel Geld ausgeben kann und im Allgemeinen bekommt, was er will.
Er wollte einen Bannerträger für Reals Auferstehung. Jetzt hat er ihn. „Kaká ist einer der großen Spieler, die es auf dem Markt gibt“, ließ sich Pérez vernehmen, als die Verpflichtung bekanntgegeben wurde, „und so viele sind das auch nicht.“ Generaldirektor Jorge Valdano bezeichnete Milans ehemalige Nummer 10 als „einen der besten Spieler der Welt“.
Doch die Vereinsführung hat mehr als eine Angel im Wasser, und vorläufig besteht keine Gefahr, dass dem Publikum das Staunen vergeht. Denn Einkauf Nummer zwei heißt David Villa, Sturmspitze des unter seiner Schuldenlast ächzenden FC Valencia und Torschützenkönig der vergangenen Europameisterschaft. Schon in den nächsten Tagen, so das spanische Sportblatt „Marca“, werde der Wechsel Villas nach Madrid für rund 38 Millionen Euro plus erfolgsabhängige Prämien bekanntgegeben. Auch Villas Vereinskamerad Silva soll auf Pérez' Wunschliste stehen.
Projekt der „Hollandisierung“ stillschweigend begraben
Schaut man auf das sich immer schneller drehende Personalkarussell, nimmt Real Madrid gerade einen grundsätzlichen Richtungswechsel vor, den sich kein anderer Verein der Welt leisten könnte. Der neue argentinische Generaldirektor Valdano hat es mit dem neuen chilenischen Trainer Manuel Pellegrini und dem frisch verpflichteten brasilianischen Star Kaká zu tun. Die Wiederbelebung der lateinamerikanischen Komponente erinnert an die besten Tage von Redondo, Roberto Carlos, Ronaldo und Robinho. Und warum nicht gleich an die legendäre Präsenz des großen Alfredo Di Stéfano, den niemand anderer als Pérez zum Ehrenpräsidenten ernannte?
Dagegen wird das von Bernd Schuster begonnene Projekt der „Hollandisierung“ Real Madrids stillschweigend begraben. Der lange verletzte Mittelstürmer Ruud van Nistelrooy trainiert zwar schon wieder, doch ob der bald Dreiunddreißigjährige sich einen Platz in der neuen Mannschaft erkämpfen kann, steht dahin. Sein Landsmann Royston Drenthe jedenfalls wird gehen müssen. Und die Namen der niederländischen Mittelfeldspieler Sneijder und van der Vaart werden als Tauschobjekt beim nächsten großen Poker gehandelt.
Im Grunde keine Ausgaben, sondern Investitionen
Dieses Geschäft betrifft Bayern-Star Franck Ribéry, für den Franz Beckenbauer mindestens 60 Millionen Euro und einen der Niederländer als Draufgabe fordert. Sicherlich mehr, als Pérez zu zahlen gewillt ist. Vorläufig tasten sich die Verhandlungspartner noch ab. Ribéry sei zusammen mit Cristiano Ronaldo und Messi einer der besten Spieler der Welt, schrieb Beckenbauer in der „Bild“-Zeitung. Entweder Bayern München verlängere seinen Vertrag oder man lasse ihn gehen. Doch das sei für die Bundesliga ein herber Verlust.
Florentino Pérez könnte ihn leicht verschmerzen. Allen Kritikern seiner Scheckbuchpolitik hält der Präsident entgegen, die teuersten Stars seiner früheren Amtszeit hätten das meiste Geld eingespielt. Im Grunde seien sie keine Ausgaben, sondern Investitionen. Und etwas daran stimmt: Mit Zidane & Co. hat der Klub seine Einnahmen von hundert auf rund vierhundert Millionen Euro im Jahr gesteigert. Dennoch wüsste man allmählich gern, wer denn den Real-Nachwuchs betreuen soll. Den gibt es nämlich auch noch. Man müsste sich nur irgendwann darum kümmern.
Kaka steigt mit dem Transfer vom AC Mailand zu Real Madrid zum zweitteuersten Fußballer der Geschichte auf. Die Königlichen legen für den Weltfußballer von 2007 und Weltmeister von 2002 angeblich 65 Millionen Euro auf den Tisch. Nur einmal wurde eine höhere Ablöse gezahlt: Zinedine Zidane von Juventus Turin leistete sich Real 2001 für 76 Millionen Euro. - Die Liste der teuersten Fußball-Transfers (Angaben in Millionen Euro):
1. Zinedine Zidane 2001 Juventus Turin - Real Madrid 76,0
2. Kaka 2009 AC Mailand - Real Madrid 65,0
3. Luis Figo 2000 FC Barcelona - Real Madrid 58,2
4. Hernan Crespo 2000 AC Parma - Lazio Rom 56,5
5. Gaizka Mendieta 2001 FC Valencia - Lazio Rom 48,0
6. Ronaldo 2002 Inter Mailand - Real Madrid 45,0
7. Rio Ferdinand 2002 Leeds United - Manchester U. 45,0
8. Juan Sebastian Veron 2001 Lazio Rom - Manchester U. 44,5
9. Christian Vieri 1999 Lazio Rom - Inter Mailand 42,6
10. Filippo Inzaghi 2001 Juventus Turin - AC Mailand 41,2
Paul Ingendaay Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.
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