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Real Madrid Die Firma

Real Madrid hat aus Fußball ein globales Geschäft gemacht. Es kann sich die teuersten Spieler der Welt leisten, aber keine Niederlage. Dazu muss aus lauter Stars eine Mannschaft werden. Wie soll das gehen?

© AFP Vergrößern Verlieren verboten: Cristiano Ronaldo nach der 0:1-Niederlage Madrids gegen Barcelona

Wenn wir morgens aufwachen, liegen die Zeitungen, die sich mit unserem Klub beschäftigen, schon an den Kiosken Madrids. Männer auf dem Weg zur Arbeit legen einen Euro hin und nehmen sich die Blätter mit den roten Balkenbuchstaben auf der Titelseite mit in die Metro, den Bus, die Bars und Büros. Die frischen Nachrichten verbreiten sich in einer täglichen Auflage von einer halben Million, Sonntage eingeschlossen. Sie werden von Bauarbeitern gelesen und Taxifahrern, Bäckern und Computeringenieuren, von Schülern ebenso wie von Pensionären in Strickwesten.

Am späteren Nachmittag sind die öffentlich ausliegenden Zeitungen von Fettflecken gezeichnet, weil so viele Finger sie umblättern, die kurz vorher das Olivenöl vom Teller getupft haben. Auch spätabends sind sie noch aufzutreiben, während schon längst die Ausgabe des nächsten Tages im Kasten ist. Es ist egal, wir lesen alles, zu jeder Zeit. Wenn es um unseren Klub geht, baden wir in einem kontinuierlichen Nachrichtenstrom.

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Die tägliche Dosis

Unser Klub ist Real Madrid, offiziell der berühmteste Fußballverein des vergangenen Jahrhunderts und damit logischerweise des vergangenen Jahrtausends. Nehmen wir einen gewöhnlichen Tag, an dem weder ein Spiel ansteht noch ein Rekordtransfer zu melden ist. Selbst an einem solchen Tag bringt die Sportzeitung "Marca" über unseren Klub zehn volle Seiten. "As" tut dasselbe. Deshalb müssen auch die gewöhnlichen Tageszeitungen den Lesern eine tägliche Dosis Real Madrid liefern.

Zidane bei Real-Präsentation © dpa Vergrößern Mit Rekordablöse zu Real: Zinedine Zidane

Wir erfahren, welcher Spieler gestern beim Training guter Laune war und wen es im linken Wadenmuskel gezwickt hat. Wir lesen die Bulletins der Vereinsärzte, betrachten ein Knie in Großaufnahme, an dem das bloße Auge nichts zu erkennen vermag, und lauschen den vorsichtigen Analysen des Trainers. Zwischendurch grübeln wir über einen Artikel im Feuilleton nach, in welchem der Chef der Kulturbeilage fragt, ob Real Madrid spielen wolle wie Shakespeare oder Echegaray. Sie werden sich fragen, wer Echegaray war. Genau darum geht es. Niemand, so der Chef der Kulturbeilage, dürfe spielen wollen wie Echegaray, der heute vergessene spanische Literaturnobelpreisträger von 1904. Unterhalb von Shakespeare machen wir es in unserem Klub nicht.

Grübeleien

In den letzten Jahren allerdings sind unsere Gefühle für den Klub gestört, wenn nicht erschüttert worden. Uns wurde klar, dass aus unserem Klub eine Firma geworden ist. Wir lasen von verschwendeten Millionenbeträgen. Von Betrug bei der Präsidentenwahl. Manche von uns sehen darin ein notwendiges Übel und machen sich keine weiteren Gedanken darüber. Wir anderen jedoch fragen uns gelegentlich, ob die Firma, die so viele Angelegenheiten unseres Klubs lenkt, gut geführt ist.

Diese Frage ruft weitere Spekulationen hervor. Ist das Tor, das unser rechter Außenstürmer am letzten Wochenende erzielt hat, Ausdruck einer guten Firmenpolitik? Verdankt es sich der Motivation durch den Trainer? Oder hat unser Spieler einfach nur gut gefrühstückt? Seit wir um die vielfältigen Manöver der Firma wissen, sehen wir den Klub mit anderen Augen.

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