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Madrider Champions-League-Finale : Die Teuersten gegen die Tapfersten

Anscheinend nicht die besten Freunde: Cristiano Ronaldo (links) und Diego Costa Bild: picture alliance / dpa

Das Champions-League-Finale ist ein Madrider Stadtderby zwischen Real und Atlético. Einen Favoriten gibt es nicht. Eines ist schon vorher klar: Der nächste König Europas wird ein würdiger sein.

          Es ist das Finale der Mutigen. Der beiden Mannschaften, die auf den letzten Metern einer langen Saison noch nicht genug haben und neben Können, Disziplin und Solidarität auch noch ein paar Pfund Leidenschaft in die Waagschale werfen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Die auswärts nicht spekulieren, sondern bei den vermeintlichen Favoriten ihre größten Heldentaten abliefern: Real Madrid mit dem historischen 4:0 in München und am Tag darauf der Lokalrivale Atlético mit einem staunenerregenden 3:1 beim FC Chelsea – jenes Atlético Madrid, das sein letztes Endspiel in der Königsklasse vor vierzig Jahren gegen die Bayern verlor. Der Stachel sitzt immer noch im Fleisch.

          Erstmals in der Geschichte der Champions League wird das Finale, am 24. Mai in Lissabon, ein Lokalderby sein. Und darin liegt eine gewisse Folgerichtigkeit. Zum einen haben die beiden Teams das dramatischste Trainerduell der letzten Jahre – Pep Guardiola gegen José Mourinho – vom Spielplan gestrichen und durch ein neues ersetzt: Carlo Ancelotti gegen Diego Pablo Simeone.

          Zum anderen haben sie, jeder mit den ihm gemäßen Waffen, die beiden letzten Champions-League-Gewinner in ihren eigenen Stadien düpiert. Selbst Chelsea-Coach Mourinho gab nach dem 1:3 seines Teams, das nie die Cleverness vergangener Jahre ausgestrahlt hatte, unumwunden zu: „Real Madrid war besser als Bayern und Atlético besser als Chelsea. Sie haben das Finale verdient.“

          Bilderstrecke

          Die letzten Wochen haben gezeigt, dass ein paar Kleinigkeiten – ein falscher Satz, ein Gran Einbildung, das übertriebene Bewusstsein eigener Stärke – eine ganze Saison kippen können. Sogenannte Expertenmeinung sah sich dabei mehr als einmal widerlegt.

          Erkennbar war früh, dass der FC Barcelona als einer der Granden Europas abgedankt hatte und der Rundumerneuerung harrt. An seine Stelle schien der Triple-Gewinner FC Bayern getreten zu sein. Doch in den entscheidenden Matches waren die Münchener nicht anwesend. So raffiniert deren Fußballkultur über viele Monate aussah, am Ende entwich Luft aus dem Guardiola-Projekt, der Ballon sank.

          Ist Real Madrid, der Klub der teuersten Spieler der Welt, Cristiano Ronaldo und Gareth Bale, deshalb auch der beste Klub der Welt? Den Ehrentitel wollte Atlético-Verteidiger Filipe Luis dem Rekordmeister, der nach der ersehnten „Décima“ greift, umhängen. Doch die Krone gebührt eher den „Colchoneros“ aus dem Madrider Süden: dem mutmaßlichen neuen spanischen Meister, dem nachweislich tapfersten Team der Saison, von dem schon lange – bisher fälschlich – vermutet wird, ihm werde demnächst die Puste ausgehen.

          Wie Atlético die Beschränkungen des Budgets überwunden hat und dank der Leidenschaft von Trainer Simeone um die wichtigsten Titel mitspielt, verrät beispiellosen Einsatz, Feuer und Hingabe. Deshalb kennt das Finale von Lissabon keinen Favoriten. Jeder der beiden Madrider Klubs kann es schaffen. Jeder hat sich im Lauf der Spielzeit schon einmal gegen den anderen durchgesetzt – Real in der Copa del Rey, Atlético in der Primera División. Der nächste König Europas wird ein würdiger sein.

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