04.07.2010 · Argentinien erwacht aus einem Albtraum: Nach der 0:4-Niederlage gegen Deutschland herrscht tiefe Betroffenheit in Buenos Aires. Der Schuldige scheint aber schon gefunden - und ein kleiner Trost auch.
Von Josef Oehrlein, Buenos AiresGanz langsam, wie in Zeitlupe, erwacht Argentinien aus einem Albtraum. „Es gibt Schlimmeres“, tönt es tröstend aus den Hauseingängen, erst ganz allmählich füllen sich die Straßen vom Buenos Aires am Samstag zur Mittagszeit wieder. Während des WM-Spiels gegen Deutschland war die ansonsten so wuselige Kapitale Argentiniens noch eine Geisterstadt gewesen.
Aber das 0:4 hat die Argentinier zutiefst getroffen. Das vierte Tor der Deutschen empfanden sie als Demütigung. Und der von allen gepriesene und gehätschelte Star Messi hatte es nicht mal geschafft, wenigstens ein Ehrentor zu schießen. Dabei waren die Hoffnungen zuletzt ins Unermessliche gestiegen. Einen haushohen Sieg gegen Deutschland hatten manche Argentinier prophezeit.
An der Riesenleinwand im Zentrum an der Avenida 9 de Julio bröckelte das Publikum während der zweiten Halbzeit merklich ab. Griesgrämig packten die fliegenden Händler ihre weißblauen Devotionalien zusammen. Vor vier Jahren war die Situation ähnlich – und doch wieder ganz anders. Damals schied Argentinien auch im Viertelfinale gegen Deutschland aus, aber erst nach Elfmeterschießen.
An dem neuerlichen Sieg der deutschen Elf konnten nun auch die härtesten Fans nichts deuteln. Immer wieder ist von einem „Torgewitter“ die Rede. Dabei gab es auch Argentinier, die die Tragödie hatten kommen sehen. Doch auf sie wollte kaum jemand hören. Während des Spiels wurden sie bestätigt, als die Schwächen von Maradonas Mannschaft immer mehr zu Tage traten. Löws Elf habe erbarmungslos die „Misere“ des argentinischen Teams aufgedeckt und gezeigt, dass sie nicht rein zufällig ein ernsthafter Favorit sei, konstatierten die Kritiker.
Und Maradona? In einer Blitzumfrage machten mehr als die Hälfte seiner Landsleute sein taktisches Konzept für die Niederlage verantwortlich – oder vielmehr die Tatsache, dass er wohl tatsächlich keines hatte und immer nur darauf vertraute, mit 23 Stars und seinen magischen Kräften lasse sich der Durchmarsch ins Finale schon richten. Die allgemeine Begeisterung, in der man Maradona alles nachsah, ist von einer Minute zur anderen in Enttäuschung umgeschlagen. Einziger Trost für Argentinien: Auch der Erzrivale Brasilien ist ausgeschieden.
Mit dem VERLIEREN ....
kurt richard (kurtrichard)
- 04.07.2010, 12:46 Uhr
3 Weltklassesturmer reichen nicht allein / Faire sportliche Verlierer
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 04.07.2010, 14:42 Uhr
Hochmut?
chris lopp (hiairbaer)
- 04.07.2010, 15:26 Uhr
Hochmut bei der deutschen Mannschaft...
Marvin Parsons (mapar)
- 04.07.2010, 15:53 Uhr
Mach mir den Maradona
Frank Hollenbach (zveti)
- 04.07.2010, 16:40 Uhr
Josef Oehrlein Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.
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