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1:0 gegen Marseille : Hohes Tempo, wenig Präzision bei RB Leipzig

  • -Aktualisiert am

Herausragend: der Torschütze des Tages heißt Werner (Mitte) Bild: AP

Werner sei Dank: RB Leipzig darf nach dem ersten internationalen Zu-Null-Sieg der noch jungen Vereinsgeschichte auf den Einzug in das Halbfinale der Europa League hoffen.

          Leipzig hatte sich herausgeputzt für diese Europapokalnacht. In der Kurve gab es eine bunte Choreografie der Fans und spätestens als die Aufstellung der Franzosen verlesen wurde, hauchte der kühle Aprilwind Gedanken von ganz großem Fußball durch die zugige Arena, hinein in die Köpfe der 34.043 Zuschauer. Bei Olympique Marseille stand am Donnerstagabend einer im Tor, der auf den Namen Pelé hört. Yohann zwar mit Vornamen, Franzose von Geburt, aber immerhin. Nur war dieser Pelé kein Künstler auf seinem Gebiet wie einst sein brasilianischer Namensvetter. Beinahe mit dem Halbzeitpfiff leitete er die Niederlage seiner Mannschaft ein, als er einen nicht sonderlich plazierten und nicht sonderlich harten Schuss von Timo Werner einfach unter sich durchrutschen los.

          Am Ende gewann RB Leipzig dieses Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Marseille 1:0 und besitzt beste Chancen auf den Einzug ins Halbfinale. Das Rückspiel findet am kommenden Donnerstag in Marseille statt. „Wir müssen dann noch einmal so ein Spiel wie heute machen“, sagte Offensivspieler Emil Forsberg bei Sport1. „Das war eine harte und enge Partie mit vielen Zweikämpfen. Das 1:0 ist ein gutes Ergebnis.“ Torschütze Werner erklärte: „Am Ende waren wir platt, es war eine intensive Begegnung.“

          Europa League

          Pelés Lapsus gehörte zu der Art von Fehlern, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen, weil sie Spiele zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften, wie es Leipzig und Marseille im ersten Aufeinandertreffen waren, entscheiden können. Die Chance, seinem alltäglichen Schattendasein zu entgehen, konnte Pelé somit nicht nutzen. Normalerweise ist er nur Ersatz für Nationaltorwart Steve Mandanda, der fiel am Donnerstag aber ebenso verletzt aus wie die angestammte Innenverteidigung der Franzosen.

          Marseilles Trainer Rudi Garcia entschied sich zur Kompensation für eine Dreierkette mit dem ehemaligen Bundesliga-Spieler Luiz Gustavo in der Mitte, was eine Halbzeit lang auch gut funktionierte. Leipzig benötigte zwanzig Minuten, um ins Spiel zu finden. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl hatte mit der Aufstellung von Forsberg, Bruma, Augustin und Werner extrem viel Geschwindigkeit auf den Platz gebracht, aber in der Anfangsphase fehlte es ihnen allen an Präzision.

          Aussichtsreiche Kontergelegenheiten wurden ungewohnt unsauber ausgespielt. Vor allem Nabi Keita und Bruma sind diesbezüglich zu nennen. Die Gastgeber waren vor allem dann gefährlich, wenn es über die rechte Angriffsseite mit Forsberg und Werner ging. Marseilles Boubacar Kamara und vor allem Jordan Amavi hatten dort große Probleme. Amavi wusste sich oft nur mit Fouls zu helfen.

          Torschütze des Abends: Timo Werner
          Torschütze des Abends: Timo Werner : Bild: dpa

          Obwohl sich beide Mannschaften lange keine klaren Chancen erspielen konnten, entwickelte sich über eine Stunde eine sehr temporeiche Begegnung mit ständigem Auf- und Ab. Kurz vor dem Führungstreffer durch Werner hatte Augustin versucht, auf ziemlich plumpe Weise einen Elfmeter zu schinden. Marseille kam im Gegenzug zu zwei guten Schussmöglichkeiten, ehe Werner nach abermaligem Konter traf. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Franzosen bereits in Führung liegen müssen. Beim Versuch von Bouna Sarr rettete aber die Latte für Leipzig (42.).

          Marseille besaß auch nach dem Seitenwechsel die besseren Möglichkeiten. Der sehr starke Argentinier Lucas Ocampos und Dimitri Payet hätten innerhalb von 70 Sekunden den Ausgleich erzielen müssen (56. und 57.). Hasenhüttl reagierte und brachte für Angreifer Augustin den Mittelfeldspieler Kevin Kampl. Nur wenig später musste der bis dahin sehr agile Konrad Laimer verletzt raus.

          Den Franzosen schienen in der Schlussphase Kraft und Wille zu fehlen, am Ergebnis noch etwas drehen zu können und die veränderte Leipziger Elf stärker unter Druck zu setzen. Im Gegenteil, RB kam durch Werner noch zu einer guten Gelegenheit, im Anschluss an einen Konter (77.).

          So lässt das Ergebnis für beide Mannschaften noch alles offen. Marseille riskierte am Ende nicht mehr, zumal die Mannschaft in dieser Saison zumeist extrem heimstark auftritt. Vier der fünf Begegnungen im Stade Velodrom konnten gewonnen werden, nur eins endete Unentschieden. Ein Remis in einer Woche würde Leipzig freilich ins Halbfinale bringen.

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