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Fußball-Talentreport (4) : Der neue Maßstab heißt RB Leipzig

„Andere Vereine machen das genauso“: Leipzigs Nachwuchschef Frieder Schrof

Die Demokratie beginnt früh in Leipzig. Einige der Jungs sind gerade Teenager, wenn sie vor die Entscheidung gestellt werden, sich dem RB-Konzept mit Haut und Haaren zu verschreiben. Aber früher als bei vielen anderen Klubs geschieht das auch nicht. Und es ist natürlich kein Geheimnis, dass bei Jugendwechseln vor allem in den älteren Jahrgängen extrem hohe Summen fließen, sechsstellige Beträge für U-15-Spieler gehören dazu. In Deutschland gibt es nicht viele Klubs, die sich das leisten können. Aber trotzdem ist das nichts Besonderes im Jugendgeschäft, schon gar nicht bei großen europäischen Klubs. Und das ist der Leipziger Maßstab.

Man kann also nicht behaupten, dass RB Leipzig im Kampf um Talente Dinge macht, die kein anderer Klub macht. Einen Unterschied gibt es allerdings schon: Leipzig zieht alles im großen Stil durch - und konsequenter als viele andere. Das fängt bei der radikalen Spielidee an und setzt sich im riesigen und hochmodernen Leistungszentrum für über dreißig Millionen Euro fort. Es wird Maßstäbe setzen. Vom kommenden Sommer an können dort fünfzig Spieler in einem Internat leben, mehr als an jedem anderen Bundesligastandort.

RB will eine Macht im deutschen Fußball werden

Wenn man die beiden Trainer nach ihren schönsten Momenten in Leipzig fragt, sagt Albeck: „Für mich sind Erfolgsmomente, wenn der Sportdirektor sagt: ,Ich habe heute das Spiel unserer Nachwuchs-Mannschaft gar nicht anschauen müssen. Ich habe die Augen geschlossen und zugehört, wie die Jungs spielen.’ Es ist ein toller Erfolg, wenn wir es schaffen, unsere Philosophie auf dem Platz so umzusetzen, dass man sie sich gar nicht mehr anschauen muss, sondern schon hören kann.“ Es sind vielleicht genau diese Geräusche aus dem Leipziger Maschinenraum, die das passende Symbol sind, um die Arbeit von RB Leipzig zu beschreiben: Den Einzelnen muss man am Ende gar nicht mehr sehen - es ist nur wichtig, dass man hört, dass die Maschine rundläuft.

Es gibt in Deutschland keinen anderen Verein, der seine Fußball-Maschinerie mit größerem Aufwand, größer Zielstrebigkeit und größerer Konsequenz angeworfen hat und nun ständig auf Hochtouren hält als RB Leipzig. In der Jugend sieht man schon im Kleinen, was daraus im Großen noch werden soll: eine Macht im deutschen Fußball. In der Saison 2009/2010 gab es beim im Mai 2009 gegründeten Klub nur vier Jugendmannschaften, mittlerweile sind es 17 Teams. Die Mannschaften steigen ständig auf. „Das kann man nur schaffen, wenn man akribisch mit den vorhandenen Spielern arbeitet und zudem versucht, seinen Kader ständig neu zu verstärken mit noch besseren Spielern, um das Niveau nach und nach zu erhöhen“, sagt Albeck. „Aber auch, weil wir unser Ausbildungskonzept gezielt auf die Trainer übertragen. Wir haben hier spezielle Trainerausbilder, die ein durchgängiges Konzept von der Profimannschaft bis in die U8 an die Trainer der jeweiligen Mannschaften weitergeben.“

„Wir haben hier spezielle Trainerausbilder“: Thomas Albeck, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums

Die schwäbische Stringenz - Dinge, von denen man überzeugt ist, konsequent durchzuziehen - haben sich bei RB Leipzig mit den Selfmade-Vorstellungen von Firmengründer Mateschitz verbunden. So entsteht jeden Tag enorm viel Tempo, aber auch viel Druck. Da kommen nicht alle mit. Weder in der Profiabteilung, die so schnell wie möglich in der Bundesliga und dann in der Champions League spielen soll, noch in der Nachwuchsarbeit. Immer wieder fallen Spieler und auch Trainer aus dem RB-System. Auch das gehört zum Plan. „Die Dynamik in unserem Nachwuchs ist schon so, dass manche Trainer und Spieler damit gerade in der Anfangszeit überfordert waren“, sagt Albeck.

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