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2:5 in Marseille : Das Ende der Leipziger Europa-Träume

Das Aus im Viertelfinale: Olympique Marseille war RB Leipzig um Yussuf Poulsen am Ende eine Nummer zu groß. Bild: Reuters

Leipzig führt früh und verliert am Ende doch deutlich. Olympique Marseille war den Bullen im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League eine Nummer zu groß. Insbesondere ein Mannschaftsteil schien dabei zeitweise überfordert.

          Europapokal-Debütant RB Leipzig hat das Halbfinale der Europa League nach einem kämpferisch starken aber defensiv enttäuschenden Auftritt in einer zeitweilig atemraubenden Begegnung verpasst. Die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl verlor das Viertelfinal-Rückspiel bei Olympique Marseille nach einer frühen Führung noch 2:5.

          Europa League
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach dem perfekten Start durch einen Treffer von Bruma (2. Minute) und dem 1:0 aus dem Hinspiel im Rücken fiel Leipzig dennoch innerhalb kurzer Zeit auseinander. Ein Eigentor von Ilsanker (6.), ein Kontertor von Sarr (9.) und ein Treffer von Thauvin nach einer Standardsituation (38.) wendeten in der ersten Halbzeit die Partie zugunsten der Franzosen. Nach der Pause brachte Augustin (55.) Leipzig kurzzeitig wieder auf den richtigen Weg, aber Payet traf kurz darauf zum 4:2 (60.). Diesen Vorteil ließ sich Olympique in der letzten halben Stunde nicht mehr nehmen – und erhöhte in der 94. Minute durch Sakai sogar noch auf 5:2, der zum Schlusspunkt in ein verlassenes Leipziger Tor traf.

          „Wir sind raus, mit Applaus. Mit vielen Toren, die wir gemacht haben, aber noch mehr, die wir bekommen haben. Wer so viele Fehler macht wie wir heute, hat es nicht verdient weiterzukommen. Es war sicher eine Riesenchance, die wir hier vertan haben“, sagte Hasenhüttl nach dem Aus. „Wir hatten eine richtig gute Chance auf das Weiterkommen. Nach zwei Minuten haben wir schon das Tor erreicht, dann aber alles weggeworfen. Solche Fehler darf man international nicht machen. Das ist sehr bitter, da war viel drin“, sagte RB-Torhüter Peter Gulacsi und haderte mit der Defensivarbeit seiner Vorderleute: „Eine Spitzenmannschaft kann nicht so verteidigen.“ Auch Kevin Kampl war niedergeschlagen: „Das Halbfinale wäre drin gewesen. Das war zu wenig.“

          Drei Tage nach dem bitteren 1:4 gegen Leverkusen hatte Leipzig auf Nationalstürmer Werner, der an sechs der sieben Leipziger Europa-Leauge-Tore beteiligt war, wegen Muskelbeschwerden im Oberschenkel verzichten müssen. Aber das machte zunächst nichts. Nach nur 111 Sekunden hatte RB sein erstes Ziel an diesem Abend erreicht. Nach einer Kombination über Keita und Augustin landete der Ball im Strafraum bei Bruma, der aus rund zehn Metern zum 1:0 traf. Damit war klar: Marseille benötigte nun mindestens drei Tore, um erstmals nach dreizehn Jahren eine Hinspiel-Niederlage im Europapokal noch in einen Gesamterfolg zu verwandeln.

          Schon nach vier Minuten war Marseille diesem neuen Ziel ein Stückchen näher gekommen. Nach einem Eckball konnte Torwart Gulacsi einen von Mitroglou abgelenkten Ball gerade noch abwehren, aber dann prallte der Ball von Ilsanker ins eigene Tor (6.). Und drei Minuten später schien das Stade Velodrome zu explodieren. Leipzig wurde nach einem eigenen Eckball blitzschnell und sehenswert über Payet ausgekontert. Thauvin nahm die Flanke an der Strafraumgrenze volley, Gulacsi wehrte diesen Schuss ebenso wie den Nachschuss ab. Selbst dann hatte die Leipziger Defensive die Orientierung noch nicht wieder erlangt – und Sarr traf aus rund fünf Metern im dritten Versuch zum 2:1. Damit war eine der spektakulärsten Anfangsphasen in dieser Europapokal-Saison perfekt und noch nicht zu Ende.

          Denn Marseille hatte noch längst nicht genug vom Spektakel und schien Leipzig mit seinem Powerfußball zu erdrücken. In der 17. Minute erzielte Payet mit einem herrlichen Schuss aus über zwanzig Metern den dritten Treffer, doch der Schiedsrichter erkannte das Traumtor nicht an, weil Mitroglou ein paar Meter davon entfernt seinen Gegenspieler Ilsanker umgerissen hatte. Der Jubelsturm im Stadion legte sich, und auch der Schwung der Franzosen auf dem Rasen ließ nach.

          Es war dann die altbekannte Leipziger Schwäche bei Standardsituationen, die RB schon in der Champions League um den Erfolg brachte, die den internationalen Neuling auch in Marseille einholte. Bei Payets Freistoßflanke in der 38. Minute konnte Thauvin den Ball nahezu unbedrängt aus fünf Metern ins Tor schieben. Das 3:1 zur Pause war der verdiente Lohn eines nach dem Rückstand zunächst famosen Auftritts der Franzosen – und einer abermaligen Leipziger Überforderung. Am Montag hatte Leverkusen nach einem 0:1-Rückstand das Team von Hasenhüttl auseinandergenommen, nun machte es Marseille genauso.

          Nach dem Wechsel konnte Leipzig von Glück sprechen, nicht sofort aussichtslos in Rückstand geraten zu sein. Doch wie in der ersten Halbzeit gab sich RB auch in schwieriger Situation noch nicht geschlagen und nutzte wieder seine erste Chance. Eine schöne Vorarbeit von Keita schloss Augustin ebenfalls erstklassig zum 3:2 ab (55.). Auch nach diesem Leipziger Tor, der für das Halbfinale gereicht hätte, ging es weiter, wie es in der ersten Halbzeit begonnen hatte – mit einer erstklassigen Reaktion von Marseille. Diesmal war es Payet, der fünf Minuten später mit dem Außenrist in den Torwinkel zum 4:2 traf (60.). Der Leipziger Wille, ein drittes Tor zu erzwingen, war da. Aber mehr nicht. Im Gegenteil. Als Torwart Gulacsi in der 94. Minute seine Position beim Leipziger Eckball verließ, nutzte Sakai den Konter auf ein leeres Tor zum 5: 2.

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