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Raymond Domenech Ribéry „eine empfindliche Diva“

Nach der „Skandal-WM“ 2010 hüllte sich der damalige französische Nationalcoach Raymond Domenech vorwiegend in Schweigen. In einem Buch schießt er sich nun dafür umso schärfer auf viele frühere Schützlinge ein. Die Reaktionen lassen nicht auf sich warten.

© dpa Raymnond Domenechs berühmteste Rede: Bei der WM 2010 liest er den Protestbrief der Mannschaft vor

Der „verrückte Fußball-Professor“ bläst zum Angriff. Frankreichs umstrittener früherer Nationaltrainer Raymond Domenech hat seinen Landsmann Franck Ribéry und weitere ehemalige Schützlinge scharf attackiert.

Der Profi des FC Bayern München habe schon 2009 mit der „Einstellung einer empfindlichen Diva“ die Chemie der französischen Auswahl immer mehr „verdorben“, schreibt Domenech in seinem Buch „Tout Seul“ (Ganz allein). Medien veröffentlichten am Montag in Paris im Voraus Auszüge des Werks, das auf Tagebucheinträge des Trainers basiert und am Mittwoch in Frankreich in die Läden kommen soll.

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Domenech war nach dem Vorrunden-Aus der Franzosen bei der WM 2010 in Südafrika von Laurent Blanc abgelöst worden. Seitdem trainierte er kein Profiteam mehr, gab kaum Interviews. Dafür enthüllt er jetzt umso mehr. Der Coach bestätigt etwa frühere Medienberichte, wonach Ribéry im WM-Quartier in Knysna Teamkollege Yoann Gourcuff gemobbt habe.

Nachdem er Gourcuff vor der WM vor versammelter Mannschaft die Rolle des Spielmachers anvertraut habe, habe er in den Augen Ribérys „den Hass, die Verachtung, den Neid gesehen“, schreibt Domenech. „Ein Führungsspieler der EM 2008 hatte mich schon vor Ribéry gewarnt, und ich habe ihm die Schlüssel (des Spiels) anvertraut. Was für ein Idiot bin ich“, zitiert der Coach aus einem Tagebucheintrag kurz nach der 0:2-Schlappe im WM-Gruppenspiel gegen Mexiko.

In seinem neuen Buch fühlt sich Domenech „ganz allein“ - viele neue Freunde dürfte er nicht hinzugew © AFP Vergrößern In seinem neuen Buch fühlt sich Domenech „ganz allein“ - viele neue Freunde dürfte er nicht hinzugewinnen

Der 60-Jährige kritisiert aber nicht nur Ribéry. Gourcuff habe nicht gekämpft. Mittelfeldmann Samir Nasri (Manchester City), der zuletzt auch bei der EM 2012 unter Blanc negativ aufgefallen, danach sogar gesperrt worden war und von Blanc-Nachfolger Didier Deschamps bisher nicht berücksichtigt wurde, symbolisiere, so Domenech, jene Spieler, die „nur an sich selbst denken“.

Klare Worte findet der Trainer auch zu Stürmer Nicolas Anelka, der Domenech 2010 in der Halbzeit des Mexikospiels wüst beschimpfte hatte und daher vorzeitig die Koffer hatte packen müssen: Anelka habe das Team „getötet“.

Domenech sieht „den Hass, die Verachtung, den Neid“ in den Augen von Franck Ribéry © dpa Vergrößern Domenech sieht „den Hass, die Verachtung, den Neid“ in den Augen von Franck Ribéry

Nachdem die Spieler 2010 gegen den Ausschluss von Anelka (heute Shanghai Shenhua) in Knysna mit einem ungewöhnlichen Trainings-„Streik“ protestiert hatten, schreibt sich Domenech in seinem Tagebuch den Frust von der Seele: „Das war’s. Dieser Haufen Idioten ist mir nun völlig schnuppe“. Lob hat Domenech für zwei inzwischen zurückgetretene Spieler übrig. Liliam Thuram sei „rechtschaffen“, Claude Makelele ein „Spieler und ein Mann, von dem alle Trainer träumen“, so der frühere Abwehrspieler.

Domenech coachte die „Bleus“ zwischen 2004 und 2010, führte sie 2006 in Deutschland zur Vizeweltmeisterschaft, erlebte danach aber sowohl bei der EM 2008 als auch bei der WM 2010 sportliche Pleiten, Skandale und Affären. Im September 2010 wurde er als Trainerausbilder des Verbandes fristlos entlassen. Später musste ihm der FFF deshalb eine Entschädigung von knapp einer Million Euro zahlen.

„Das war’s. Dieser Haufen Idioten ist mir nun völlig schnuppe“: Auch Nicolas Anelka spielte eine unr © AFP Vergrößern „Das war’s. Dieser Haufen Idioten ist mir nun völlig schnuppe“: Auch Nicolas Anelka spielte eine unrühmliche Rolle

Heftige Kritik an Domenechs Buch ließ am Dienstag nicht lange auf sich warten. „Die Meinung eines Unfähigen interessiert mich nicht“, erklärte etwa der frühere Nationalspieler Robert Pires. Der 39-Jährige sagte der Zeitung „Le Parisien“, Domenech sei immer ein schlechter Trainer gewesen, der mit einer „unglaublichen Spielergeneration nichts gewonnen“ habe.

Aus dem Buch spreche „purer Groll“. Der Präsident des FFF-Verbandes, Noël Le Graët, meinte unterdessen, die Szene sei nicht unbedingt am Buch interessiert, das Werk sei „eher für ihn (Domenech) wichtig“.

Für wenige Spieler von damals hat Domenech aber auch Lob bereit © dpa Vergrößern Für wenige Spieler von damals hat Domenech aber auch Lob bereit

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
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