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Rassismus im englischen Fußball Entschuldigungsoffensive reicht nicht aus

13.02.2012 ·  Erst löst Kapitän Terry den Rücktritt von Nationaltrainer Capello aus. Dann sorgt ein ausgeschlagener Handschlag für Empörung. Premierminister Cameron fordert ein Gipfeltreffen zum Thema Rassismus im Fußball.

Von Christian Eichler
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Englands Fußball hat mehr als nur ein Problem. Dieses aber macht auch die Spitzen des Staates nervös. Deshalb hat Premierminister David Cameron nun zu einem Gipfeltreffen zum Thema Rassismus im Fußball aufgerufen, das noch in diesem Monat stattfinden soll. Der Regierungschef, so erklärte Kulturminister Jeremy Hunt, sei „sehr, sehr besorgt“, dass der Fußball einen Rückfall „in die schlechten alten Tage“ erleide.

Damit reagierte Cameron auf den verweigerten Handschlag des Uruguayers Luis Suárez gegenüber dem Franzosen Patrice Evra, der zu einer bösartigen Grundstimmung im Duell zwischen Manchester United und dem FC Liverpool (2:1) am Samstag deutlich beigetragen hatte. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Spieler, seit Suárez wegen rassistischer Beleidigung Evras zu einer Sperre von acht Spielen verurteilt worden war. Dass Suárez die ausgestreckte Hand des dunkelhäutigen Franzosen vor Anpfiff ignorierte und damit die Situation eskalieren ließ, entsetzte nahezu alle Beteiligten.

Alex Ferguson, der Trainer von United, nannte Suárez „eine Schande“ und forderte, es solle ihm „nie wieder erlaubt werden, für Liverpool zu spielen“. Kulturminister Hunt nannte den Vorfall „unglaublich deprimierend“. Der Tenor der englischen Medien, bis hin zum Fernsehexperten und früheren Liverpool-Star Alan Hansen, war so eindeutig gegen Suárez gemünzt - und auch gegen Trainer Kenny Dalglish, der auf Fragen nach dem Verhalten seines Spielers wütend und aggressiv reagiert hatte -, dass sich der Klub am Montag zu einer Wiedergutmachungsaktion veranlasst sah. Nach Informationen der BBC kam die Anordnung der raschen, umfassenden Entschuldigungsoffensive von John Henry selbst, dem amerikanischen Klubbesitzer, den das zuletzt arg belastete Image seines Investments sorgen muss.

Verhalten nicht akzeptabel

Sowohl für Suárez („Ich habe einen Fehler gemacht und bedaure, was geschehen ist“) als auch für Dalglish („Ich habe mich nicht so verhalten, wie es einem Liverpool-Trainer angemessen ist, und möchte mich dafür entschuldigen“) hatten die PR-Experten des früheren Rekordmeisters die entsprechend flüssigen Entschuldigungen formuliert - die den Schaden aber auch nicht mehr völlig beheben konnten.

In einer weiteren Erklärung ließ Klubdirektor Ian Ayre mitteilen, Suárez habe den Klub getäuscht, indem er zuvor die Bereitschaft zum Handschlag erklärt hatte. Ihm sei „absolut deutlich gemacht worden, dass sein Verhalten nicht akzeptabel war“. Damit steht bei dem Traditionsklub die Zukunft des Torjägers, für rund 28 Millionen Euro von Ajax Amsterdam gekommen, offenbar in Frage.

Die Affäre ist kein Einzelfall. John Terry, der sich am 9. Juli wegen rassistischer Schmähung eines Gegenspielers vor einem Gericht verantworten muss, wurde vorletzten Freitag vom Verband als Kapitän der Nationalmannschaft abgesetzt, was zum Rücktritt des damit nicht konformen Nationaltrainers Fabio Capello führte. Am Samstag erklärte der Nationalspieler und Kapitän von Manchester City, Micah Richards, er habe seinen „Twitter“-Account wegen massiver rassistischer Beleidigungen geschlossen. Und während Regierungschef Cameron noch im Januar die „Vorbildfunktion“ betonte, die Klubs und Spieler im Kampf gegen Rassismus übernommen hätten, nannte Minister Hunt nach dem Vorfall von Manchester die letzten Monate „einen Rückschritt“.

Es gibt zudem Klagen, dass auch da, wo es nicht um unterschiedliche Hautfarben geht, der Umgangston in englischen Stadien bösartiger geworden sei. Manchmal ist er gar menschenverachtend. So waren am Samstag in der aufgestachelten Atmosphäre von Old Trafford Sprechgesänge zu hören, die den Tod von 96 Liverpool-Fans im Hillsborough-Stadion vor 23 Jahren feierten. Sportminister Hugh Robertson forderte, jede Art von Feindseligkeit zu bekämpfen, die gegnerischen Spielern und Trainern entgegenschlägt: „Das hat keinen Platz in einer modernen Gesellschaft.“

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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