29.10.2007 · Fußballspiele mit Dynamo Dresden gelten schon seit langem als „Hochrisikopartien“. Doch das Ausmaß der Krawalle nach der Partie gegen den 1. FC Lok Leipzig hat eine neue Qualität. Reiner Burger berichtet aus Sachsen.
Von Reiner Burger, DresdenFußballspiele mit Dynamo Dresden gelten schon seit langem als „Hochrisikopartien“. Doch das Ausmaß der Krawalle, die die sächsische Landeshauptstadt am Sonntag vor und nach der Partie zwischen der zweiten Mannschaft des Dresdner Traditionsvereins und dem 1. FC Lok Leipzig erlebte, hat eine neue Qualität.
Das Fünftliga-Spiel konnte nur mit einem massiven Aufgebot von mehr als 1200 Polizisten mühsam abgesichert werden. Es hatte die höchste Sicherheitsstufe, weil sich die verfeindeten Fans der beiden notorischen Problem-Clubs schon in den Tagen davor nicht nur mit Internet-Veröffentlichungen provoziert hatten. So zeigte ein Plakat von Lok-Anhängern das zerstörte Dresden von 1945. In den Trümmern stand eine Siegesgöttin mit Lok-Wappen auf der Fahne, darüber war die Aufschrift „Auf nach Dresden“ zu lesen.
Steine, Feuerwerkskörper, Flaschen
Schon vor des wegen verschärfter Sicherheitskontrollen eine Viertelstunde später als geplant angepfiffenen Spiels der sächsischen Landesliga nahm die Polizei 181 Personen im Stadtzentrum in Gewahrsam, weil sie sich den Anordnungen der Ordnungshüter widersetzten, zudem versuchten Dresdner Chaoten, Busse mit Leipziger Fans mit Steinen zu bewerfen. Lok-Anhänger wiederum warfen bei ihrer Ankunft Feuerwerkskörper. Während der Partie, die die Dresdner 2:0 gewannen, brannten zwar Anhänger beider Lager Feuerwerkskörper ab, die Polizei sah allerdings keinen Grund einzuschreiten.
Zu heftigen Krawallen kam es kurz nach dem Abpfiff, als rund 600 gewaltbereite Fans aus dem Dynamo-Umfeld mit Steinen, Flaschen und Leuchtraketen die Bereitschaftspolizei angriffen. Im Dresdner Hauptbahnhof und an einer Eisenbahnbrücke versuchten Dynamo-Fans, einen Sonderzug nach Leipzig mit aufgesammelten Schottersteinen zu bewerfen, was Einsatzkräfte jedoch auch dadurch verhindern konnten, dass sie 48 weitere Personen vorübergehend in Gewahrsam nahmen. Am Abend wurde bekannt, dass es offenbar noch elf weitere vorläufige Festnahmen gegeben hat.
Unter den vorübergehend festgesetzten Personen sind nach Angaben der Polizeidirektion Dresden auch mehrere Männer, die schon in der Vergangenheit bei Sportveranstaltungen Gewaltstraftaten begangen hatten (sogenannte Gewalttäter Sport). Wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz und das Versammlungsgesetz wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet. Ein Polizeisprecher sagte, die Auswertung des Videomaterials werde erfahrungsgemäß noch weitere Anzeigen zur Folge haben. Die Dresdner Staatsanwaltschaft zeigte sich am Montag verwundert darüber, dass sie von der Polizei über die zeitweilige Gewahrsamnahme selbst sogenannter Gewalttäter Sport nicht informiert worden sei, obwohl man einen Bereitschaftsdienst eingerichtet gehabt habe. Nach Angaben von Behördensprecher Christian Avenarius prüft die Staatsanwaltschaft, ob es notwendig ist, gegen einzelne Gewalttäter nachträglich Haftbefehle zu beantragen.
„Das Strafmaß ist einfach zu niedrig“
Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte es konkrete Absprachen zwischen dem Sächsischen Fußball-Verband (SFV), beiden Vereinen und dem DFB gegeben. „Das ist unfassbar, wenn man sich überlegt, in welcher Liga wir uns bewegen und welcher Aufwand betrieben werden muss“, sagte Hans-Georg Moldenhauer, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbands. SFV-Präsident Klaus Reichenbach sagte der Nachrichtenagentur dpa, mehr Sicherheit sei „nicht zu machen“. Er plädiere angesichts der ausufernden Gewalt selbst in unteren Spielklassen für ein hartes Vorgehen der Justiz. „Das Strafmaß ist einfach zu niedrig, eine Bewährungsstrafe schreckt niemanden ab.“ Am späten Montagnachmittag distanzierte sich Dynamo Dresden „in aller Form“ von den Gewalttätern. Hauptgeschäftsführer Bernd Mass sagte, der Klub werde „gegen alle festgenommenen Randalierer und auch die, die bereits unser Sicherheitsdienst vor Spielbeginn an den Stadiontoren mit Pyrotechnik und Waffen aus dem Verkehr gezogen hat, mehrjährige bundesweite Stadionverbote verhängen.“
Bei Spielen sowohl von Dynamo Dresden als auch von Lok Leipzig ist es immer wieder zu schweren Krawallen gekommen. Im März 1991 musste das Europapokal-Rückspiel Dynamo gegen Roter Stern Belgrad in der 78. Minute abgebrochen werden. Beim Bundesliga-Spiel Dynamo gegen Leipzig im August 1993 im Zentralstadion stürmten randalierende Fans kurz nach Anpfiff den Gästeblock. Nach dem Stadtderby Dynamo gegen den Dresdner SC griffen im September 2002 1500 Dynamo-Anhänger 120 Polizisten an. Im Oktober 2006 kam es in Berlin zwischen Dresdner Fans und Anhängern von Hertha BSC II zu heftigen Ausschreitungen. Nach schweren Krawallen bei der Partie 1. FC Lok gegen FC Erzgebirge Aue II im Februar sprach der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) von einer neuen Qualität der Gewalt.
Alles eine Geldfrage.
Martin Morgenstern (Solobratscher)
- 29.10.2007, 16:03 Uhr
zu Peter Slater
Tim Doubleyou (Wilmo)
- 29.10.2007, 17:59 Uhr
Ganz weit weg
Andreas Grey (Arbitrage74)
- 29.10.2007, 21:31 Uhr
Posing
St. Koch (Pensacola)
- 30.10.2007, 08:52 Uhr
@Andreas
Dirk Meid (dimed)
- 30.10.2007, 10:29 Uhr