http://www.faz.net/-gtl-8ww9a

Heftige Krawalle in Lyon : „Sie wurden mit Pyrotechnik bombardiert“

  • Aktualisiert am

Die Partie in Lyon galt sowieso schon als Hochrisikospiel. Bild: AFP

Türkische Fußballfans sorgen für schwere Ausschreitungen beim Europa-League-Spiel in Lyon. Der Klub-Präsident der Franzosen spricht von zahlreichen Verletzten – und schockierenden Bildern.

          Nach den schweren Ausschreitungen beim Europa-League-Spiel Lyon gegen Besiktas Istanbul sorgt der französische Klub sich um die Sicherheit beim Rückspiel in der Türkei. „Ich weiß nicht, was man machen soll: Vor leeren Rängen spielen oder woanders spielen?“, sagte der Präsident von Olympique Lyon, Jean-Michel Aulas, nach Angaben der französischen Sportzeitung „L’Équipe“. „Ich hoffe, dass die Uefa ihrer Verantwortung gerecht wird.“ Das zweite Viertelfinale ist für kommenden Donnerstag angesetzt.

          Bei den Krawallen vor dem Hinspiel in Lyon, das die Gastgeber 2:1 gewannen, waren zwölf Personen festgenommen worden. „Aus einem Fanblock türkischer Fans wurden kurz vor Beginn des Spiels Feuerwerkskörper in Richtung anderer Zuschauer geworfen“, sagte eine Sprecherin der Präfektur von Lyon am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Daraufhin flüchteten Hunderte Fans auf das Spielfeld. Erst nach einigen Minuten konnten Sicherheitskräfte die Zuschauer vom Rasen führen. Zwei Zuschauer wurden mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, so die Sprecherin. Zahlreiche weitere Verletzte seien vor Ort versorgt worden.

          „Ich habe während der ganzen ersten Hälfte (...) Fans gesehen, die aus Stolz nicht ins Krankenhaus gehen wollten, aber die blutbefleckt waren und viele Geschosse abbekommen hatten“, sagte Aulas, wie der Sender Franceinfo am Freitag berichtete. Die französischen Fans seien in Gefahr gewesen, sagte Aulas. „Sie wurden mit Pyrotechnik bombardiert (...). Wir haben zahlreiche Verletzte gehabt.“

          Europa League : Ausschreitungen vor Viertelfinale in Lyon

          Die Polizei habe nach den Vorfällen etwa 50 Anhänger des türkischen Klubs aus dem Stadion geführt, erläuterte die Präfektur. Die Lage habe sich dadurch beruhigt, hieß es von Olympique Lyon. Auf Twitter zitierte der Klub einen Verantwortlichen: „Wir sind Opfer von Angriffen türkischer Hooligans geworden.“

          Die Behörden hatten die Partie als „Hochrisikospiel eingestuft. Schon außerhalb des Stadions gab es vor dem Spiel Zusammenstößen türkischer und französischer Fußballfans. Nach Einschreiten der Sicherheitskräfte habe die Lage sich aber wieder beruhigt, sagte die Behördensprecherin. „Es war schwierig, die Fangruppen klar zu trennen, da viele Unterstützer des türkischen Clubs nicht aus der Türkei, sondern aus Frankreich oder Deutschland angereist waren“, meinte die Sprecherin. 15 000 bis 20 000 türkische Fans seien in Lyon gewesen. Insgesamt waren 750 Polizisten in und um das Stadion im Einsatz.

          Einige Fans stürmten vor der Partie das Spielfeld in Lyon. Bilderstrecke
          Einige Fans stürmten vor der Partie das Spielfeld in Lyon. :

          Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan äußerte sich im türkischen Sender TGRT zu den Vorfällen: Es sei „sehr gefährlich“, wenn französische Fans auf das Spielfeld vordringen. Der Präsident von Olympique Lyon sagte dagegen, dass die Fans auf der Tribüne in Gefahr gewesen seien.

          Nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend hatte die Uefa die Klubs am Dienstag in einer Mitteilung aufgefordert, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Die Behörden hatten vor dem Hintergrund des Referendums in der Türkei am kommenden Sonntag appelliert, im Stadion keine politischen Banner zu zeigen. „Dieser Aufforderung sind die Fans auch nachgekommen“, sagte die Sprecherin.

          Video-Kanal : Alle News zur Europa League

          Quelle: tora./dpa

          Weitere Themen

          Mit Kroos nach Dortmund Video-Seite öffnen

          Real Madrid : Mit Kroos nach Dortmund

          Der Titelverteidiger hat deutschen Boden betreten: Real Madrid ist für das Champions-League-Spiel in Dortmund angereist. Mit dabei ist Weltmeister Toni Kroos.

          Topmeldungen

          Bereits bei Wahlkampfauftritten der Kanzlerin hatte es in Sachsen massive Proteste gegen Merkel gegeben.

          AfD-Hochburg : Das macht ihnen Angst

          Nirgends ist die AfD so stark wie in Ostsachsen. Manche fühlen sich dort von der Politik vergessen. Doch das sind nicht nur zornige alte Männer.
          Arbeiter transportieren in Berlin ein CDU-Plakat ab.

          Ist Merkel schuld? : Bloß kein Scherbengericht in der CDU

          Die CDU drückt sich fürs Erste um eine tiefere Analyse ihres historisch schlechten Ergebnisses. Doch Merkels Partei steht nun vor riesigen Herausforderungen.

          Kanzlerkandidat a.D. : Noch schont die SPD Schulz

          Am Tag nach dem historischen Wahldebakel beginnt in der SPD die Suche nach Fehlern, Konsequenzen und Schuldigen. Auch wenn es keiner offen ausspricht, ist die Machtbasis von Ex-Kanzlerkandidat Schulz wacklig.
          „Epochale Herausforderungen“: Horst Seehofer am Montag in München

          Selbstverständnis der CSU : Ein Hauch von Kreuth

          Franz Josef Strauß hätte es geschüttelt angesichts des Zustands der CSU nach der Wahl. Die Partei ringt um Orientierung – und die Kritik an Horst Seehofers Kurs wächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.