http://www.faz.net/-gtl-94je2

Mainz 05 : Ein bisschen Frieden

Würdevoller Abgang: Johannes Kaluza zieht die Konsequenzen. Bild: dpa

Johannes Kaluza gibt auf: Der Vorstandsvorsitzende räumt seinen Posten bei Mainz 05. Wer kann den Verein jetzt zur Ruhe bringen?

          Am Ende war Johannes Kaluza offensichtlich gut beraten. Der offene Brief, in dem der 63 Jahre alte Vereinschef am Mittwoch auf der Homepage von Mainz 05 seinen Rückritt begründete, liest sich, als sei er von einem erfahrenen Krisenmanager formuliert, den der Fußball-Bundesligaklub vielleicht besser schon vor vielen Monaten zur Lösung seiner selbstgeschaffenen Führungskrise mit ins schlingernde Boot geholt hätte. Nachdem Kaluza in den vergangenen Wochen nahezu von einer Pfütze in die nächste trat, hat er nun mit dem Schreiben einen würdevollen Abgang gewählt.

          „Es darf in unserem Verein nicht das Interesse des Einzelnen, von wem auch immer, über dem Wohl des Vereins stehen. Und in einer sportlich angespannten und auch wirtschaftlich herausfordernden Situation unseres Klubs dürfen nicht Nebenkriegsschauplätze in den Mittelpunkt rücken und Kräfte binden, die wir für unseren gemeinsamen Erfolg brauchen“, schrieb Kaluza. „Auch wenn mir der Schritt schwer fällt, weil ich den Verein liebe, Gefallen an der Aufgabe gefunden habe und noch viele Ideen gerne verwirklicht hätte, ist es unumgänglich: Ich trete heute und mit sofortiger Wirkung von meiner Funktion als Vereins- und Vorstandsvorsitzender zurück.“ Kaluza gestand zudem Fehler ein und schrieb, irritiert zu sein, dass teils „jedes Wort auf die Goldwaage gelegt“ worden sei.

          „Mainz 05 arm, aber sexy“

          Weltfremde Ideen wie eine gemeinsame monatliche Trainingseinheit von Profis und Fans oder die Anekdote, dass der bei Vereinsanlässen der Rot-Weißen stets in rote Hose gekleidete Kaluza beim VIP-Empfang den in Bingen geborenen und seit einem Jahrzehnt im Klub aktiven Torhüter Jannik Huth nicht erkannte und auf Englisch ansprach, sorgten zunächst nur für ein wenig Spott. Die wiederholte Äußerung, dass „Mainz 05 arm, aber sexy“ sei, erregte aber schon bald Ärger im Aufsichtsrat. Die Fanabteilung sah sich brüskiert, weil Kaluza ein Kölner Marktforschungsinstitut mit einer Studie beauftragte, die in Konkurrenz zu Bemühungen der Fans um eine ähnliche Studie zu stehen schien.

          Zur Eskalation trug letztlich bei, dass der vermeintliche Kämpfer gegen den Kommerz, der nach dem Abgang des durch eine hohe Aufwandsentschädigung und einen geheimgehaltenen Beratervertrag in Ungnade gefallenen Vorgängers Harald Strutz in einer Stimmungswahl vor allem auch durch die Stimmen der Ultras ins Amt gewählt wurde, plötzlich den Eindruck erweckte, selbst auf ein gutes Honorar aus zu sein. „So kam es zu Missverständnissen – zum Beispiel, als ich als wirtschaftlich unabhängiger Unternehmer den Eindruck habe entstehen lassen, es ginge mir ums Geld“, schreibt Kaluza nun. Honorig ist in diesem Zusammenhang, dass die ihm vom Aufsichtsrat letztlich zugestandene Aufwandsentschädigung für die vergangenen sechs Monate in Höhe von summiert 18.000 Euro auf seinen Wunsch der Nachwuchsarbeit zufließen soll.

          Weitere Themen

          Du musst nicht lügen Video-Seite öffnen

          Facebook : Du musst nicht lügen

          Eigentlich sehen die Regeln von Facebook vor, dass ein Nutzer mindestens dreizehn Jahre alt sein muss. Jetzt präsentiert das Unternehmen eine Spezialversion seines Messengers für Kinder.

          Würstchen-Witze will er nicht

          Herzblatt-Geschichten : Würstchen-Witze will er nicht

          Was man diese Woche in der Klatschpresse lernen konnte? Die 64 Jahre alte Brigitte Macron (64) ist schon 64 Jahre alt. Harald Glööckler hat eine Glöötze. Andrea Berg geht ohne Alkohol in Flammen auf. Und um Til Schweiger gibt es ein echtes Alkohol-Drama. Die Herzblatt-Geschichten.

          Topmeldungen

          Die französische Philosophin Elisabeth Badinter und die deutsche Publizistin Alice Schwarzer diskutieren in der Pariser Wohung Badinters.

          Islam und Antisemitismus : „In Cafés sitzen keine Frauen mehr“

          Kommt es durch die Einwanderung von Muslimen zum Erstarken des Antisemitismus? Und was bedeutet diese Diskussion für Feministinnen? Ein Gespräch zwischen der französischen Philosophin Elisabeth Badinter und der deutschen Journalistin Alice Schwarzer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.